2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Interview TEARTALESTRUST für PARNASS
04/2002

Das Interview führte Thomas Dräger am 22.03.02 per via email versandter Soundfiles. Die Antworten wurden am 22.03.02 aufgezeichnet.

Thomas: Die episch angelegte Geschichte hat einen sehr traurigen Unterton. Vielleicht auch, weil viele Probleme angesprochen werden, es aber keinerlei Auflösung dieser Storystränge gibt. Was wollt ihr mit TTT aussagen?

Leif: Also die Frage ist uns schon häufiger gestellt worden... ich finde, dass es recht wichtig ist, dass auch wenn viele Themen angesprochen werden, nicht gleich auf jede Frage auch eine Antwort gegeben wird.

Björn: Das ist für uns auch eine gewisse Form von Realismus. An der Stelle spiegelt die Geschichte halt ein bisschen Wirklichkeit so wider, wie wir sie erleben. Fragen gibt´s zuhauf, Antworten meistens sehr viel weniger oder man muß sie sich einfach selber geben. Und das Konzept, Antworten mitzuliefern, fand ich nicht so spannend.

Leif: ... ja, zumal das eben halt auch zu diese kontemplativen Haltung führt, dass man sich zurücklehnt, ne Geschichte erzählt bekommt, sich anguckt, wie auch immer sich ihr aussetzt, aber am Ende halt aufsteht und das alles nur durchgerauscht ist. Wenn keine Fragen offen bleiben, findet eben auch keine Auseinandersetzung statt.

Björn: Was die Frage angeht, warum oder inwieweit viele Themen angeschnitten werden, ohne eine Lösung zu präsentieren... da ging´s mir erst mal einfach um einen realistischen Hintergrund. Um die Stimmung der Geschichte glaubwürdig zu vermitteln, bedurfte es auch eines entsprechend düsteren Szenarios, damit die Story sich einfach gut einbetten konnte. Und da sah ich auch nicht die Notwendigkeit für Antworten oder Lösungen... wenn ich das Bild eines liebenden Pärchens in der Großstadt male, dann male ich auch Smog, ohne Smog wirklich zu thematisieren.

Leif: ...das Szenario kann halt teilweise helfen, das Hauptmotiv auszuschmücken oder überhaupt darzustellen.

Michael: Zumal wir auch ne Geschichte über mehrere Generationen zeigen, die Entwicklungsgeschichte einer Kultur - was ein ziemlich komplexes Unterfangen ist. Da muß man einfach ein paar Abstriche machen, was das Geben von Antworten angeht. Außerdem wird sich da automatisch ein dunkler Unterton drunterschreiben, da die Leute nun mal die Eigenschaft haben, irgendwann zu sterben.

- Schmunzeln -

Björn: Mein Lieblingshinweis an der Stelle: Es handelt sich um die Darstellung eines Kreislaufs und Kreisläufe haben es so an sich, dass sie sich wiederholen oder dass sie weitergeführt werden. Wir haben genau einen Kreislauf dargestellt und was am Ende passiert, wo sich ja doch einiges zur Anfangssituation geändert hat, bleibt jedem überlassen, sich selbst auszumalen.

Thomas: Hätte man das auch kürzer sagen können?



Björn: Ja.

Harald: Nein.

Michael: Vielleicht.

- Pause -

– Gelächter -

Björn: Die Frage hat sich mir so nicht gestellt. Idee und Inhalt der Geschichte sind für mich so angelegt, dass sie durchaus auch epischer hätte umgesetzt werden können. Als es letztendlich um die Ausgestaltung fürs Internet ging, fanden wir es eigentlich sogar gerade sehr spannend, gängige Konventionen was den zeitlichen Rahmen im Internet angeht, zu sprengen. Das zweiminütige Mittagspausen-Bonbon war da eh nicht unser Ding. Wir fanden es einen sehr spannenden Versuch, auch mal zu gucken, wie breiter angelegte Stories im Internet...

