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Erschienen
Gitarren-Klänge in wilden Wellen und Kehrwasser:
Morscheck & Burgmann in Hockenheim
04/2002
"Morscheck & Burgmann" – ein wenig reißerischer Name für ein umso bemerkenswerteres Ensemble, das Mitte März im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" Station machte. Alle vier Musiker sind bekannt aus Funk, Fernsehen und natürlich vor allem aus der Musikszene. Die beiden Frontmännern Chris Burgmann, der als Studiogitarrist und Arrangeur beispielsweise mit Reinhard Mey zusammengearbeitet hat und als Mitautor des PUR-Titels "Wenn sie diesen Tango hört" bereits mit Doppelplatin ausgezeichnet wurde, und Peter Morscheck, der sich – trotz Sozialpädagogik-Studium – bei TV- und Funkeinsätzen und bundesweit viel beachteten Konzerten eine Namen machen konnte, treten schon seit 1990 im Duo auf und haben zusammen drei CDs veröffentlicht. Um etwas neues auszuprobieren haben sie sich zwei weitere Musiker auf die Bühne geholt: Den Bassisten von PUR, Joe Crawford, und Pe Werners langjährigen Schlagzeuger Stefan Schütz.

Zusammen produzieren sie Titel, die man auch umschrieben könnte mit "Morscheck & Burgmann drive crazy". Es ist eine lebendige Musik, die sie zwar gemeinsam sprudeln lassen, bei der aber letztlich alles auf die Gitarren hinausläuft, die nicht nur rein optisch im Vordergrund stehen: Das Schlagzeug ist "nur" die Uhr, die zu den Saiteninstrumenten tickt, der Bass "nur" der Boden, auf dem die beiden Gitarristen ihre Töne tanzen lassen. Dass sie es auch gut alleine können, bewiesen sie bei diesem Konzert wieder mehrfach.

Auch bei der Betrachtung wollen wir von den beiden ausgehen. Ihre Musik ist vollmundig, sehr melodiös angelegt, ein sanfter, lockender, manchmal äußerst zärtlicher Klang, auf dessen Wogen die Emotionen auf das Publikum überschwappen, das sich nur zu gerne davon weit hinaus auf den musikalischen Ozean treiben lässt.

"Wenn es regnet, weint der Himmel", so eine der bisweilen etwas langen Ansagen, in denen sich M. & B. kappeln, "manchmal tut es ganz gut, selbst einmal zu weinen"; darauf setzten sie "Rain", eine melancholisch-nachdenkliche Weise, die aber – wie alle nachdenklichen Stücke der beiden – immer einen Ausweg offen lässt, einen Lichtblick, vielleicht sogar einen Regenbogen. Wenn sie zu zweit in die Saiten greifen, kann man sich ohnedies des meditativen Elements in ihrer Musik kaum entziehen. Entsprechend haben Morscheck & Burgmann sich auch in einen tonalen Diskurs mit der Welt begeben, ihre CD "Elements" nimmt den Blick auf die vier Elemente der Welt auf, die neueste CD "Downstream" beschreibt das Leben im Bild eines Flusses. Der Titel "Eddy" von dieser CD könnte auch als Charakteristikum ihres Konzerts in Hockenheim herhalten: Gemeint ist damit das "Kehrwasser", eine ruhige Stelle nach heftigen Brandungen im Wildwasser, eine Oase der Ruhe, ein Platz zum Verweilen und zum Rasten. Hier könnte man fast in klassische Begrifflichkeiten verfallen, könnte die fugato-Einsätze beschreiben, den weich ineinanderfließenden Klang loben – oder aber einfach dastehen und gebannt lauschen. Aber auch mit zwei Gitarren sind die beiden in der Lage, etwas aufgeweckter daher zu kommen: Mit "Reck-Time", einer Hommage an den Reck-Weltmeister 1974 Eberhard Gienger, haben sie auch an diesem Abend die wilde Saite angeschlagen.

Noch mehr Wellengang produzieren die vier zusammen: Wenn sie mit "Count on me" das Versprechen "Du kannst immer auf mich zählen, dein Gegenstück werd ich sein" in Töne gießen, wenn sie mit "Sterne" Menschen gedenken, "die uns wert und teuer waren", die aber weg sind, oder wenn sie einen Kometen auf den Flug durchs All schicken, mit aller Macht unendlich viel Kraft in jeden Ton packen, um auch diesen wegzukatapultieren, so mächtig und kraftvoll, dass selbst der Schweif noch zu leuchten beginnt.

Der besondere Reiz dieser ganz persönlichen Musik liegt in ihrer Vielfalt, in ihrer fesselnden Emotionalität, die den Zuhörer in Mark und Bein, in Sinn und Verstand, in Seele und Herz trifft. Ideenreich komponiert, perfekt instrumentiert und in einer sehr charmanten Art präsentiert. Es mag daran liegen, dass die Stücke auch denjenigen, die nicht zu den ausgemachten Gitarren-Fans gehören, wie Heimat vorkommen. Morscheck & Burgmann verstehen es, zu berühren, zu fesseln, zu faszinieren. Und vor allem – denn sie produzieren keine Musik zu Unterhaltung – Botschaften zu vermitteln.

Einen besonderen Gag servierte man dem begeisterten Hockenheimer Publikum als Zugabe: Direkt aus Tennessee die Röhre Michelle in einem gemeinsamen Auftritt.


Wer die Top-Musiker verpasst hat, der wird sich ärgern müssen: In der näheren Umgebung sind in diesem Jahr nämlich bisher noch keine Auftritte geplant.

Da bleibt nur die Konserve. Nähere Informationen im InterNet unter http://www.morscheck-burgmann.de