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Erschienen
Kein Stern für das Kabarett-Menü "Mobbing à la carte"
05/2002
"Mobbing à la carte" stand auf dem Programm, als Mitte April Edith Börner im Gemeindehaus vor ihr Publikum trat. Die Kabarettistin, die sich auch als Schauspielerin verdingt, literarische Lesungen sowie Rhetorik- und Kommunikationskurse hält, hatte ein "kabarettistisches Vier-Gänge-Menü" als "amüsanten Streifzug durch die deutsche Alltagsintrige" angekündigt.

Tatsächlich hechelte sie durch die Untiefen zwischenmenschlicher Zwistkultur und allzu menschlicher Schwachheiten: Den Nachbarn mit 70er-Jahre Sozialisation, der angesichts eines schwarzen Saab-Cabrio selbst als unendlich aufgeklärter Mensch in Tränen ausbricht - zumindest wenn er seinen eigenen Opel Kadett-Kombi mit Kinderschalensitzen sieht. Auf dem Weg zum Einkaufen der Zusammenprall mit dem arbeitslosen Sozialwissenschaftler mit abgelaufener ABM und dann natürlich die tägliche Angst vor allem Neuen - im Besonderen vor der neuen Kollegin, die sicherlich nicht nur Fleisch fressende Zierfische, sondern auch Schlingpflanzen und Woodoo-Puppen ins Amt einziehen lässt.

Das ganze Programm litt aber unter zweierlei: Zunächst unter einer gewissen Bemühtheit. Zwar bediente Börner ihr Publikum mit den unumgänglichen Schlüsselwörtern - Telekom, Samenstau und Wechseljahre - , aber eine Linie wollte ihr Programm nicht so recht gewinnen. Dafür sorgte auch der zweite Kritikpunkt: Ihre Darstellung offerierte eigentlich sehr gute Ansätze; eine lebhafte Mimik, ein durchaus phasenweise ganz witziger Slang und vor allem der Mut zur darstellerischen Überzeichnung. Leider aber verlor sich Edith Börner in bloßen Floskeln, die einen gewissen immitatorischen Ansatz gehabt haben mögen, die aber weder an das versuchte fahrige Themenhopping Piet Glockes noch an die kölsche Derbheit Gabi Kösters heran reichten. Eher an Sabine Leuthäuser-Schnarrenberger.

Dennoch präsentierte Edith Börner auch Highlights: Ihr Tripp durch den Dschungel des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs - bezeichnenderweise passend hinterlegt mit dem Maintheme aus "Mission Impossible" - ständig auf der Flucht vor Frauen in Ausmaßen chinesischer Sumo-Ringer, ausländischen Jugendlichen, pubertierenden Girlies und Senioren mit Hornbrille. Zu Recht fragt sie "Warum zahlen manche Menschen 8000 Euro für ein Survival-Training in der Sahara - Ein Kurzzonen-Ticket für zwei Euro reicht doch auch!"

Oder ihre hysterische Hypochonder-Nummer - jetzt wissen wir endlich alle, warum man stutzig werden sollte, wenn auf dem Beipackzettel "Willkommen im Club" steht.


Nun, wenn man es zusammenfassen mag: Es war ein netter Versuch, der allerdings in guten Ansätzen stecken geblieben ist. Oder - um es im angemessenen Vokabular des Programms zu sagen - einen Stern gibt es keinen, auch wenn es dem ein oder anderen geschmeckt haben mag.