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J.R.R. Tolkien
Erschienen
Der Herr der Ringe
11/2001
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart
3 Bände im Schuber, 1360 Seiten / DM 63,50
Eine beliebte Frage von Neueinsteigern in ein Genre ist immer wieder, welche Titel sind zu empfehlen? Für Leute, die sich für phantastische Literatur interessieren ist auf jeden Fall "Der Herr der Ringe" immer mit auf der Liste. J.R.R. Tolkien hat mit diesem Buch Geschichte geschrieben, und das im doppelten Sinne. Er erhob eine Fantasy-Story aus der bloßen Existenz einer Abenteuer-Geschichte in eine bis dahin noch nicht erreichte Klasse. Hier wurde zum ersten Mal eine gesamte Welt dargestellt, mit vielen Detailschilderungen, Verbindungen, Erbfolgen, Waffenschilderungen und, und, und. Diese Geschichte brachte sogar Pazifisten dazu, bei den dramatischen Beschreibungen der Kämpfe mitzuzittern und erleichtert aufzuatmen, als die Heere der Orks zurückgeschlagen wurden und eine von Leichnamen übersäte Ebene zurückließen.

Bis heute haben die Schilderungen aus Mittelerde nichts von ihrer Kraft verloren. Und mit dem bevorstehenden Kinostart gibt es Einiges rund um das Kultbuch der Schwerter-Fans an den Buchläden, Kiosken und in den Medien zu finden.

Das Wichtigste: Die Neuübersetzung des Klassikers. Im Jahr 2000 begab es sich, dass die Mannen und Damen des hohen Hauses zu Klett gen Stuttgart die ehrwürdige Aufgabe angingen, den Mythos des Liedes über die Begebenheiten des Bilbo Beutlin und seiner Gefährten in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das machten sie so erfolgreich, dass die Neuveröffentlichung nun schon in der siebten Auflage verkauft wird. Alle Karten der alten deutschen Ausgabe sind immer noch im Buch enthalten. Der Schuber der Paperback-Ausgabe ist dünner geworden, das Schriftbild moderner und die Sprache sollte dem Original noch näher übersetzt werden. Doch am letzten Punkt scheiden sich die Geister. Die Tolkien-Gesellschaft Deutschland hat eine sehr interessante Gegenüberstellung von englischem Originaltext, alter und neuer Übersetzung im Netz zum Download zusammengestellt. Doch ist es eigentlich müßig, über diesen Punkt zu streiten. Egal ob neu oder alt, "Der Herr der Ringe" zieht den Leser in seinen Bann.

Über den Inhalt braucht man bei der Informationsflut aufgrund der bevorstehenden Kinopremiere fast nicht mehr eingehen. Eigentlich klingt die rohe Zusammenfassung auch recht trivial: Die Welt, die von kleinen Leuten – den Hobbits -, Menschen, Zauberern, Drachen, Orks, Zwergen und Elben bewohnt ist, steht kurz vor der Machtübernahme durch die dunklen Kräfte. Der Hobbit Bilbo Beutlin besitzt einen Ring. Es ist einer der Ringe der Macht, hinter der die bösen Kräfte - und an deren Spitze Sauron – her ist. Nun gilt es für die Gefährten, viele fremde Orte und gefährliche Abenteuer zu überleben, Schlachten zu schlagen, Freunde zu verlieren, neue Freunde zu finden, Schicksalsschläge zu verkraften bis am Ende das Gute siegt. Tolkien zeigt eine Welt mit politischen Beziehungen, verschiedenen Sprachen komplett mit Alphabet und Grammatik, unterschiedlichen Traditionen und Lebensweisen, die so detailliert ist, dass die Fans dieser Fantasywelt immer wieder versuchen, Mittelerde in der realen Welt zu leben – und es auch für Stunden schaffen.

Das magische an diesem Buch ist die Schilderung der Welt. Es gibt nicht nur Gut und Böse, Tolkien erlaubt es seinen Figuren bisweilen auch, zwischen den Polen zu stehen. Ebenso real wie die Charaktere wirkt das Umfeld. Durch die Fülle an stimmigen Details schafft es der "Herr der Ringe" vom Leser Besitz zu ergreifen.

Für militant friedliebende Menschen ist das Buch jedoch nichts. Zu leicht schafft es der Autor mit seinen raffiniert aufgebauten Spannungsbögen, den Leser in die blutigsten Schlachten zu führen. Was man einer ganzen deutschen Generation vorwirft, wird hier zur Kunst erhoben – darüber sollte man sich nach dem lustvollen Genuss der dicken Schwarten zumindest mal kurz seine Gedanken machen. Und man muss sich gut Namen merken können. Sonst entgehen dem Leser schnell die für diese Geschichte bedeutenden familiären Zusammenhänge, was schade wäre.

Sowohl das zum Thema passende Hörspiel als auch das Bilderbuch von MG Publishing können die Einzigartigkeit der Bilder im eigenen Kopf, die beim Lesen des Buches entstehen, nicht erreichen. Darum sind Film und die anderen Umsetzungen in diversen Medien nur schönes und packendes Beiwerk für die Buchstaben gewordene Phantasie eines englischen Sprach-Professors, der seit über dreißig Jahren die Gedanken abertausender Leser auf der ganzen Welt fesselt. Zusatzinfo: Ab Dezember 2001 präsentiert Kinowelt J.R.R. Tolkiens monumentale Trilogie "Der Herr der Ringe" als großes Kinoerlebnis in drei Teilen.


Klassiker!