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Erschienen
Batem oder ein Interview mit dem Marsupilami
11/2001


Fraunquin ahnte ja nicht , was er mit der Figur des Marsupilami anrichtete. Der heutige Fernsehstar tauchte das erste Mal in "eine seltsam Erbschaft" auf. Die Reaktionen der Leser waren so stark, dass der Verlag Dupuis von Franquin verlangte, den schwarzgepunkteten Bären mit dem langen und schlagkräftigen Schwanz öfter in die "Spirou"-Abenteuer einzubauen. Auch hierzulande entwickelte sich das unglaublich putzige (und später auch unglaublich unglaubwürdige) Tier zum Renner und fast gezwungenermaßen erwuchs das Marsupilami-Merchandising. Wer so einen langen Schwanz auf der Schrottschüssel hatte, brachte ehedem mehr Mädels von der Rock-Party nach Hause als Porsche-Manni aus der Disco. Aber wie alles ließ auch dieser Trend schnell nach und so verfiel die Figur in einen zehnjährigen Winterschlaf.



Als dann die Serie weitergeführt werden sollte, Franquin sich aber von dieser Art Comics schon zurückgezogen hatte, wurde ein neuer Zeichner gesucht und mit Batem gefunden. Er arbeitete damals schon als Zeichner im Merchandising Studio und betreute die Figur Marsupilami. Batem beschreibt die Arbeit mit dem "Gott" Franquin als ein freundschaftliches Verhältnis. Der junge Batem traute sich fast nicht, dem Altmeister seine unwürdigen Zeichnungen zu zeigen und der Vater der Figur entschuldigte sich für jede Kritik. So ging das einige Male und seitdem erlebt die gelbe Kultfigur ganz im zeichnerischen Sinne des Erfinders neue Abenteuer.



Auf die Frage, ob Batem nicht gerne mal das Marsupilami in seiner eigenen Art und Weise zeichnen möchte, antwortet der in seinen Holzfäller-Flanellhemd sehr entspannt wirkende Franzose, dass er unglaublich glücklich sein, diese Aufgabe (das Marsupilami zeichnen) zu haben, und er sich diesen Gedanken eigentlich nie gemach habe. Aber im Gegensatz zu Asterix würde sich das Masupilami zeichnerisch entwickeln (an dieser Stelle widersprach die Übersetzerin, sie ist in der für Asterix verantwortlichen Abteilung bei Ehapa beschätigt ...), was aber auch bei Franquin der Fall gewesen sei.



Da das Thema "Studio" im Gespräch aufkam, war die nächste Frage nach der Arbeitssituation in Frankreich. In Amerika ist die Arbeit an einem Comic stark strukturiert. Einer arbeitet die grobe Story aus, ein Anderer schreibt die Geschichte, ein Dritter macht die Vorzeichnungen, usw. ganz im ford'schen Sinne. Im Gegensatz dazu gibt es die Idealvorstellung, dass das französische Comic von einem Gespann aus Autor und Zeichner bestimmt wird. Das sei auch das Ideal von Batem. Er versuche das Marsupilami weitestgehend in seiner Hand zu behalten. Das ist natürlich bei einer Produktion als Fernsehserie und dem ganzen Merchandising-Segment nicht leicht und auch nicht gänzlich möglich, und von Seiten des Verlages sind die Wünsche in Richtung amerikanischer Produktionsweise da. Aber er wehre sich dagegen so weit er könne.



Auf die Frage nach der Zukunft verriet Batem, dass es mehr One-Pager mit dem Marsupilami geben würde, eher in der Gaston-Tradition. Zuerst wolle man das gelbe Lieblingstier wieder allein agieren lassen, später dann auch seine Familie dazu nehmen. Ein Reintegration in die Welt von Spirou würde es nicht geben.



Unbamherzig verstrich die Zeit, zwei Aufforderungen zur letzten Frage konnten umgangen werden bis dann leider endgültig die Zeit rum war. Zur Schande des Interviewers muss angemerkt werden, dass sich im vor Ehrfurcht und Glück benebelten Hirn einfach keine abschließende Frage formulieren wollte und so beschloss man die zehn Minuten mit einem herzlichen Händedruck und der gegenseitigen Beteuerung, dass es ein interessantes Gespräch gewesen sei.



Das Interview mit Batem wurde am Rande der diesjährigen Frankfurter Buchmesse geführt. Wir danken dem Eheapa-Verlag für die freundliche Vermittlung.