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Erschienen
Soul & Pepper: Groovy Versionen von soften Originalen
04/2002
"Come into my life!" - die Fans im knallvollen Kulturzentrum "Pumpwerk" sangen aus voller Kehle Randy Crawfords Hit mit, als die Formation "Soul & Pepper" Ende März nicht nur den Rhythmus, sondern auch das Feeling vorgab. Endlich war im Kulturzentrum der Rennstadt mal wieder Showdown angesagt, eine heiße Nacht in verschwitzter Stimmung.

Die Truppe um Leadsängerin Petra "Stöpsel" Knodel war einigen schon von einem Auftritt im letzten Jahr im Zirkuszelt auf dem Gartenschaugelände bekannt – damals hatte man wegen der schlechten Atmosphäre, die im Zelt herrschte, kaum punkten können. Das war bei diesem Auftritt ganz anders; diesmal ergriff der satte Sound auch den faulsten Pumpwerk-Gänger in der hinterletzten Ecke und riss ihn mit auf einen wahren Höllen-Trip: Zusammen mit ihren Gästen produzierten die zwölf Musiker eine heiße Stimmung, in der die feurige Musik schon fast wieder wie ein lauer Fön zwischen den glühenden Seelen wehte.

Zu 50 Prozent lebt Soul & Pepper von den unglaublichen Stimmen der Vokalgruppe. Neben Knodel, deren bodenständige Power-Stimme irgendwie an den durchdringenden Sound von Joy Flemming erinnert, glänzt vor allem die Macher-Frau Andrea Wolf, die fetzig und witzig ihren eigenen Beitrag – auch mit einigen Soli, von denen man gerne mehr gehört hätte – leistet. Die restliche Hälfte des Gesamtkunstwerks steuert der mindestens ebenso unglaubliche Vielklang der Instrumentalisten bei: Eine fein dosierte Kombination aus sanft aufgebauter Rhythmus-Gruppe, einer dynamischen und ehrlichen Gitarre, akzentuiernden Keyboard-Klängen und spotartig eingesetzten Bläsern. Wenn man dann das Ergebnis hört, dann mag man gar nicht glauben, dass das locker zusammenspielende Ensemble überhaupt irgendwelcher Absprachen bedarf, aber, sind wir doch ehrlich: Ein dermaßen wohlproportionierter Klang kommt eben doch nicht von ungefähr.

Cover-Bands gibt es eigentlich genügend. Aber richtig gut sind unter ihnen nur ganz wenige. Soul & Pepper gehört ohne Zweifel dazu. Wobei man an dieser Stelle eigentlich die Diskussion beginnen müsste, ob die Band mit dem irren groove im eigentlichen Sinne des Wortes eine Cover-Band ist. Sicherlich, sie nehmen beliebte Titel als Vorlage, wenn sie mit Patty LaBelles "Lady Marmelade" alles für die Mädels geben, dem Schlagzeuger Steffen Rheinheimer ein ausgedehntes Solo bei "Watching you" verschaffen oder Philip Baileys Hymne "Easy lover" im großen Chor schmettert. Aber was man daraus macht, das ist die Kunst. Denn Soul & Pepper hat da eine ganz eigene Art der Interpretation – sie versuchen sich des öfteren mit dem genauen Gegenteil dessen, was vorgegeben wurde: Groovy Versionen von soften Originalen wechseln sich mit aufgewühlten Dirty-Varianten sonst recht cleaner Titel.

Besondere Highlights sind in dem abwechslungsreichen Programm, in dem sich ein Höhepunkt an den anderen reiht, nur schwer auszumachen. Was sicherlich dazugehört und gleichzeitig zur Sternstunde für Petra Knodel wurde: Die Neuauflage des Weathergirl-Knallers "It’s raining men". Oder aber das Stevie-Wonder-Revival "Superstition". Oder Andrea Wolfs Bringer "He’s fresh, fresh, exciting". Oder natürlich der Mitsinger "We are family".

Letztlich war doch jeder Titel ein Kracher und das Publikum dankte es den Bühnenstars mit dem entsprechenden Jubel, obgleich man einmal mehr feststellen musste, dass der Tanz in Hockenheim ausgestorben zu sein scheint. Seis drum, man hat selten eine Truppe erlebt, die mit so viel Spaß bei der "Arbeit" und die für jedes Juchzen der Fans so dankbar ist wie Soul & Pepper.


Wenn man am Schluss genau hingehört hat, dann konnte man vernehmen, dass sich die Band zu einem erneuten Gastspiel angekündigt hat. Das bleibt doch zu hoffen. Bis dahin wird man nicht umhin können, ab und zu im Mannheimer Capitol vorbeizuschauen: Dort ist Soul & Pepper ab Oktober die Hausband.