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Erschienen
Qua vadis neunte Kunst?
Der 10. Comicsalon in Erlangen
06/2002
Zum 10. mal treffen sich dieser Tag in Erlangen Verlage, Händler, Künstler und natürlich Fans zum alle zwei Jahre stattfindenden Comicsalon. Der Salon, inzwischen sicher das Event rund ums Thema Comic, hat offensichtlich nichts von seiner Attraktivität verloren, denn wie bei den vergangenen Veranstaltung auch strömten die Freunde der Neunten Kunst in Massen in die Hallen des Erlangener Kongresszentrums.

Wie gewohnt winden sich lange Schlangen von Fans durch die Gänge. Anstehen bei den zahlreichen Signierstunden der Künstler scheint eine der Lieblingsbeschäftigungen der Comicbegeisterten zu sein. Aber die Freude, seinem Idol einmal die Hand schütteln zu können und der Besitzerstolz über die Originalzeichnung des Künstlers, bei deren Entstehen man höchstpersönlich zuschauen konnte, sind es offenbar allemal wert bis zu vier Stunden auszuharren. Allen Widrigkeiten wie schmerzenden Füßen und verspanntem Kreuz zum Trotz. Und schließlich kommt man beim Warten ja mit Gleichgesinnten ins Gespräch. Das ist doch was.

Aber die Signierstunden sind nur ein kleiner Teil des Charmes des Salons. Denn wo kann man solch ein reichhaltiges Programm an Ausstellungen rund um die grafische Literatur finden? Das Spektrum reicht dabei von den qualitativ recht unterschiedlichen Ergebnissen des Erlanger Seminars für junge Zeichner bis hin zu einer Ausstellung, die sich den Ereignissen des 11. Septembers letzten Jahres in New York widmet. Die Exponate dieser Ausstellung bewegen. Sie zeigen in beindruckender Weise, wie das Medium Comic sich den unterschiedlichsten Facetten des Grauens und der Fassungslosigkeit nähern kann, ohne dabei der Gefahr zu erliegen, allzusehr zu vereinfachen. Jedem, der dem Medium unterstellt, es sei per se nicht in der Lage, sich mit ernsthaften Aspekten des Lebens zu beschäftigen – und solche Menschen soll es ja immer noch geben - sei diese Ausstellung wärmstens empfohlen.

Aber auch das Rahmenprogramm des Salons bietet auch in diesem Jahr weit mehr. Die Palette reicht dabei von der trocken und universitär wirkenden Podiumsdiskussion, die wohl nur den wahren Fan oder die schreibende Zunft in ihren Bann ziehen kann, bis zur Clownerie, die, meist getragen durch die rührigen Künstler diverser Kleinverlage, die Atmosphäre des Salons doch erheblich auflockert.

Alles in allem also das große Familienfest der deutschen Comicgemeinde, wie man es seit Jahren zu kennen glaubt. Alle sind fröhlich, alles ist gut.

Aber leider nur auf den ersten Blick. Ein genaues Hinschauen lässt Zeichen einer Krise erkennen, die die Zukunft des Mediums in wenig rosigen Farben erscheinen lässt. Es liegen zwar zu diesem Zeitpunkt noch keine genauen Besucherzahlen vor, aber es wirkt, als sei der Besucherandrang nicht ganz so groß wie in den letzten Jahren. Nun, dies mag als Besucher noch recht angenehm sein, ab und zu war es damals doch schon ziemlich eng. Was aber weit mehr Sorgen bereitet ist, dass man ständig bekannte Gesichter sieht. Wo ist der Nachwuchs der Comicbegeisterten, der noch vor vier Jahren auf dem Höhepunkt der Superhelden-Welle durch die Hallen tobte. Sind es immer wieder die selben Fans, die alle zwei Jahre den Salon besuchen und die mit Ihren Idolen und den Veranstaltern altern? Es scheint so.

Die Zukunft wird zeigen, ob es gelingen kann, neue Generationen an ein Medium heranzuführen, das durch die Vielfältigkeit seiner Ausdrucksformen wie kaum ein anderes in der Lage ist zu unterhalten, zu belehren, zum Nachdenken anzuregen, und und und...

Aber diese Aufgabe darf bei all der Feierstimmung des Familienfestes Comicsalon nicht vergessen werden. Und hierbei sind nicht nur die Verlage, die Organisatoren des Salons und die Künstler gefragt. Sie zwar auch, aber eben nicht nur. Dieser Aufgabe müssen sich auch die Fans des Comics annehmen. Schließlich sind sie es, die das Medium mit Leben erfüllen. Und deshalb soll an sie an dieser Stelle die Aufforderung ergehen, es sich nicht in Ihrer ökologischen Nische bequem zu machen.

Was ist, das noch zum Abschluss, mit dem derzeitigen Manga–Trend? Nun, die Anziehungskraft der Mangas scheint ungebrochen. Nur von den Fans ist auf dem Comicsalon leider nichts zu sehen. Eine tiefe Kluft trennt die Mangaleser von den Anhängern der klassischen franco-belgischen und amerikanischen Serien. Der etablierte Comicbetrieb - und hier insbesondere die Comicpresse - nimmt das Phänomen bestenfalls als Marktchance wahr, die das Verlegen der "guten" Comics finanziert. Schade eigentlich, denn hier böte sich die Möglichkeit, eine neue Generation an das Medium heranzuführen. Weniger Borniertheit auf Seiten derjenigen, die sich derzeit in Erlangen wie üblich selbst feiern, wäre hier sicher hilfreich.


Vielleicht schafft es die junge Leserschaft der Mangas ja auch ohne die hilfreiche Hand der Comicgemeinde, sich weitere Aspekte der Comickunst selbst zu erschließen. Zu wünschen wäre es dem Medium allemal.

(fack)
an dem Kürzel hat Kollege Ackermann echt einen Narren gefressen!)