Michael: Funktionieren können.

Leif: Es ist ja auch ganz spannend – das Internet ist angeblich das große Kommunikationsmedium, das für Austausch steht und somit auch für Inhalte, aber man findet davon dann doch recht wenig. Das meiste ist schon sehr stark von der Form bestimmt, die das Internet einfach hat: es ist alles hastig, knapp, kurzlebig und es gibt nur wenig Material zu gucken, zu begutachten oder zu erleben, was sich nicht in diesen Rahmen einfügt. Uns war nicht klar, warum wir uns in diesen Rahmen einpassen sollten. So sind wir nicht von der Form des Netzes ausgegangen, sondern eben von dem, was wir machen wollten. Deshalb ist es jetzt vielleicht ein etwas untypisches Angebot, entspricht aber wenigstens unserer Vorstellung.

Thomas: Du sagst selbst, dass ein Konzept beim Erstellen der Story gefehlt hat. Wie stehst Du nun, nachdem einige Zeit verstrichen ist, zu Deinem Werk?

Björn: Das mit dem Konzept stimmt so nicht ganz: Zu der Erzählung gab es ein Konzept; das hatte ich zwar zwischenzeitlich vergessen, aber ich hab´s dann wiedergefunden. Aber eine so komplexe Erzählung hätte ich glaube ich sonst auch nicht niederschreiben können. Es gab allerdings kein Zielkonzept für die Form, die wir jetzt gefunden haben. TTT war überhaupt nicht für´s Internet angelegt – es war halt am Anfang einfach eine Erzählung. Aber das Ganze hat sich dann eben entwickelt: Aus der Erzählung wurde eine Erzählung mit Soundtrack – am Anfang stand die Musik die dazu kam – und schließlich kam der Comic dazu. Nachdem wir mangels Geld Überlegungen über eine Druckversion ad akta gelegt hatten, kam dann irgendwann die rettende Idee, das Ganze fürs Internet aufzubereiten.

Harald: Nicht zuletzt durch die Form der Internetdarstellung hat´s eigentlich auch alle vorigen Erwartungen übertroffen - da sich ganz einfach auch einige Möglichkeiten mehr erschlossen haben, die die ganze Sache so insgesamt auch abgerundeter erscheinen lassen, als wir uns das anfangs vorstellen konnten.

Michael: Was nicht heißt, dass wir nicht in zukünftigen Projekten nicht einige Sachen anders machen würden...

Thomas: Ihr habt den meditativen Soundtrack auch als MP3 ins Netz gestellt – Super Service! Habt Ihr eigentlich vor, TTT in irgendeiner Art zu vermarkten? Zum Beispiel mit einer Printversion oder einer CD?

Harald: Also vermarkten wäre schon mal der völlig falsche Ausdruck für TTT, da dies absolut kein kommerzielles Projekt ist.

Leif: Ja, es geht vielmehr um Verbreitung als um Vermarktung. Wir machen halt unser Ding und es wär gut, wenn das viele Leute irgendwie erreicht, so dass wir gucken können, ob das Leute interessiert. Es geht halt eben nicht um Geld.

- Pause -

Michael: Ja, natürlich sind ein paar Sachen für die Zukunft geplant. Eine Printversion haben wir uns einfach wegen der Kosten mehr oder weniger abgeschminkt. Als Nächstes ist von uns erst mal ne englische Version geplant, um sie ins Netz zu stellen und so einfach eine größere Zielgruppe zu erreichen. Mitte des Jahres sollte die CD-Version irgendwie endlich mal fertig sein; zusammen mit der englischen Version dann und mit etwas höherer Qualität, was die Auflösung der Bilder anbetrifft. Auch die Musik soll dann in gehobener Qualität auf der CD vorhanden sein.

Leif: Die Musik ist zum derzeitigen Zeitpunkt bereits komplett neu aufgenommen, so dass man sich das Ganze jetzt auch in hoher Qualität anhören kann. Das kommt dann eben so auch auf die CD-Version.

