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dreiviertel verlag, Hamburg
Erschienen
Mare - Die Zeitschrift der Meere
02/1999
dreiviertel verlag gmbh & Co. KG, Hamburg
ca. 130 Seiten / € 7,50
Mit diesem Titel der Ausgabe August/September 97 begann ein langes Gespräch mit denVertretern des dreiviertel verlages auf der vergangenen Buchmesse. Wie der Untertitel schon vermuten läßt - engstirnige Fachliteratur erwartet den Leser nicht. "Mare" überrascht durch die Vielfalt der Themen. Über die Hälfte des Heftes behandeln das monatlich wechselnde Thema, und das aus oft unkonventionellen Blickwinkeln.

So ist eine beeindruckende Bilderstrecke der Verschrottung ausgedienter Ozeanriesen in Nordindien gewidmet. Die Bilder vermitteln einen kurzen Eindruck aus einer Welt, in der verdreckte Menschen unter Lebensgefahr ihr Tagwerk verrichten.

Der Ausflug der Band "Porno for Pyros" muß bei den Machern der "Mare" einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Irgendwo zwischen Tagebuch und Reisebericht liegt dann auch der Artikel der mit dem etwas wehmütigen Satz "Das wahre Paradies eines Surfers liegt eben immer hinter dem Horizont" endet.

Weiter geht es mit einer wissenschaftlichen Betrachtung des Themas. Hier darf man vor mathematischen Formeln keine Angst haben. Der Grat zwischen Fachchinesisch und populärwissenschaftlicher Verallgemeinerung ist schmal aber machbar, und so erfährt man, warum das Treibholz auf den Wellen tanzt und nicht von ihr mitgenommen wird.

Und dann die Frisur. Leider keine gehässiges Pampflet auf die Dauerwelle. Statt dessen ein unglaublicher Bericht über Draht- und Wolle-Ungetüme auf den Köpfen der Damen im 18. Jahrhundert.

Das und noch mehr fällt den dreivietlern zur "Welle" ein. Dazu gibt es natürlich die unglaubliche Kolumne über das Leben auf der Insel der Bounty-Meuterer. Wer wissen will, warum fast alle Insulaner auf Pitcairn ihren Morgen-Kaffee schon abends kochen müssen, findet hier die Antwort.

Ist die Tatsache, dass es im Meer treibende linke Schuhe eher nach den Niederlanden als nach den Shetlandinseln treibt, ein Fall für Fox Mulder?


Schon beim Durchblättern wird man der Bedeutungsvielfalt des Begriffs "Welle" bewußt. Gesamteindruck: Interessant und unterhaltend - vielleicht wären Zahnarzt-Wartezimmer beliebter, wenn sie mit "Mare" statt mit der bunten Lesemappe ausgerüstet wären.