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Erschienen
"Ach-geh-Fort-setzung" mit "Karl und Ottel"
03/2002
"Ma sollt’s net mäne! – Sollt ma wirklisch net mäne!" Eingefleischte Christina-Habekost-Fans haben am ersten Wochenende im März im Hockenheimer Pumpwerk bei den beiden Abenden mit dem neuen Programm von "Karl & Ottel", "Die ach-geh-Fort-setzung", kopfschüttelnd viel dazu gelernt. Hat sich doch der beliebte Kabarettist, der als einer der wenigen Verbliebenen seiner Zunft noch mit echten Pointen gegen echte Politiker angetreten war, "ei’gepändlt uf dem Niveau, wo isch hinwollt’: Ganz unne!" Er hat sich damit dem Massengeschmack gebeugt und seinen eigenen Namen begonnen, dem schnöden Mammon Erfolg zu opfern. Wie das?

Die Mannheimer Hoffnung am Kabarett-Himmel Habekost hat sich – nachdem ein Auftritt mit dem Komiker Hans Georg Sütsch ("Kabarett Dusche") erfolgreich beim Publikum angekommen war - auf eine Liaison mit eben nur "dem zweitbesten Kabarettisten Ludwigshafen-Oggersheims" (O-Ton Habekost) eingelassen. Zusammen touren sie nun mit einem Bühnenprogramm durch die Lande, das ohne jede Frage unterhaltsam ist, seine Höhepunkte hat und durchaus zu erfrischendem Lachen animiert, das aber, etwas hart ausgedrückt, deutlich unter dem Niveau liegt, das Habekost eigentlich zu bieten versteht.

Wie dem auch sei: Zwei Mal spielte die "pfälzer Reinkarnation von Don Quijote und Sancho Panza" vor absolut überfülltem Haus, zweimal hinterließen sie ein begeistertes Publikum, vielleicht will auch ein Künstler wie "Chako" am Ende doch nicht mehr mehr.
"Piens disch doch net ins Koma", würde er an dieser Stelle sagen, deshalb wollen wirs mit dem Kulturpessimismus einmal bewenden lassen und uns dem zuneigen, was als Rest des einstigen Ruhmes geblieben ist.

"Mir babble unsern Dialekt exträm gern", stellten die beiden unter Beweis und stiegen hinab in die unergründlichen Tiefen der "groddebroode" kurpfälzer Mundart, die jedem Linguisten den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Wenig galant konfrontierten die beiden als Archetypen des Kurpfälzers Karl und Ottel das gemeine Volk mit den Schwächen der in unserer Region besonders weit fortgeschrittenen Zivilisation: Ob bei den Englisch-Lektionen, am "Schlepptop" oder beim Ausflug in die Wirtschaft zur "Globanalisierung an de Waldstrooß" in New York - ein wenig "volksdümmlich" stand unsereins doch immer da, wenn Karl und Ottel beim "Dialekt unnadrigge" auf Sendepause schalteten. Auf einfache Fragen ("Isch wollt disch ä’mol was g’frogt hawwe") kamen tiefgründige Antworten: "Du sollsch Englisch lerne, damit du besser verstehsch, wenn annere Deutsch schwätze". Überhaupt verstanden es die beiden, den Sinn des Lebens und das Wunder des Daseins auch in kleinen Details zu erkennen: "Schließlich hot a der Afrikaner die Banan’ erfunne – des is ä sauwari Sach, do is die Verpackung schun debei".

Wahrhafte Zwerchfellzerstörer wurden sie vor allem durch die nicht eingrenzbare Gesichts- und Wortakrobatik Habekosts; die immer gleiche Machart der Wortverdreher und Buchstabenfallouts ("menthal" wird dann zu "menthol", alles ein wenig "intellekt-üll" und "hypothetisch" zu "hypertetisch") wurden allerdings – wie das Programm insgesamt, das wirklich vielversprechend begonnen hatte, gegen Ende etwas flach.

"Nix kamma ihm recht mache!" wird es jetzt wieder allenthalben heißen. Aber wer ehrlich an die Sache geht, wird feststellen, dass Sütsch außer durch seine "abendfüllende Visage" und das Highlight, wenn er als "Hornbach-Jünger" im "Lusttempel aller Doityourselfer" die sexuelle Natur des Heimwerkens enthüllt ("Immer am schrauwe, bohre, nagle und nuude") wenig überzeugte. "Wesch, wie isch män? Nää? Des hew’isch ma gedenkt!"



Letztlich bleibt die freundliche Rückschau auf einen netten, unterhaltsamen Pfälzer Abend und Habekosts Feststellung "Ich bin Pälzer vun Beruf, so wie isch bin, so muss es soi, und wer misch net mag, is en Hoidoi!"

Genau so isses – un net annaschda!