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Karl Hugo Pruys
Erschienen
Helmut Kohl. Die Biographie
02/1999
edition q in der Quintessenz Verlags-GmbH,Berlin
588 Seiten mit mehr als 100 S/w-Abbildungen
"Helmut Kohl - Die Biographie", so der zu Beginn etwas überschwänglich wirkende Titel der vom Bonner Insider und ehemaligen Kohl-Mitarbeiter (1974/77 Pressesprecher beim CDU-Bundesvorstand) geschriebene Lebensgeschichte des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers, der als der am längsten amtierende deutsche Regierungschef des 20. Jahrhunderts in die Analen eingehen wird.

Die Kohl-Biographie des studierten Publizisten und Kommunikationswissenschaftlers Pruys umfaßt die Lebensstationen des Menschen Helmut Kohl bis zu Beginn des Wahljahres 1998 (Wahlniederlage im Herbst 1998 nicht berücksichtigt).

In 14 Kapiteln versucht der Autor die Vielschichtigkeit, Errungenschaften und Fehler des Bundeskanzlers Kohl darzustellen, der mit der deutschen Einheit und dem europäischen Einigungsprozeß ohne Zweifel Weltgeschichte geschrieben hat. Im abschießenden Kapitel wird in einem Essay des Deutschland-Korrespondenten der französischen Tageszeitung "Le Figaro", Jean-Paul Picaper, die besondere Beziehung des Kurpfälzers zu Frankreich und der deutsch-französischen Freundschaft beschrieben. Dabei ist es erstaunlich, mit wie viel Wärme, Respekt und Hochachtung ausländische Beobachter der Person Kohls begegneten und begegnen - die in Deutschland selbst veröffentlichte Meinung verspottete den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz und den ehemaligen Bundeskanzler während seiner Amtszeit jahrzehntelang; wer über Helmut Kohl anders als hämisch oder spottend berichtete, hatte beinahe ein publizistisches Tabu durchbrochen.

Pruys beschreibt Kohl als einen Menschen mit einem ausgeprägtem Machtinstinkt, der äußerst standhaft und charakterfest seine Dinge in die Hand genommen hat und Schmähungen ertragen konnte, wo schwächere Menschen längst aufgegeben und sich aus der Politik zurückgezogen hätten.

Erwähnenswert ist nach Pruys Ansicht ferner Kohls enormes Gedächtnis und sein Regierungsstil mittels Telefon. Aber auch Defizite wie zum Beispiel Kohls "Angst" vor der Mitteilung schlechter Nachrichten an Mitarbeiter, die er aus seiner näheren Umgebung "entfernen" möchte.

Interessant sind an Pruys Biographie auch die "Geschichten" der Privatperson Kohl. Die "kleinen Anekdoten" des Menschen, den der Zuschauer in 25 Jahren beinahe täglich als Parteivorsitzender der CDU (1973-1998) oder Bundeskanzler (1982-1998) im Fernsehen zur Kenntnis nahm und von dem man landläufig annehmen möchte, daß man alles über diese Person wisse.

Daß Kohl als Kind leidenschaftlicher Hasenzüchter gewesen ist und schon damals ein sehr ausgeprägtes Verhältnis zum guten Essen entwickelt hatte dürfte allerdings nur wenigen bekannt gewesen sein. Auch wie er 1948 bei einem von ihm organisierten Tanztee – ja, so etwas gab es einmal! – seine heutige Ehefrau Hannelore kennenlernte erzählt der leicht schmunzelnde Pruys.

Der Leser erfährt viele neue und erstaunliche Tatsachen zur Person Helmut Kohl in einer sprachlich klar geschriebenen Lebensgeschichte über den Staatsmann Kohl, der im Inland noch heute von vielen verkannt, vom amerikanischen Präsidenten Bill Clinton aber als "einer der größten Staatsmänner unserer Zeit" bezeichnet wurde und den die Spanier nach einer Umfrage zu 85% zum Präsidenten eines vereinten Europas wählen würden, wenn dies möglich wäre.

Karl Hugo Pruys Kohl-Biographie unternimmt den Versuch, ein gerechtes Bild des Kanzlers zu zeichnen, ein Dild, auf das Kohl, so mag man nach der Lektüre klarer als vorher sehen, ein Anrecht hat, weil er es sich verdient hat.


Pruys Lebensgeschichte wird dem Anspruch "die Kohl-Biographie schlechthin" zu sein, voll und ganz gerecht.

2. Auflage mit umfangreichem Bibliographieteil zur Person Helmut Kohl