Björn: Dann versuchen wir noch eine ganz andere Form der Darstellung. Zunächst einmalig am 5. Juni werden wir das ganze Ding in Bonn einfach mal vorführen. Das heißt, die Bilder werden projeziert, die Musik wird dazu eingespielt und es wird tatsächlich gelesen. Es ist in gewisser Form eine Lesung, die im Rahmen der „Bonner Mittwochslesung“ stattfindet. In der Form haben wir das eben auch noch nicht probiert.

Leif: Und wenn die CD mal fertig ist, wollen wir halt auch versuchen, sie außerhalb des Netzes zugänglich zu machen. Wir werden die sicherlich an ein paar Fanzines verschicken, Rezensionen einholen und vielleicht wird das Ganze auch über ein paar Mailorders vertrieben – je nachdem, wie gut die Leute sich dafür begeistern können. Mal sehen.

Björn: Das ist halt der Vorteil des Projektes, dass es nach vielen Seiten offen ist: wir können über die Musikschiene gehen, wir können über die Comicschiene gehen oder auch über die Literaturschiene.

Thomas: Wie habt Ihr das Loch überwunden, das nach der Vollendung eines solchen Mammutprojektes entsteht? Mit der Arbeit am nächsten Superding?



Leif: Von nem Loch kann man da eigentlich nicht direkt sprechen...

Björn: Stimmt!

Leif: ... also TTT hat ganz schön viel Zeit gefressen. Unterschiedlich viel bei unseren unterschiedlichen Jobs, aber für jeden war es halt doch eine große zeitliche Belastung. Da wir uns alle auf irgendeine Weise kreativ beschäftigen, gab´s dann halt andere Sachen, die dementsprechend liegen geblieben sind und natürlich auch erledigt werden wollten – im Anschluß an TTT also wieder angegangen wurden.

Björn: Ja ich glaub das ging uns tatsächlich allen so. Wir mussten das irgendwie nebenbei unterbringen neben unserem Berufs- und Kreativ- und Beziehungsleben. Klar hat das auch Spaß gemacht, die Zeit da reinzustecken, aber irgendwie war´s auch ein ganz schönes Gefühl, dass man einfach...

Michael: ...fertig war...

Björn: ... und keine Zeit mehr rein investieren musste... vorübergehend.

Michael: Zukünftig kann es sich natürlich wieder ergeben, dass wir für ein neues Projekt zusammenfinden, zumal jeder von uns irgendwo einen Bereich auch abdeckt und damit auch wieder ein komplexeres Projekt möglich wäre. Aber konkrete Vorstellungen haben wir da jetzt noch nicht.

Thomas: Habt Ihr noch Familie und Freunde neben dem Team?



Alle: Aber sicher - und Du?

Thomas: Welche Reaktionen haben Euch am meisten gefreut? Björn: Mich haben spontan eigentlich am meisten Reaktionen gefreut von Leuten, die sich damit auseinander gesetzt haben – ob´s ihnen gefallen hat oder nicht - die aber eigentlich mit Comics oder Internet sonst gar nichts zu tun haben. Das fand ich schon besonders toll, auch diese Leute mit TTT zu erreichen.

Harald: Ja, ansonsten natürlich Reaktionen an sich. Es ist immer wieder spannend ins Gästebuch zu gucken und... ja einfach zu sehen, wie die Leute darauf reagieren.

Michael: Aber auch vor allem kritische Anmerkungen zu bekommen und eine Auseinandersetzung über den Comic zu führen. Das fand ich eigentlich am Spannendsten.

Björn: Das hätte sogar auch noch öfter passieren können. Das unser Ziel war, mit TTT Leute zu erreichen, hatte eben auch den Hintergrund, das wir einfach interessiert daran waren: wie finden die Leute das, was sagen die dazu. Und daraus dann tatsächlich einen Austausch entstehen zu lassen, fand ich in den wenigen Fällen, wo´s dann geklappt hat, schon sehr spannend.

