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Erschienen
Buchmesse Frankfurt 2001
11/2001
Das Mekka der Buchstaben-Fetischisten, El Dorado für Seitenblätterer und Kultstätte für Jäger und Sammler (wie jede Messe halt) lud wie jedes Jahr zum fröhlichen Verlags-Marathon. Aber schon die Anfahrt war nach dem 11. September etwas anders. 747 Flugzeuge knapp über der Autobahn und Mainhattans imposante Skyline hinterließen einen etwas seltsamen Druck in der Magengegend. Aber sonst alles wie gehabt: Miese Ausschilderung des Parkplatzes, kaum Platz in den Pendelbussen und jede Menge Bücher. Manche so wichtig wie Naddels Kochbuch – erstes Gericht: Croissants mit Frühlingsquark, eine Herausforderung an jeden Koch; andere so überflüssig wie Karaseks sehr spät pubertierenden Feuchten Träume zu dritt.

Doch für die Freunde der Sprechblase gab es ja den Themenschwerpunkt Comics. In der neu gebauten Prunkhalle drei gleich hinter dem Eingang die Stände von Ehapa, Carlsen, Dino, Zack und, und, und. Sogar Lorenzo A. Rudolf, der viel beschäftigte Leiter der Messe Frankfurt, ehrte dieses Thema mit einer persönlichen Eröffnungsrede, die stellenweise sogar persönliche Nähe zum Thema erkennen ließ. Okay – sein letzter Comic war der neue Asterix aber in Zukunft wolle er einige Zeit dem Thema Manga widmen. Da hat er aber viel vor, denn Carlsen hat sein dickes Magazin diesen Monat schon am Kiosk und Egmont will Anfang nächsten Jahres ein original Manga-Magazin (Telefonbuchstärke) monatlich für fünf Euro (hoffentlich haben wir das richtig verstanden) rausbringen.

Im Austellungsbereich gab es ein paar Blätter und ein begleitendes Video über Giraud, ein paar Infos "Wie entsteht ein Comic", eine reich bemusterte Lesestube und eine katastrophal schlecht ausgerüstete Bühne auf der dann auch reichlich piepsende und so recht unverständliche Veranstaltungen abgehalten wurden.

Eine davon: Das Sprechblasen-orientierte literarische Quartett. Leider war mal wieder der populistische Marktschreier der amüsanteste, wenn auch nicht der interessanteste Beiträger. Ob da der Nachname von Andreas Platthaus Programm sein sollte? Wer zum Beispiel Dylan Dog als schlecht gemachten Autoren-Comic sieht und dabei den Spaß an der Platitüde und dem Klischee nicht sieht, ist schon irgendwie unterhaltsam, wenn er Kraftausdrücke und Beleidigungen abspult, aber nicht wirklich hörenswert. Insgesamt ergötzte man sich eher in Bekenntnissen des Unverstehens oder des Verstehens. Dass es mehrere Herangehensweisen an das Medium Comic gibt, kam leider zu kurz. Da sollte man Comics doch lieber selber lesen. Menschlicher war da der sammelnde Satiriker Kalkhofe, der seine Liebe zum eher schlechten Spiderman mit der 65-er Geburt erklärte.

Sonntags gab es dann die "Wer wird Manga-Millionär" Show. Sechs Gruppen durften ihr Wissen über die Kulleraugen- und Speedlines-Comics unter Beweis stellen. Die anfänglich richtig harmlosen Fragen (selbst ein Laien hätte die ersten sieben Fragen beantworten können) wurden von Mal zu Mal schwerer. Und Gruppe sechs hatte sich seine Preise redlich verdient. Apropos Preise, da haben sich die Veranstalter echt nicht lumpen lassen. Als Hauptgewinn winkte ein Rucksack mit Mangas, Card-Game, Artbook und ein Maga-Gutschein über zweihundert Mäuse. Einzulösen bei Carlsen. Dass das Quiz nicht nur für Fans ein Genuß war lag vor allem am schmissigen Moderator und der nun endlich funktionierenden Technik.

In puncto Orginal-Zeichnungen-Sammeln wurde von den Comic-Verlagen einiges geboten. Und nicht nur bei den Großen. Eckart Schott mit seinen eher den kleinen Verlagen zuzuordenden "Salleck Publications" brachte mit Toppi und Lepage gleich zwei hochkarätige Zeichner nach Frankfurt. Alle Zeichner und Verlage zu nennen würden den Raum sprengen. Als Resümee könnte man sagen: Frankfurt wird für den Comic und seine Sammler immer wichtiger.

Wer nur die Bücher sieht, verpasst die Hälfte des Spaßes, die eine solche Messe bieten kann. An jedem Stand warten bezahlte Verlagsangestellte darauf, ihre Begeisterung – möglichst von Produkten ihrer Abteilung – vorzustellen. Zu sehen, das man in jedem Alter engagiert und fröhlich sein kann macht einfach Mut auch alt zu werden. Oder der grüne Drink bei Pons – vielleicht gibt es ja nächstes Jahr den von uns vorgeschlagene Minzsirup-Zitronenbrause-Cocktail?

Wacker wie immer und Dank Absage des Standnachbarn vergrößert: Unser inzwischen richtig ans Herz gewachsene und zur festen Anlaufstelle avancierte kritische "Profizuschauer" Augustus Hoffmann. Immer wieder für ein paar nette Worte bereit, man kennt sich ja schon seit Jahren. Wenn dieses Jahr der Preis des beleidigten Zuschauers nicht an den Kandidaten mit den meisten Stimmen vergeben wird, könnte der Grund hierfür an einem weiteren tollen Gespräch auf der Buchmesse zu finden sein. Dann war da noch der Marsipulami-Zeichner Batem mit dem man sich am Stand von Ehapa mit der Hilfe einer Übersetzerin unterhalten durfte.


Die Buchmesse auch im Jahr der großen Katastrophen wieder eine ungehemmte Huldigung an alle Sinne - der Mega-GAU des Analphabeten für uns nach wie vor die schönsten Tage des Jahres. Und da fragt der Fachmann zu recht: "Jo, ist denn scho Weihnachten?!"