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Erschienen
Blues-Legende EB Davis im Pumpwerk
(Jazz- und Bluestage)
01/2002
Auch in einem Kulturzentrum, das wie das Hockenheimer auf eine in der Zwischenzeit ganz beachtliche Vergangenheit und vor allem auf ein vielseitiges, von herausragenden Ereignissen geprägtes Programm verweisen kann, sind die echten Ausnahmeveranstaltungen wie das Wort schon sagt eben Ausnahmen. Eine solche hat Hockenheim Anfang Dezember erlebt, als der Gott des Blues, EB Davis, mit seiner Band im "Pumpwerk" gastierte. Der schwarze Weltklasse-Musiker hat damit nicht nur den Jazz- und Bluestagen, die mit diesem Konzert ihren Ausklang fanden, eine funkelnde Krone aufgesetzt, sondern auch im Jahresprogramm ein echtes Highlight gesetzt.

Eingeheizt wurde das Publikum, das, man mag es, wenn man die Berühmtheit des Meisters bedenkt, kaum aussprechen, in zunächst nicht unbedingt zufriedenstellender Zahl gekommen war, von Jim Kahr. Der Leader der Chicagoer Blues-Szene, der einst unterwegs war mit Blues-Legenden wie Jimmy Rogers und John Lee Hooker, bevor er selbst zu einem Meister des Fachs aufstieg, begeisterte mit einer faszinierenden Mischung aus exzellenter Gitarren-Spieltechnik und einer fesselnden Stimme, die Geschichten in einer Ursprünglichkeit zu erzählen weiß, wie man es gerade aus weißen Kehlen kaum findet. Der Sound ist bodenständig, auf elektronischen Schnickschnack verzichtet der Mann, dem selbst eingefleischte "Rassisten" ein "schwarzes feeling" bescheinigen. Dabei produziert "Jimbo" einen typisch amerikanischen groove, in dem letztlich alles stets mit einem breiten, verschmitzten Grinsen zu verstehen ist. Neben eigenen Titeln haben auch seine Cover-versionen bekannter Styles zu seiner Berühmtheit beigetragen, die ihm gerade in Deutschland eine feste Fangemeinde beschert hat: Jedem Titel, ob aus der eigenen Feder oder von fremder Hand entliehen, drückt er nämlich seinen eigene Stempel auf – da werden in die zwölf Takte des Blues Weltschmerz und Melancholie hineingelegt und die Zuhörer zu Freunden, zu "Folks" gemacht.

Einen Zeitsprung in Tage, als Blues noch in den Straßen von Memphis, Tennissee zuhause war, als man der Musik noch zuhörte und die Kunst noch nicht dem Medienkult und dem Kommerz geopfert war, erlebten die inzwischen etwas mehr gewordenen Zuhörer, als "The Ambassador of Blues", "Mister Ebylee Eb Davis" zusammen mit seiner "Superband" aufdrehte: Als der schwarze Vollblutmusiker, der in drei Wochen 56 Jahre alt wird, die Bühne betrat, ging ein Raunen durch die Reihen und es brach eine Begeisterung aus, die eben nur ein "Gentleman des Blues" zu verbreiten vermag – golden glitzerte die Krawattennadel, Lackschuhe, ein schwarzer Hut mit Feder und eine Stimme, die mit ihrer erdigen Grundfärbung sofort alle Aufmerksamkeit auf sich riss. Davis, der auch mit den ganz großen seines Fachs, beispielsweise BB. King and Ray Charles, zusammen auf der Bühne gestanden hatte, hatte den Saal sofort fest im Griff. Mit insgesamt eher schnellem Beat und einem fetzigen Drive spornte Eb mit seiner "Superband", ebenfalls alles Vollblutmusiker (Willie "Creep Easy" Pollack, sax, Jürgen "Bow Wow" Bailey, guit, Helle Hartwig, bass, Nina T. Davis, keys, Charlie "in the Pocket" Bailey, drums) die Gäste nicht nur zu applaustechnischer Höchstleistung an, sondern er vermochte, was sonst nur selten in Hockenheim zu erleben ist: Begeisterte Blues-Liebhaber gaben sich auch körperlich voll den Rhythmen hin. Das mag nicht nur an der atemberaubenden Musik gelegen haben, sondern auch an der Art, mit der Eb Davis seine Lieder mit aller Kraft auslebte – sowohl Stimmlich, als auch mit einer lebendigen Bühnenshow, bei der der Akzent aber nicht auf der Show lag, sondern die jeden seiner Titel noch einmal unterstrich. Wie große Kinder spielten die Jungs ausgelassen auf der Bühne und diese Begeisterung steckte an, unwillkürlich und unausweichlich.


Am Ende eines langen, eines rassigen, eines unheimlich anturnenden Programms konnte man die Inspiration in den Augen der Zuhörer sehen: Hockenheim hatte etwas ganz außergewöhnliches erlebt.