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Walter Moers
Erschienen
Wilde Reise durch die Nacht
12/2001
Eichborn GmbH & Co Verlag KG, Frankfurt/M.
200 Seiten / DM 39,80
Klar kennt man Walter Moers, den Schöpfer des "kleinen Arschlochs". Wer aber beim dritten (Danke für die Kritik von Michael Heide) Roman des Autors fäkal-sprachliche Proleten-Witze erwartet, wird angenehm enttäuscht. Die "Wilde Reise durch die Nacht" nimmt den Leser mit auf eine traumhafte Fahrt in die Hölle, die Zukunft und auf den Mond, um nur einige Stationen zu nennen.

Dabei sind es die Seiten füllenden Bilder des Illustrators Gustav Doré, die den Leser zunächst nur als Betrachter in ihren Bann ziehen. Die Stiche zierten ehedem im 19. Jahrhundert etliche Bücher. Aus unendlich vielen kleinen Strichen entstehen Monster und Helden, nackte (was in der Geschichte nicht ohne Auswirkung bleibt) Jungfrauen und mutige Helden. Moers hat einundzwanzig dieser alten Bilder genommen, und eine Geschichte darum herum geschrieben (mit den beiden Bildern im Umschlag scheinen es dreiundzwanzig zu sein, aber besser mehr als eine Glückseligkeit zu wenig ;-).

Moers lässt sich von diesen phantastischen Bildern durch seine innere Welt tragen. So erlebt der junge Gustav eine unglaubliche Geschichte nach der anderen. Natürlich nicht ohne augenzwinkernde Seitenhiebe gegen die Erwartungshaltung des Lesers. So sinniert der Tod mal über sein Tun und die Zeit nimmt die Abkürzung durch die galaktischen Gullys in Richtung Zukunft.

Hier und da sind es lustige, mal aber auch nachdenkliche Bemerkungen, die so spielerisch verpackt leicht aufgenommen werden können. Es kommt ein Gefühl von Michael Endes "Unendlicher Geschichte" auf. Eigentlich outen sich alle Kreaturen als Helfer des Todes und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto wissender wird der Held, was von den verschiedensten Wesen mit Respekt festgestellt wird.

Doch steckt nicht ein bisschen "Dallas" in jeder Geschichte? Gustavs Erwachen beendet den Spuk recht normal – zu normal um diese Reise würdig zu beenden.

Was bleibt ist eine erstaunlich englisch klingende Erzählung und die vielen Bilder, die man sich immer wieder gerne anschauen wird. Dabei war das Vergnügen von nur kurzer Dauer, denn die zweihundert Seiten sind mehr als großzügig mit Rand und großen Buchstaben versehen.

Trotzdem hat es Spaß gemacht, dieses schöne Büchlein mit dem Silberschnitt am Kopf zu durchfliegen. Eine kurze Biographie des echten Gustav Doré und die Quellenangabe der Bilder komplettiert das Buch.



Überraschend englisch, phantastisch und kurz. Auch was für Augenmenschen.