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Erschienen
Zwischen Heimat und Ferne – kleine Eisbären auf Reisen
03/2002
"Kleiner Eisbär, wovon träumst du?" hieß es Anfang März an einem Nachmittag, als über 700 aufgedrehte kleine Racker, brave Prinzessinnen und jung gebliebene große Kinder sich gemeinsam mit der Truppe des Kölner Musical-Produzenten Cocomico in der Hockenheimer Stadthalle zu spannenden Abenteuern aufmachten. Unerschrocken an der Seite des "Kleinen Eisbärs" Lars zu stehen hatte man sich gegenseitig versprochen – "wohin auch die Reise geht".

Lars ist ohne jeden Zweifel eine der bekanntesten Kinderbuchfiguren des deutschsprachigen Raums: Der Schweizer Nord-Süd-Verlag hat seit 1987 einen ungeahnten Run auf die weiße Kunstfigur des niederländischen Illustrators Hans de Beer ausgelöst, eine unglaubliche Merchandising-Welle, der im Oktober des vergangenen Jahres folgerichtig ein enorm aufwändig produzierter Kinofilm folgte, waren fast zwangsläufig damit verbunden.

Seit dem Dezember 2001 tourt nun auch das Musical durch die Lande – mit ebenso großem Erfolg. Bei Cocomico setzt man auf die bereits gut erprobte Mischung, die in Hockenheim bereits den "Großen kleinen Tiger-Atlas" und "Pippi Langstrumpf" hat einschlagen lassen: Ein kindgerechter aber nicht kindischer stark an de Beers Story angelehnter Plot aus der Feder von Marcell Gödde, ein spannendes, raffiniertes und verwandlungsfreudiges Bühnenbild, das die Phantasie der Zuschauer anregt, lustige Lieder vom Haus- und Hofkomponisten Uwe Vogel, die erzählen und zum Mitmachen und Mitsingen einladen und vor allem junge, motivierte und talentierte Schauspieler – vor allem Natascha Cham als Lars, Alexandra Gehrmann als Pieps und Annika Päs als Lena waren herzerfrischend fröhlich, überzeugten aber auch durch charmante Stimmen und freudiges Spiel.

Was es mit dem "kleinen Eisbären" überhaupt auf sich hat? Lars sitzt träumend in seiner schneeweißen Heimat: "Der Nordpol hier allein, das kann doch noch nicht alles sein", denkt er sich. Über sein Fernweh können ihn auch seine neuen Freunde Lena Schneehase und Pieps, das Schneegansküken kaum hinweghelfen. Wie es das Schicksal will, geht sein Traum schon bald in Erfüllung. Auf einer Eisscholle treibt Lars mit Pieps zusammen aufs offene Meer hinaus. Sie landen in Afrika, wo eine aufregende Reise durch Länder, Klimazonen, zu heißen Urwäldern und schummrigen Spelunken beginnt: "Ein buntes Land, so unbekannt". Per Schiff, Zug und vor allem per pedes. Vielen fremden Tieren begegnen sie dabei. Da ist das lusige dicke Flußperd Hippo "direkt aus dem schlammigen Fluss", das sie mit seinem "Hippo-hop"-Hip-Hop erfreut. Nemo, der Schiffskater und langschwänzige Pirat erzählt ihnen "Seemannsquatschgeschichten", in "Johnnys Catfishbar" treffen sie auf einen "räudigen Köter" und seine "lausige Kundschaft" – dafür geht die Party dort das ganze Jahr. Den Rückweg zum Nordpol zeigt ihnen am Ende Theo Schneetiger und dessen Babutschka, bis Lars – glücklich daheim – feststellen kann: "Was gibt’s Schön’res auf der Welt, als zuhaus zu sein?" Allerdings nicht, ohne schon wieder das Rufen der Ferne leise zu vernehmen.

Ergreifend die Botschaft, die hinter dem Spektakel steht: "Lena, ich mag dich sehr, mit dir zusammen hab ich immer nur Spaß". Das Miteinander, dem Kinder noch weitaus unverkrampfter gegenüberstehen als Erwachsene ist – wie immer bei Cocomico – das Zentrum aller Abenteuer – "wir wollen immer Freunde sein" avanciert zur Schlüsselbotschaft, der man im aktuellen Stück noch die Spannung zwischen der Lust auf die weite Ferne, fremde Länder und Abenteuer auf der einen, Heimat und Zuhaus auf der anderen Seite beigegeben hat.


Ein neues, wertvolle Kleinod ist mit diesem Musical geschaffen worden; ein Stück Musiktheater, das Kinderherzen und Erwachsenengemüter gleichermaßen berührt, anstößt und zum leuchten bringt. Gemeinsam kann man sich schon heute auf das nächste Cocomico-Musical freuen. So lange, bis man wieder zusammen singen kann, "wie schön, ihr seid wieder da!"