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Erschienen
"Krönungsmesse" beglückt Zuhörer
12/2001
Ein ganz bemerkenswertes Geistliches Konzert hat Mitte November das Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Hockenheim in der Katholischen Kirche St. Georg gegeben: Vor einem gut besetzten Auditorium standen Werke aus der Feder Wolfgang Amadeus Mozarts und seiner Zeitgenossen Michael Haydn und Franz Xaver Richter auf dem Programm, wobei Mozarts „Missa in C“ KV 317, besser bekannt als „Krönungsmesse“ den unangefochtenen Höhepunkt bildete.

Gleich zum Auftakt präsentierte der musikalische Leiter Rainer Ruhland mit seinem 17-köpfigen, rein weiblichen Kammerchor ein wahres Juwel aus der ohnedies außergewöhnlichen Musik-Kollektion des Hockenheimer Bildungstempels. Die jungen Stimmen ließen Haydns Messgesang „Laudate pueri Dominum“ gleichsam zu einer zarten, sanften und sehr charmanten Einladung für das gesamte Konzert werden. Die ausgewählten Stimmen beeindruckten durch ihren sauberen Klang, die fein abgestimmte Intonation und die Kraft, die trotz der Jugendlichkeit in ihnen steckt: Auch im Zusammenhang mit dem Orchester hatte der Kammerchor keinerlei Probleme, sondern ergänzte sich vielmehr zu einem vollen, atemberaubend fesselnden Gesamtklang. Etwas bedauerlich war, dass der Oberstufenchor, der während des Auftritts der jungen Frauen im Seitenschiff wartete, durch störende Nebengeräusche auf sich aufmerksam machte.

Das Orchester, Ruhland hatte mit dem Schwetzinger Kammerorchester, das um einige Musiker aufgestockt wurde, einmal mehr „alte Bekannte“ aufgeboten, konnte seinen besonders warmen Corpus in Richters „Sinfonia con Fuga“ in g-moll unter Beweis stellen. Die Komposition des entschiedenen Vertreters der Mannheimer Schule kam den Instrumentalisten insoweit sehr entgegen, als sie besonders aus dem Kontrast zwischen den tiefen Streichern, die mit Orgelpunkten ein gewisses statisches Fundament bildeten, und den leicht darüber hinwegschwebenden höheren Registern, insbesondere den Bläsern, die klangverstärkend geführt werden, lebt. Auch voll durchdramatisierte Passagen wie die nach dem fugato strichen das besondere Stehvermögen und die wache Konzentration der Musiker unter Beweis. An diese Stelle soll angemerkt werden, dass man einen Teil des besonderen Genusses sicherlich auch Rainer Ruhland zu verdanken hat: Es ist mit jedem Takt zu spüren, dass hier ein Routinier im positivsten Wortsinne am Werk ist, einer, dem alle Stimmen und Instrumente gleichsam blind vertrauend folgen.

Der siebzig Stimmen zählende Oberstufenchor gesellte sich zum „Schlager“ unter den geistlichen Werken zum Orchester: Mozarts „Laudate Dominum“ aus der „Vespera solennes de Confessore“ wird doch immer wieder gerne gegeben. Die Männerstimmen fühlten sich ganz offenbar etwas in die Enge getrieben und taten sich so beim „Warmwerder“ eher unangenehm hervor – ein Umstand, der im weiteren Verlauf des Konzerts aber völlig verschwand. Voll da von Anfang an dagegen die Solo-Sopranistin Josefa Kreimes, die auch beim Hauptwerk, der „Krönungsmesse“ ihren Part beitrug. Die erst seit dem 19. Jahrhundert populäre Bezeichnung „Krönungsmesse“ für die „Missa in C“ geht wahrscheinlich auf die Aufführung bei den Prager Kaiserkrönungsfeierlichkeiten in den 1790-ern zurück. Hier erwies sich der Chor als ein vielseitiges, sehr diszipliniertes Vokalensemble mit besonderen Stärken in der Rhythmik und der Dynamik. Vom sehr wuchtigen „Kyrie“ über das breit ausgebaute „Sanctus“, bei dem man die besondere Durchzugskraft in allen Stimmen zeigen konnte, bis hin zum „Agnus Dei“, mit dem der Chor, einfallend ins Sopran-Solo den Abend zu einem unerschütterlichen musikalischen wie geistlichen Meilenstein werden ließ.

Die Liste der Solisten ist mindestens ebenso bemerkenswert: Über die Sopranistin Josefa Kreimes viele Worte zu verlieren, hieße zumindest hierzulande Eulen nach Athen zu tragen – sie ist von zahllosen Auftritten berühmt und allenthalben für ihre kräftige aber dabei flexible und leichtgängige Stimme beliebt. Mit dem „Agnus Dei“ hat sie erneut ein Beispiel der besonderen Finesse ihres Timbres gegeben. An ihrer Seite stand der Tenor Konstantin Rupp. Der junge Mann hat erst vor drei Jahren sein Abitur am Gauß abgelegt und studiert seit 1999 in Mannheim Gesang bei Professor Dr. Alejandro Ramirez. Seine schlanke, sehr lyrisch gefärbte Stimme eignet sich für die Kirchenmusik in einer unvergleichlichen Art. Dabei schien Rupp nicht nur ohne jegliche Scheu an die Partie zu gehen, sondern jeden Ton richtig zu genießen – eine Begeisterung, die sich auf seinen Gesang und damit auf das wirklich erstklassige Hörerlebnis übertrug. Etwas schwächer daneben die beiden tieferen Stimmlagen; sowohl die Altistin Regina Grönegress, als auch der Bass Meter Maruhn – übrigens ein Studienkollege von Rupp an der Mannheimer Musikschule, allerdings in der Obhut von Prof. Rudolph Pierney – hatten allerdings auch mit deutlich undankbareren Partien Vorlieb zu nehmen.



Die Krönungsmesse hat einen neuen Stein in die schon prunkvolle Fassade des gauß’schen Kulturschaffens gesetzt. Als die Kirchenbesucher nach dem rund einstündigen Konzert wieder in die kalte Dunkelheit hinaustraten sah man sie das musikalische Erlebnis wie eine Kerze vor sich hertragen – kann es wertvolleres geben, als Musik, die entzündet und beglückt?