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Garth Ennis / John Wagner / Carlos Ezquerra / Cam Kennedy
Erschienen
Judge Dredd #4: Death Aid
03/2000
Egmont Holding GmbH, Berlin
48 Seiten / DM 9,95
Ist der Ärmelkanal zu eng? Ja warum ist denn der brutale Kerl namens Judge Dredd schon wieder da? Zum mindestes vierten Mal versucht der dreiste Brite den deutschen Comic-Leser von sich zu überzeugen.

Nach den ersten Rohrkrepieren gibt es diesmal schon die Nummer vier - Respekt! Und das bei diesem eigenwilligen Charme und dem total englischen Humor des Heftes. Apropos Heft, wie jedes Egmont/Fleetway Comic erscheint Dredd im kleinen Album-Format mit Karton-Umschlag.

Diesmal gehte es um "Death Aid" - Sterbehilfe. Ein Club hirnkranker Jäger mit einem noch krankeren Presi ruft zur Menschenjagd auf. Wer die meisten Morde am 1. Januar begeht wird Schützenkönig. Das englische Schmankerl: Für jeden Mord muss bezahlt werden und der Erlös wird für Waisen gespendet. Leider kommen nicht nur BSE-gefährdete Hirne auf solche Gedanken, aber auf der Insel kommt so etwas augenscheinlich häufiger vor.

Dredd ist kein freundlicher Bulle, aber er ahndet Gesetzesverstösse wo es nur geht. Egal ob Parksünder oder Raubmörder, alle spüren seine Härte des Gesetzes - und die ist wirklich hart! Der Erfolg der Serie im Mutterland ist schwer zu erklären. An den Zeichnungen liegt es jedenfalls eher nicht. Weder der durch seine "Dark Empire"(Krieg der Sterne)-Geschichte bekannte Kennedy noch Ezquerra haben die saubere Qualität, die man von den den deutschen Markt überschwemmenden amerikanischen Produktionen her kennt. Aber das scheint ein Markenzeichen von Dredd zu sein. Egal ob Bolland oder der sonst eher klinisch saubere Higgins, immer ist Judge irgendwie schmuddelig. Dadurch kommt aber auch eine ganz bestimmte Stimmung auf, die wunderbar zu den oft abgedrehten Storys von Größen wie Ennis (Hitman), Wagner oder Grant passt.

Judge Dredd ist nicht für Weicheier, ein gutes Maß an Gewalt sollte man schon vertragen können, wenn man eines seiner Hefte aufschlägt. Ohnehin haben diese Geschichten neben der ordentlichen Action immer eine Handlung. Dredd ist eine ständige Anklage gegen rohe Polizeigewalt und die wenigsten Storys verzichten auf die vielen Seitenhiebe, mit denen unsere reale Gesellschaft traktiert wird. Wer gerne Comics liest anstatt sie nur durchzublättern, sollte das Image-Heftchen mal beiseite legen, und dem Engländer eine Chance geben, denn Judge Dredd (wie alle Fleetway-Titel) sind das Gegenteil von Image: Grobe Zeichnungen und Storys mit Inhalt und Action statt sauberer Bilder die weitgehend von jeder Handlung befreit sind.


Beckmesser spricht:
Seltsamerweise ist das Titelbild seitenverkehrt. Möglicherweise verschonte diese Eigenschaft die kleine Swastika auf dem Schädel des Kettensägenschwingers links unten vor dem Skalpell. Aber es gibt bestimmt genügend Anhänger dieses Zeichens, denen dieses kleine Detail aus Mangel an Verstand eh nicht aufgefallen wäre. Bei den Credits sind die Rubriken aufgrund eines Belichtungsfehlers fast nicht zu lesen, hier hat die Qualitätskontrolle wohl ein Auge zugedrückt.