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Frank Miller / Klaus Janson / Lynn Varley
Erschienen
Der dunkle Ritter kehrt zurück
06/2002
Panini Verlags GmbH, Nettetal
226 Seiten / € 19,90
Der misslungene Versuch einer Rezension

"The Dark Night Returns" ist ein Meilenstein der Comic-Kunst. Und das gleich drei mal: Die Story ist wunderbar dicht, politisch und spannend; die Zeichnungen sind kraftvoll, wundervoll eingefärbt – einfach einzigartig; das Comic machte sein Medium wieder für die älteren Amerikaner salonfähig und löste in Amerika einen neuen Comic-Boom aus, in dessen Zuge wir Leser mit jeder Menge Mainstream eingedeckt wurden, der aber auch Vertigo und Image aus der Taufe hob. Aber das ist Geschichte und fast jeder weiß das. Wenn nicht, lesen, lesen, lesen - denn es lohnt sich!!!

Und jetzt eine Rezension schreiben. Das ging nicht wirklich, zu viele Emotionen und deswegen ein längerer persönlicher Kommentar unseres Chef-Comic-Experten TD:

Ich war vor Erinnerungen und Ehrfurcht vor diesem Werk wie gelähmt. Wie wird man so einer Legende gerecht? Es musste natürlich eine Lobeshymne werden, was sonst? Wer die Parnass öfter liest, kennt meine Kritik an den Übersetzungen, da werde ich gerne zum "Dippelesschisser", wie man hier so sagt. Ganz vorsichtig hab ich die ersten Zeilen gelesen. Durchgeblättert, da bleibt man unvermeidlich an den großen roten Worten hängen. Es trieb mir Tränen in die Augen: "Ergebt Euch oder ihr werdet zerstäubt!" (Nein, schlussendlich wird mein Kommentar eher ein Lob an die Übersetzung – ehrlich!). Schnell mal im Impressum nachgeschaut – Überdsetzer Steve Kups. Der war mir mit seinem Kommentar zu meiner Kritik in Wonderwoman irgendwie sympathisch geworden, aber "zerstäubt"? Warum nicht zerstört, vernichtet, ausradiert? Und dann das leidige Thema Hakenkreuze. Natürlich zensiert, und das eher hässlich.

Nein, ich wollte einfach keinen Verriss schreiben. Eine gute Platte in den CD-Spieler, Tür zu und rein in die Geschichte, die mich wie schon fünfzehn Jahre vorher sofort in ihren Bann zog. Der Mix aus spannender Superhelden-Story mit bekannten Gesichtern und Namen, einem harten Schuss Gesellschafts- und Medienkritik, Jansons kantigem Strich über Millers einfachen aber harten Zeichnungen der von Varleys mal zuckersüßen, mal verdammt alt und ausgebrannt darstellenden Farben – Wahnsinn. Und immer dabei: Meine Batman-Bibel "The complete Frank Miller Batman", schweinsledern gebunden, Silberschnitt und Lesebändchen. Ist die Übersetzung an dieser Stelle korrekt? Immer wieder merkte ich, wie Kups Übersetzung eine andere Nuance der Geschichte hervorhob, als ich das getan hätte. So durfte ich den dunklen Ritter ein bisschen neu erleben, und allein dafür: Vielen Dank Panini, vielen Dank Steve Kups! Okay, ein paar Sachen sind echt falsch, aber bei 226 Seiten prozentual zu vernachlässigen. Wer es genau haben will, kann ja immer noch das Original lesen.

Schließlich die unvermeidliche Synopsis der Story: Batman hat sich vor Jahren verabschiedet. In Gotham versucht die Mutanten-Gang die Macht zu übernehmen. Zwei Ärzte wollen mediengerecht ihre Gottgleichheit mit der physischen und psychischen Heilung von Doppelgesicht in Szene setzten. Da Bruce sich einfach nicht ohne einen richtigen Knall in den Tod verabschieden möchte und seine zahlreichen Versuche für seinen Geschmack nicht spektakulär genug waren, kehrt der dunkle Ritter zurück.

Die Geschichte wird auf mehreren Ebenen erzählt. Im Fernsehen wird über Batman, Faschismus und geile Ärtze diskutiert. Batman nimmt wieder einen Robin auf, was zu den historisch bekannten Problemen führt, die hier aber allerliebst aufgelöst werden. Die Gang schlägt sich nach der Niederlage ihres Bosses auf die Seite Batmans und jagt nun unvermindert brutal Verbrecher statt Unschuldige. Die Regierung, vertreten durch einen rückgratlosen Bürgermeister und einen senilen Präsidenten, steht dumm da und trifft stets die falschen Entscheidungen. Doppelgesicht und Joker mischen ein bisschen die Bevölkerung auf.

Alles ist verdammt hart und nicht ohne unnötige Brutalität dargestellt. Da wird die Diskussion über Faschismus (im Original verstärkt durch die vielen Hakenkreuze in den Bildern, die hierzulande sinnentlehrt und kontraproduktiv zensiert werden müssen) verständlich und von mehreren Seiten begreifbar. Lesen!!! Unbedingt!! Auf Deutsch und auf Englisch, mein erster Versuch war auf Französisch, die hatten schnell ein ordentliches Hardcover.


So kommt es zu einer unumschränkten Empfehlung dieses Comics. Ein Muss! Sofort auf die Liste "Welches Comic muss man gelesen haben".