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Erschienen
Harter "Irish Folk"
01/2002
Die Gemeinden um den Wasserturm versanken im Schnee-Chaos, wer konnte, suchte Zuflucht vorm warmen Kachelofen – nur ein Paar völlig Verwegene trotzten dem Unbill des Wetters und richteten es sich drei Tage vor dem Jahreswechsel im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" gemütlich ein: Wein, Wärme und Musik machten den Musentempel zu einem Garten des Entzückens.

Die Gärtner: Fünf Mann der Band "Garden of Delight", die sich in Hockenheim schon Anfang des gerade zu Ende gegangenen Jahres mit einer ganz besonderen Art der Musik, sie selbst nennen es "Celtic Pop", empfohlen hatten. "Celtic steht für das Romantische, das Mystische, das Rhythmische in uns, Pop ist einfach eine Abkürzung für populäre Musik, was für mich bedeutet Musik für alle", so charakterisierte der Bensheimer Songschreiber und Bandleader Michael M. Jung damals das Selbstverständnis der "Delights".

Inzwischen haben sie aber die zweite CD "Celtic Legends" veröffentlicht und touren mit einem Mammut-Programm durch die Lande, das eine etwas andere Schwerpunktsetzung nahe legt: Zwei mal eindreiviertel Stunden langen die Jungs, die auf den ersten Blick immer noch so aussehen, wie eine Schülerband, so richtig hin. Unter "Irish Folk" dürften die "Delights" deshalb eigentlich nicht mehr so recht firmieren, viel zu hart ist der Sound in der Zwischenzeit geworden, vom irischen Traditional ist kaum noch mehr geblieben, als ein "G’schmäckle". Diese Evolution hin zu etwas wirklich ganz und gar Eigenständigem ist bemerkenswert insbesondere dann, wenn man bedenkt, wieviel einfacher für "Garden of Delight" Erfolg zu machen wäre, wenn man auf der Irish-Folk-Welle (weiter) mitgeschwommen wäre.

Jetzt also ein eigener Stil, der Traditionals noch berücksichtigt, aber in einem anderen, unbekannten Gewandt daherkommen lässt: "Whiskey in the jar" wäre ein Beispiel für diese Art der Selbstaneignung; Jung wollte endlich den Bitten seiner Fans nachkommen und den Gassenhauer ins Programm aufnehmen, er hat ihn aber rhythmisch und zumindest partiell auch thematisch völlig verändert.
Festzustellen ist eine gewisse "Verrammsteinisierung". "Downtown" kam mit Zwischengesängen daher, die zum einen eben an Lindemanns urigen Sound erinnern, zum anderen vielleicht an die barbarische Geschichte der Keltischen Völker; gesteigert hat Fiddler und "Tiefsänger" Dominik Roesch das dann bei "Pirates in the church".
Neben diesen Titeln mit hartem beat und dirty groove stellte die Truppe aber auch bei diesem Konzert und auf der neuen CD wieder wahre "delights": Im besonderen Umfeld fast schon zärtliche Balladen wie "Gone like the wind" und eine kultivierte Abwechslung zwischen Traditionals und einem richtiggehend weichgespülten Klang wie in "Heaven number nine".

Was bleibt ist der Schluss, dass "Garden of Delight" inzwischen sicherlich zum Härtesten aufgestiegen ist, was unter dem Stichwort "Irish Folk" noch zu finden ist: Verwunderlich eigentlich, dass die Jugend, die den "Wild Silks" oder "Paddys" in Scharen hinterherläuft, den "Delights" zumindest bei diesem Konzert die Nachfolge verweigerte.



Aber vielleicht bleibt als Trost, dass das Individuelle und alles, was ein wenig aus dem Rahmen fällt, es häufig schwer hat, sich zu behaupten.

Dass man da auf die Ausdauer von "Garden of Delight" vertrauen kann, ist sicher.