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Dona Kujacinski – Peter Kohl
Erschienen
Hannelore Kohl - Ihr Leben
04/2002
Verlagsgruppe Droemer Weltbild, München
382 Seiten / € 19,90
Als am 5. Juli 2001 die Öffentlichkeit vom Freitod Hannelore Kohls erfuhr, löste diese Nachricht in breiten Teilen der Gesellschaft Bestürzung aus. Man meinte, über Frau Kohl, die man über Jahre und Jahrzehnte an der Seite ihres Ehemannes, den langjährigen Bundeskanzler Helmut Kohl, sah, gut zu kennen.

Wer war Hannelore Kohl wirklich? Was waren die Gründe für den gewählten Abschied von der Welt? Auf diese Fragen geben ihr jüngster Sohn Peter Kohl und Dona Kujacinski, eine Journalistin und Vertraute der ehemaligen Kanzlergattin, Antworten.

Den elf Kapiteln vorangestellt schildern die Autoren den Entstehungsprozess des Buches.

Hannelore Kohl wurde im Frühjahr 1933 in Leipzig geboren. Die Biografen zeichnen ihre ersten Jahrzehnte primär anhand der Tagebücher der Mutter Hannelore Kohls nach. Wohlbehütet und in einem gewissen Wohlstand (mit Kindermädchen) wächst die Tochter eines fähigen Ingenieurs in der Sachsenmetropole auf. Krieg, Flucht und früher Tod des Vaters 1952 verändern ihr Leben entscheidend. Halt findet die naturwissenschaftlich und vor allem in Fremdsprachen gebildete junge Frau im aufstrebenden Politiker Helmut Kohl, mit dem sie letztlich über 41 Jahre verheiratet war. Den eigenen Beruf der Fremdsprachensekretärin gab sie auf. Statt dessen war sie die Frau an der Seite des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und späteren Bundeskanzlers.

Dass das Leben der First Lady immer auch von Schattenseiten geprägt war, schildern die Autoren ebenfalls. Die häufigen Angriffe und Verleumdungen, die sowohl ihren Mann, wie auch ihre Kinder betrafen, bisweilen gar sie selbst, musste sie genau so ertragen, wie den in Schüben sich verschlechternden Gesundheitszustand in Folge einer Lichtallergie. Detailliert schildern ihr Sohn und Dona Kujacinski den Krankheitsverlauf. Beim Lesen erst wird die ganze Grausmakeit der Erkrankung deutlich und wie die Lichtallergie ihr den Lebensmut nahm. Dessen ungeachtet opferte sich Hannelore Kohl bis zum Schluss für ihre soziale Aufgabe in der Hannelore-Kohl-Stiftung für Unfallopfer zur Förderung der Rehabilitation Hirnverletzter (Kuratorium ZNS) auf.

Wenn man das Buch liest, erkennt man aber auch die Kontinuitäten im Leben Hannelore Kohls, die von den Autoren glänzend hervorgehoben werden. Menschliche Wärme, Zusammenhalt, Willenskraft und vor allem Pflichtgefühl.

Hannelore Kohl - Ihr Leben ist glänzend recherchiert und vor allem hervorragend geschrieben. Die Sätze sind klar strukturiert und beim Lesen des Buches verfällt man keinen Augenblick in Langeweile.


Wer sich für das Leben einer der bemerkenswertesten Frauen in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte interessiert und ferner etwas über das Erwachsenwerden von Kanzlerkindern angesichts eines permanentes Öffentlichkeitsdrucks aus der Perspektive eines Betroffenen erfahren möchte, für den ist dieses Buch gar unverzichtbar.

Ein Teil des Erlöses kommt für soziale Zwecke der Hannelore-Kohl-Stiftung zugute.