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Erschienen
"Anyone’s Daughter" mit neuem Style
02/2002
Das Ergebnis eines biologischen Prozesses konnten die Musik-Liebhaber, die am vergangenen Samstag das Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" bis an die Schmerzgrenze dicht machten, erleben: "Anyone’s Daughter" stand auf dem Programm. Aber jede Tochter von irgendwem hat sich die Band, die vor 25 Jahren gestartet ist, weiterentwickelt, ist erwachsen geworden. Manch einer der Zuhörer mag sich an legendäre Zeiten erinnern, in denen die Daughters Hesses "Pictors Verwandlung" vertonte und mit der Live-LP die Charts stürmte. Die langen Mähnen sind abgeschnitten, die Schlaghosen mottensicher im Schrank verstaut und auch der Sound hat sich gewaltig geändert. Auch er ist irgendwie erwachsener, reifer geworden – wenngleich man das bei Popularmusik im eigentlichen Sinne nie behaupten kann. Von der Ur-Formation sind nur noch die damaligen Gründer Uwe Karpa und Matthias Ulmer übrig geblieben – und sie machen auch den berühmten Part an der Truppe aus: Karpas Gitarrenmusik ist in Münchener Kreisen heiß beliebt und Ulmer steht mit Größen wie Peter Schilling und Heinz Rudolf Kunze auf der Bühne.

An die Seite haben sie sich für "Anyone’s Daughter the second Edition" den erfahrenen Schlagzeuger Peter Kumpf, den Westernhagen- und Kunze-Bassisten Raoul Walton und Newcommer Andre Carswell aus Georgia geholt.

Gemeinsam präsentieren die neuen Töchter mit ihrer CD "Danger World" einen Sound, der nur noch sehr entfernt an alte Zeiten erinnert. Der Sound ist satter geworden – im Pumpwerk war er tückischerweise eine gehörige Portion zu laut, so dass einige Zuhörer fluchtartig den Saal verließen, um lieber von draußen zuzuhören.

Man wechselte ab zwischen angeheizten Vocal-Parts, in denen Carswell zeigen konnte, was in ihm steckt und dass er nicht umsonst mit den anderen Größen gemeinsam auf einer Bühne steht. Er ist nicht nur derjenige, der mit seiner Umtriebigkeit einen großen Anteil an der Bombenstimmung im Saal hatte; er bringt auch eine enorm biegbare Stimme mit, die mit einer unglaublichen Durchzugskraft einen herrlichen Widerpart zu den rockig servierten Instrumenten bot, bei den wenigen ruhigeren Nummern aber noch anschmiegsam genug war, um auch hier zu überzeugen.
Aber eine Band wie "Anyone’s Daughter" möchte nicht einlullen, sie will fetzen, einheizen, die Menschen abhotten sehen. Und ausgelassen gings nun wahrlich zu in Hockenheims Musikkeller. Die dicht gedrängten Fans wogten unaufhörlich, tanzten mit und feuerten die Fünf immer weiter an. Besonders beliebt waren die ausgedehnten Instrumental-Passagen, in denen sich nicht selten Karpa und Ulmer ein Gitarren-Keys-Duell lieferten – alles zu Ehren der Musik, versteht sich.

Wuchtige Sounds, ein relativ cleaner groove, satte Bässe und ein vom Schlagzeug vorgegebener durchdringender Rhythmus – das Rezept, aus dem die Band mehr denn je Erfolgstitel zimmert. Damit es nicht ganz an Reminiszenzen fehlte, hat man zum Abschluss auch noch "Anyone’s Daughter", die Ur-Hymne der Truppe präsentiert; eine johlende Menge forderte ganz aus dem Häuschen immer mehr von den Musikern.


So war denn auch keiner unter den begeisterten Fans, der sich wehmütig nach alten Zeiten zurückgesehnt hätte: Die Anhänger sind zufrieden mit dem neuen Style von "Anyone’s Daughter".
Und das durchaus zu recht.