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Erschienen
Der "große Sohn Neulußheims" hatte eingeladen
02/2002
Zum "Musikalischen Stelldichein" lud am letzten Sonntag im Januar im Neulußheimer "Haus der Feuerwehr" der Landfrauenverband im Rahmen seines bereits traditionell mit der Unterstützung der Bezirkssparkasse Hockenheim durchgeführten "Neulußheimer Forums".
Zum ersten Mal in der langen "Forum"-Tradition musste die Landfrauen-Chefin Ilse Merz einen etwas schwächeren Besuch zur Kenntnis nehmen – was vor allem an zwei besonderen Umständen gelegen haben dürfte: Zum einen war Klaus Eisenmann, der als Pianist und musikalischer Leiter des Abends ohne Zweifel der größte, weil bekannteste Magnet war, bereits vor kurzem mit dem Neujahrskonzert in der Gemeinde präsent; zum anderen hat die Bürgermeisterwahl in Altlußheim letztlich doch viel Interesse auf sich gezogen.

Programm und Besetzung jedenfalls hätten durchaus noch einige Zuschauer mehr verdient gehabt: Prof. Klaus Eisenmann, den Ilse Merz in der ihr eigenen ergreifenden Art durchaus treffend als "unser großer Sohn Neulußheims" bezeichnete, noch vorstellen zu wollen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Nach seinen Jahren am Stadttheater Pforzheim ist er inzwischen als Gastdirigent mit zahlreichen Orchestern zu hören gewesen und betreut neben seiner Lehrtätigkeit an der Musikhochschule Mannheim viel beachtete musikalische Projekte auch für das Fernsehen in ganz Europa. An diesem Abend beschränkte er sich auf eine pointierende und unterstreichende Begleitung am Klavier und ließ den großen Auftritt den Sängern vom Stadttheater Pforzheim, die er zum Gastspiel in seine Heimatgemeinde eingeladen hatte.

Das war zunächst zum Auftakt der beeindruckende Bass Werner Rollenmüller, der gerade in ernsten, breit angelegten Rollen zu gefallen weiß. Die Arie des Sarastro "In diesen heil’gen Halen" aus Mozarts Zauberflöte unterstrich sein warmes aber bestimmtes Timbre aufs Vortrefflichste. Die vorbildliche Absprache, die ungemein standhafte Tiefe – kein Wunder, dass der Sänger Stipendiat der Richard-Wagner-Stiftung gewesen ist. Ebenso glänzte er in der ebenfalls dramatisch-ernst angelegten Arie des Fiesco aus Verdis Oper "Simone Boccanegra".
Das ernste Fach füllt er mit aller Macht aus, im Buffo tut er sich deutlich schwerer, wie er im Rezitativ und Duett aus dem zweiten Aufzug von Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor" als Falstaff mit Klaus Geber als Flut unter Beweis stellte.

Geber selbst trumpfte dafür eben gerade in den beschwingten Partien auf: Der Bariton, der schon an zahlreichen Theatern Deutschlands aufgetreten war, hatte seinen absoluten Höhepunkt mit der Partie des Professor Higgens aus "My Fair Lady", als er spöttisch fragte, "Kann eine Frau nicht sein wie ein Mann?" Problematisch dagegen seine Arie des Germont aus Verdis "La Traviata": Gerade im Vergleich zu Rollenmüller fiel Geber mit seiner weniger fein gebildeten Stimme ab, vor allem, weil er einen Teil seiner Farbe einem dramatisch-heldischen Pathos opferte.

Ebenfalls in den falschen Rollen zu hören: Die in den Niederlanden geborene Sopranistin Lilian Huynen. Der "Seguidilla", mit der Verdi seinem populärsten Musikdrama "Carmen" Exotik und auch Erotik verlieh, mischte sie eine Portion zu viel Dramatik bei, dem Balcony-Duett "Tonight" aus der "West-Side-Story" tat ihre metallische Stimme ebenfalls weniger gut. Beeindruckend dagegen Huynens Marlene-Dietrich-Revival bekannter Hollaender-Titel. Mit "Kann denn Liebe Sünde sein?" und der "Feschen Lola" konnte sie ihrer Experimentierfreude und ihrem freien Ausdruck den gebührenden Platz einräumen.

Abgerundet wurde die vokale Truppe vom Tenor Michael Suttner. Der Youngster des abends faszinierte das Publikum mit einem schlanken, tragenden Organ, das sich im Esprit von Lehárs "Freunde, das Leben ist lebenswert" und dem Taumel von "La donna e mobile" (Verdi, Rigoletto) am besten entfalten konnte; Suttner, der in Pforzheim vorrangig der so genannten "Leichten Muse" zuspricht, findet seinen Platz aber auch in geistlichen Werken.
Als Toni in Bernsteins "West-Side-Story" konnte er all seinen Charme versprühen und stimmlich dem zarten Klang der damaligen Broadway-Originalaufnahme mit Larry Kent sehr nahe kommen.


Nach einem rund zweistündigen Programm blieb ein begeistertes Publikum und die Freude über das ganz besondere Kulturprogramm, das Neulußheim zu bieten hat.