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Erschienen
Pe Werner: "Weibsbild" ist jetzt "Herzkönigin"
05/2002
Ein wahres Liebeswochenende erlebte dieRennstadt im April: Erst holten sich freitags rund 200 Kids ihre Portion Gefühl bei der "Love-Party" ab, dann war das Kulturzentrum "Pumpwerk" in den Resten der wirklich passenden Deko Ladestation für den erwachsenen Liebes-Akku, als die "Queen of hearts" Pe Werner am Sonntag Abend dort gastierte.

Das nennt man "Back to the roots": Pe Werner hatte vor etwas mehr als einem Jahr in Hockenheim ihre "Herzkönigin"-Tour quasi begonnen, am vergangenen Sonntag Abend beendete sie ihre musikalische Reise durch etwa 80 Städte in der ganzen Bundesrepublik ebenfalls wieder im Musentempel der Rennstadt. Klar auch, dass bei so einem ausgewählten Publikum ("Sie sind die einzigen, die das Programm zum letzten Mal zu hören bekommen") ein gewisser vertraulicher Ton angebracht ist – "endlich sind wir wieder da – in Hoggene", so die Hinter-Odenwälderin nicht ohne eine gewisse Ironie.

Kulturchef Lothar Blank hatte mit einem großen Schuhlöffel die Gäste ins Pumpwerk gezwängt – die Enge wurde aber nicht zur Belastung, sondern unterstützte vielmehr die kuschelige Atmosphäre, die die Werner stets gleichsam im Handgepäck dabei zu haben scheint. Zumal es für die Zuhörer eine ganz besondere Ehre war, dass Pe Werner trotz Erkältung und leicht nasaler Absprache den kompletten Abend durchzog. So lauschten mehr als 200 Gäste gebannt ihrer "Herzkönigin", den Ausflügen der frechen Pe in die Niederungen der "schönsten Nebensache der Welt" in Wort und Ton.

Seit ihrer ersten LP "Weibsbilder" hat sich die Power-Frau bemerkenswert weiterentwickelt – sie hat keine Spur an Kraft verloren, aber sehr viel mehr Tiefgang gewonnen; deshalb fragt sie mit ihrem Programm auch nach Liebe und Leid, nach den beiden Seiten der Medaille "Love", nach Haltbarkeitsdatum und Eigenbeteiligung im großen Rausch der Sinne. Umso wichtiger in einer Zeit, in der Uschi Gals für Reformhauswürstchen Werbung machen muss und es sich auch für Ralph Siegel "ausgenaddelt" hat.
Und auch "ohne Samenspender" ist sie ein guter Beobachter des Lebens, das ohne Untertitel daherkommt - "noch nicht mal synchronisiert".

Auch wenn ihr "Herzkönigin"-Album nicht mehr ganz taufrisch ist, hat es nichts von seiner Anziehungskraft verloren; wie überhaupt die großen Titel der Werner wahre Evergreens geworden sind, die auch diesem Auftritt einen gewissen "Ah ja!"-Effekt verliehen: "Ich will mein Geld zurück", "Dieses Kribbeln in Bauch" und natürlich "Weibsbilder".

Sie machte das "Chamäleon", schickte den "Flieger aus Papier" auf Reisen. Vor allem aber sprach sie die Sprache des "Trommlers in der Brust" und schenkte Hockenheim auf diese Weise noch einmal ihren "Heidelbeermund".

An ihrer Seite der bewährte "Klaviator" Peter Grabinger, der auch als Schmachtfetzen oder trällernder Bettvorleger eine gute Figur abgibt und Gitarrist Andreas Einhorn, diesmal sogar als tapsiger Witzeerzähler unterwegs.

Zusammen produzierten sie den so beliebten Werner-Sound, der in der Live-Version noch mehr grooved, wenn sie zieht, improvisiert und so alles ausspielt, was in ihrem explosiven Temperament und in ihrer zauberhaften Stimme liegt. Auge in Auge ist die Frau mit dem Wuschelschopf eben noch ein Stück authentischer, als das ihre Musik ohnedies schon ist – Pe Werner versteckt sich nicht hinter großem Gestus und abgedroschener Phrase, sie erfindet für ihre Fans das Rad mit jedem Titel neu, ohne dabei ihre ganz spezielle Art zu verlieren, sie fesselt und entspannt gleichermaßen und imponiert mit einer Stimme, die so klar ist, wie ihre Botschaften um Liebe, Lust und Frust.


Stehende Ovationen rangen der Herzkönigin nach einenhalbstündigem Programm eine Zugabe nach der anderen ab und gaben ihr die Botschaft mit auf den Weg: "Ohne Dich zieh ich die Fühler ein".

Aber schon für Ende August ist ihre neue Studio-LP angekündigt und am 24.10. startet die Tournee mit der Platte, die noch keinen Namen hat, in Kaiserslautern. Wie man Lothar Blank kennt, wird er seiner Rennstadt auch dafür wieder einen Abend spendieren. Bis dahin wird es eine Aufgabe sein, ohne Pe Werner "alleine und nicht einsam zu sein".

Weitere Infos auf der Homepage von Pe Werner: http://www.pewerner.de.