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Munoz / Sampayo
Erschienen
Alack Sinner Trilogie
11/2001
Edition Moderne, Zürich
3 Bände je ca. 140 Seiten / DM 79,80
Es gibt Sachen, die liegen einem schwer im Magen. Das kann der Heringssalat zum Erdnussbutter-Himbeermarmeladen-Sandwich sein oder eine Faust bei der Oktoberfest-Prügelei. Oder eine verdammt gut erzählte Geschichte. So wie die von Alack Sinner. Von seinem Leben handeln die drei Hardcoverbände, die Edition Moderne in einen festen Pappkarton gegeben hat.

Das Leben ist hart für den Ex-Bullen Sinner und an seiner Schuld hat der hässliche alte Mann hart zu knabbern. Da kommen ihm die seltsamen Aufträge gerade recht, die er als Privatdetektiv annimmt. Auf den ersten 152 Seiten scheint die düstere Welt der schwarzen Detektiv-Storys noch halbwegs in Ordnung zu sein. Alack ist ein harter Brocken und lässt sich von seinen Klienten gerne auf schräge Wege lenken. Mord, Verrat, Wahnsinn, Damen, die zu trösten sind und verschlagene Männer – wie immer. Oder?

Alack Sinner ist anders. Die Serie lebt. Von Geschichte zu Geschichte ändert sich der Ton. Erst unmerklich, mitten im zweiten Band dann aber wie ein Schlag mit dem Baseball-Schläger. Sinners Welt ist hässlich. Nicht nur die Menschen, die widerwärtig normal und ohne Schminke aus der Zeichenfeder Munoz zu fließen scheinen. Fette Wangen ergießen sich über die Zivilisations-Zeichen Anzug und Fliege, andere Visagen ähneln den geifernder Hunde mit gefletschten Zähnen. Auch die Stadt ist dreckig, die Fugen der Fliesen auf dem Klo unregelmäßig und die Hinterhöfe voller Unrat. Die Bilder fühlen sich an, als wären die Panels mit dem Meisel in das Papier getrieben worden. In den viel zu großen leeren Seitenteilen verliert sich der Text. So ergibt sich ein geschlossenes Bild, das die dunkle Stelle am anderen Ende der Welt ist, Entenhausens Antipode.

Dass viel Zeit zwischen der Veröffentlichung der einzelnen Bände lag, merkt man an einigen Stellen. So ändert sich das Lettering, die Druckqualität und die Sprache der Übersetzung. Nicht alles wurde besser. Aber irgendwie passt auch das zum Comic. Im zweiten Band wird es politischer und psychedelischer. Das Thema des unterdrückten Schwarzen in Amerika wird prägnant. Obwohl von einem Europäer gemacht, wirkt es recht authentisch. Es unterstreicht alle Vorurteile der Intellektuellen, und das ein bisschen zu dick. Weiterhin gibt es Tote, aber ist Alack noch Privatdetektiv? Dreht sich die Geschichte noch um Kapitalverbrechen? Oder sind es mehr die Verbrechen des Kapitals, die hier angeprangert werden?

Der neueste Band wird wieder konkreter. Alack ist jetzt Taxifahrer. Das gibt Sampayo mehr Möglichkeiten, direkter auf die Seele der Akteure einzugehen. Alack ist im Knast und wird Vater. Es endet mit einer fast versöhnlichen Szene – Alack backt einen Kuchen.

Einen langen Weg ist die Geschichte mit dem Leser gegangen und nicht jeder wird Alack immer begleiten wollen. Doch schafft die Story eine unerklärliche Nähe zur Figur. Gerade im Schlussbild fühlt man sich erleichtert, und fasst wieder Mut, sich dem Sonnenaufgang voller Freude zu widmen. Bis zum nächsten Halbschatten in einer engen Gasse. Oder bis man einen der Bände nochmal zur Hand nimmt.

Die Kassette beherbergt nicht alle Geschichten des Anti-Helden. Besonders zum Schluss werden Verweise auf andere Alben, vor allem auf "Joe's Bar", gegeben. Das vergrößert noch das unbefriedigende Gefühl, nicht alles verstanden zu haben. Lässt noch mehr am Innenleben von Alack teilhaben. Die Jungs bei Edition Moderne scheinen kein Mittel auszulassen, Emotionen beim Leser zu wecken.


Starker Tobak, der nicht kalt lässt. Günstig alle Mal bei drei dicken Büchern für knapp achtzig Mark. Nur vor Magenschmerzen darf man keine Angst haben.