Leif: Wobei man halt wirklich schon betonen muß: die meiste Reaktion kommt eben über´s Gästebuch rein. Und wirkliche Auseinandersetzungen hatten wir nur in einer sehr begrenzten Zahl. Was zurückkommt, hat so eben mehr die Form von Kommentaren.

Ganz witzig fand ich noch, dass ein Stück vom Soundtrack auf www.besonic.de eine Zeit lang Platz 14 der kanadischen Alternative Charts belegte. Ganz spaßig...



Leif: Wir stellen uns abschließend noch selbst eine Frage: was für sonstige Projekte beschäftigen Euch gerade?

Björn: Privat habe ich im Moment nicht viele Projekte, die in nächster Zeit zu sehen sein werden. Ich beschäftige mich gerade ein bisschen mit der Materie des Homerecordings und widme mich fleißig meiner Gesangausbildung. Außerdem gibt´s tatsächlich ein kleineres Projekt, das ich mit Harald zusammen angedacht habe. Und zwar werden wir einen kleinen Gedichtband herausbringen: Texte von mir, Bilder von Harald, die wir auch in kleinerer Auflage tatsächlich binden lassen können, weil wir froherweise jemandem im Bekanntenkreis haben, der eine kleine Buchbinderei auf dem Speicher hat.

Leif: Ich habe gerade mein erstes Semester an der Kunsthochschule hinter mich gebracht und allein durch das Studium wird da schon einiges an Output passieren. Zur Zeit in der Mache ist in dem Rahmen ein Kurzfilm und dann werde ich demnächst eine Website zum Thema Zombie aufsetzen. Musikalisch läuft gerade mehr im Bandkontext. Zum einen habe ich seit ein paar Monaten eine neue Band; der Name steht noch nicht fest, aber Audiomaterial folgt demnächst. Zum anderen probiere ich mich gerade als Konzertbassist.

Harald: Ich hab ansonsten sowieso immer mehrere Sachen gleichzeitig laufen. Ich beschäftige mich kontinuierlich mit mehreren kleinen Comic-Kurzgeschichten. Dann bin ich dabei, ein Kinderbuch zu illustrieren und eine eigene Internetpräsenz zu erstellen – Link wird natürlich auf unserer Seite dann auch erfolgen. Und Ich bin ebenso wie Leif auch dabei, eine neue Band an den Start zu kriegen. Die ist eigentlich schon da, aber Name ist auch noch nicht vorhanden. Es wird auch in absehbarer Zeit dazu kommen, das wir Aufnahmen machen.

Michael: Ich bin gerade jobmäßig an mehreren Projekten beschäftigt, Richtung 3D Grafik aber auch wieder ein bisschen Flash. Demnächst stehen noch ein paar Screens für ein Computerspiel an... und so kriegt man die Zeit halt ganz gut rum.

Björn: Neuigkeiten gibt´s immer auf der Page zu lesen.

Leif: Sowieso.

Michael: Genau.

Harald: Hmm.

INFOS



Das Team:

Björn Hammel: Erzählung und Konzept

Harald Lieske: Zeichnungen

Michael Hoffmann: Inszenierung

Leif Rumbke: Musik



Der TearTalesTrust gehört zu den Hauptpreisträgern des Avatar-Comic-Awards 2001.



Internet:

http://www.teartalestrust.de

http://www.mp3.de/teartalestrust

http://www.besonic.de/teartalestrust



Kontakt:

info@teartalestrust.de



Sonstige Projekte:

http://www.akika.de Homepage von Michael

http://www.gemuesebuerger.de Leifs Homerecordingprojekt

http://haujobb.org/vegetablewars Ein Trickfilm von Leif

http://members.tripod.de/Weiberlos/bhualt.htm Leif spielt Punk Unplugged

http://www.marvinol.de Ehemalige Band von Björn+Leif



Das Interview mit den Machern eines der ambitioniertesten Comic/Internetprojekte. teartalestrust