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Alexandra Martini
Erschienen
Litter only
01/2002
Könemann Verlagsgesellschaft mbH, Köln
Klein aber ganz schön dick / € 10,17
Litter only ist ein kleines Bildbändchen mit den Abbildungen von Mülleimern aus aller Welt. Banal- oder doch nicht? Um den Müll gibt es immer wieder Skandale und Aufregung. Mal, wenn die Bediensteten der Kommunen streiken und die Mülleimer nicht entleert werden, mal, wenn er im Titel eines Theaterstücks auftaucht.

Alltäglichkeiten sind Abläufe, die immer gegenwärtig und daher eher unsichtbar sind. Wie oft produzieren wir am Tag Abfall? Und wie oft wird er einfach in die Landschaft gekippt (schon mal eine Zigaretten-Kippe auf dem Asphalt gesehen?). Da schlägt die Wegwerfgesellschaft unbarmherzig zu. Doch dieses Büchlein geht einen anderen Weg zum Mülleimer.

Die Fotografin hat neben den üblichen Bildern auch die Mülleimer der Welt auf ihren vielen Reisen aufgenommen. Fast akribisch werden die Aasfresser des kleinen Konsums auf ganzseitigen Abbildungen gezeigt. Trotz der vielen Seiten gibt es immer wieder Parallelen. Die Standardform eröffnet den Reigen. Schmuckloser Plastikbehälter mit Griff und Rollen – 30 Liter Vergessen auf der ganzen Welt. Und auch wenn sich die Präsentation über das prunkvoll verzierte Schmuckstück hin zur wilden Sammelstelle ändert, so richtig passieren will nichts auf den ganzen Bildern.

Und so richtig passiert auch nichts, nicht mit dem Müll und nicht mit den Köpfen, die ihn produzieren. Schon wieder kommen Gedanken in Richtung Gesellschaftskritik, obwohl weder die Bilder tendenziös ausgewählt sind, noch das dreisprachige Vorwort in diese Richtung leitet. Man kann mit Litter only zwei Sachen machen: Es entweder schnell wieder weglegen – "Was ein Unsinn" – oder man macht sich Gedanken. Sei es über die Ästhetik von Mülleimern oder über eine weltweite Alltäglichkeit.

Einige Bilder wirken durch den Kontrast. Ein überquellender Metallständer mit Plastiksack vor malerischem Hintergrund mit Meer und Klippen oder ein fast idyllisches Bild mit asiatischer Architektur und dem Objekt dieses Buches, dem Mülleimer.

Ein überdimensionaler Buchrücken gewährleistet die Beständigkeit des Buches. So viele kleine Seiten könnten bei unsachgemäßer Verarbeitung leicht zum Brechen des Buches führen, und dann müsste es ja in den Mülleimer.



Ein Buch ohne Worte das einem den Text aus der Nase ziehen kann, wenn man es will, oder das so nutzlos sein kann wie Abfall. Reinschauen und Gedanken machen! Kein erhobener Zeigefinger und kein Denk-Zwang.
Fast schon hinterhältig.