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Brigitte Hamann
Erschienen
Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators.
02/99
Piper Verlag, München
652 Seiten, 100 / w-Abbildungen und Faksimiles
"Hitlers Wien" von der in Österreich lebenden deutschen Historikerin Brigitte Hamann ist die Biographie des Mannes, der als der "größte Verbrecher des Jahrtausends" in die Geschichte eingegangen ist. Die promovierte Historikerin Hamann beschreibt die Lebensjahre des jungen Hitler von der Geburt im deutsch- österreichischen Grenzort Braunau am Inn 1889 bis zur Übersiedlung von Wien nach München im Jahr 1913.

In dieser glänzend geschriebenen Arbeit, die sich unter anderem durch die detaillierte Quellenarbeit auszeichnet für deren Forschung und Authentizität die Autorin, man ist geneigt zu schreiben, fast anmutend wirkende Detektivarbeit geleistet hat, wird herausgearbeitet, welche Ideeen und Menschen Hitler geprägt haben und wie sich die Atmosphäre der Vielvölkerstadt auf den Sozialisierungprozeß des späteren Diktators ausgewirkt hat.

In 12 Kapiteln beschreibt Brigitte Hamann, die ferner die anerkannteste und die am häufigsten übersetzte Biographie der berühmten österreichischen Kaiserin Elisabeth geschrieben hat, neben und mit dem Lebenslauf des Gelegenheitsarbeiters und zeitweise im Obdachlosenasyl lebenden Adolf Hitler eine Politik-, Kultur- und Gesellschaftsgeschichte der KuK-Hauptstadt Wien.

Es ist dabei erstaunlich, wie direkt der spätere "Führer" die Sprache und Bildnisse des ultranationalen wiener Spektrums übernommen hat. Worte wie "Führer", "Heil", "entartet" und viele mehr, die dem gegenwärtigen Menschen als äußerst fremdartig vorkommen, waren in diesem speziellen wiener Milieu Alltagsprache.

Der Leser erfährt in diesem Buch Ausführliches über die Leitbilder Hitlers wie zum Beispiel über den populären Demagogen und damaligen Wiener Bürgermeister Karl Lueger, den Rassentheoretiker Guido von List und über Georg Schönerer – alle vertraten trotz aller Unterschiedlichkeit einen mehr oder weniger ausgeprägten Rassenantisemitismus.

Das Verhältnis Hitlers zu Juden in seinen "Wiener Jahren" von 1908-1913 kommt zu einem erstaunlich wirkendem Ergebnis. Der Leser erfährt von dem regen persönlichen Kontakt Hitlers zu Juden, die zu den wenigen Bekanntschaften des späteren Führers gehörten, die ihm durch den Kauf seiner Bilder die Existenz sicherten und gegenüber denen der junge Hitler höflich und respektvoll auftrat. Vom späteren Judenhasser, der für Holocaust an Millionen verantwortlich sein würde, ist nichts zu merken gewesen.

Im Anhang des Buches ist unter anderem ein ausführliches Literaturverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis und Quellenverzeichnis zu finden.

Brigitte Hamans Hitler-Biographie sticht unter den hunderten Erscheinungen zum Thema "Hitler" durch die Exaktheit der Recherche und der Nachvollziehbarkeit der Jahre, die für den weiteren Lebensweg Adolf Hitlers so entscheident waren, heraus.