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Brockhaus
Erschienen
Brockhaus. Recht - Das Recht verstehen, seine Rechte kennen
07/2002
Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim
848 Seiten / € 49,95
Die Deutschen sind schon lange nicht mehr das Volk der Dichter und Denker, das hat spätestens die PISA-Studie bewiesen. Worin wir aber immer noch Weltmeister sind (anders als im Fußball, wie wir bei der WM gerade wieder feststellen mussten), ist der Dauerlauf auf dem Rechtsweg. Mit übergroßer Vorliebe hetzen wir unserem ungeliebten Nachbarn, unseren ehemaligen Göttergatten oder auch dem Bürgermeister unserer Gemeinde den Rechtsanwalt - noch lieber den Staatsanwalt - an den Hals: Gestern noch Busenfreund, heute schon nur noch "Antragsgegner".

Problematisch dabei: Im Grunde kennt sich der Deutsche mit seinen eigenen Gesetzen nicht wirklich gut aus. Wenn aber erst einmal das so genannte "gesunde Volksempfinden" den Klagewilligen auf die falsche Fährte gelockt hat, dann ist ein kostspieliger Prozess schnell verloren.

Aus dem Hause Brockhaus wird die ultimative Rettung versprochen: "Der neue Brockhaus richtet sich an Menschen, die in vielfältigen Situationen des beruflichen und privaten Lebens auf Rechtsfragen stoßen, ohne durch entsprechende Vorbildung sogleich die passenden Antworten parat zu haben", so heißt es in der Presse-Info zum neuen Brockhaus "Recht". Blättert man den durchaus mächtigen Schinken aber durch, dann stellt man sehr rasch fest, dass gewisse Vorkenntnisse unbedingt von Nöten sind, wenn man den zum eigenen "Fall" passenden Eintrag finden will. Von A bis Z sind dann weit mehr als 4000 Stichwörter aufgeführt, bei denen bisweilen aber die Relevanz gerade für den Privatmann, an den sich der Verlag hauptsächlich wendet, im Dunklen bleibt.

Wenngleich der wuchtige Rechtsratgeber auch kein Ersatz für den Anwalt sein kann - wer daran geglaubt hatte, der muss sich generell fragen lassen, wie viel er von der deutschen Rechtsordnung mit ihren komplizierten Pfaden und Seitenpfaden verstanden hat und dem sei sofort die Einführung ins Rechtssystem auf den ersten zwölf Seiten des Rechtslexikons angeraten -, so ist er doch wichtiger Hinweisgeber, ein kluger Führer durch den verschlungenen Pfad der juristischen Diktion, die sich dem Laien bisweilen unverständlicher als eine asiatische Fremdsprache verschließt. Bei Brockhaus hat man ja große Übung und Routine darin, komplizierte Sachverhalte sprachlich so zu präsentieren, dass sie sich auch dem Newcomer erschließen können.

Besonders gelungen, weil mit einem gewissen Überblickscharakter konzipiert, sind einige Themen wie das Asylrecht, das Mietrecht oder das Thema Testament und Erbschaft ausführlich und in ihren unterschiedlichen Aspekten beleuchtet.

Insgesamt würde man sich eine etwas großzügigere Ausstattung mit Grafiken und Bildern gewünscht, die sicherlich dazu beigetragen hätten, nicht nur die Anschaulichkeit zu verbessern, sondern auch, den Leser etwas länger zu binden, ihm Lust darauf zu machen, auch in einem lexikonartigen Buch einmal zu schmökern, zu blättern und richtiggehend zu lesen.


Ein praktischer Helfer bei jurustischen Unsicherheiten - aber kein Ersatz für Krechel, Römer, Tasic, Mameghani, Kerkhof und Kirkitadse.