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Erschienen
Erlanger Tagebuch: Tag 2
07/2002
Samstag. Nach den besucherschwachen Tagen Donnerstag und Freitag ist man gefasst auf den üblichen Ansturm am Samstag. Aber er bleib aus. Weiterhin ruhiges Geschäft an den Ständen, auch wenn mit Talbot, Hohlbein, Pappe und den vielen anderen Künstlern einiges geboten wurde. Aber das hat eher den älteren Album-Leser interessiert. Bei Auflagen in diesem Bereich von um die 2.000 Stück haben die Verleger wohl im Laufe der vier Tage ihr ganzes Publikum begrüßen dürfen. Leider waren die umsatztechnisch und massenmäßig überlegenen Manga-Leser nur vereinzelt zu sehen. Einige wenige der wenigen kamen in Kostümen, was dem Salon ein Paar weitere Farbtupfer verlieh. Nun sind die 80.000 Manga-Leser auch eher im Nicht-Führerschein-Alter, mussten also zu Hause bleiben – schade!

Das Fachpublikum war durch die tolle Carlsen/Ehapa-Party, EEE-Blutnacht ;-), Paninis "Um-die-Häuser-Tour" etwas angegriffen und das Gespräch mit Steve Kups stand unter einem verschlafenen Stern. Trotzdem interessant, wie der Panini-Übersetzer, doch arg gezeichnet vom Wechsel von der "Um-die-Häuser-Tour" direkt an den Stand, etwas aus dem Nähkästchen plauderte. "Surrender or be destroyed" wurde zu "Ergebt euch oder werdet zerstäubt", weil Steve "zerstäubt" irgendwo im Fernsehen gehört hatte, und von dem Wort so begeistert war, dass er es unbedingt irgendwo einbringen wollte.

Eine wichtige Person, die jeder hört, aber keiner kennt, ist die Dame mit der freundlichen Stimme. Im fünf Minuten Takt versorgte sie die Besucher über die Lautsprecher mit Infos. Aber die Neugierde hat uns gepackt - und so gingen wir ins Orga-Büro und statteten der Damen einen Besuch ab. "Die ausländischen Namen sind die einfachsten, aber nach sechs Stunden macht man einen Deutschen zum Engländer und aus dem Spanier irgendwas", war ihr Kommentar und die Grimmasse, die sie dabei schnitt, sprach Bände. Auf dem nächsten Zettel, der ihr axelzuckend gereicht wurde, stand "xxx soll seinen lausigen Arsch an den yyy Stand schieben um seine Geschichte fertig zu machen". Augen zu und durch - und der Salon-Besucher hörte dann ein "Und ich lese jetzt nur vor..." gefolgt vom vorgegebenen Text (Grimassen für uns inbegriffen).

Bryan Talbots Vortrag über die mehr als vierjährige Arbeit an seinem nominierten Comic "Die Geschichte von einer bösen Ratte" war überfüllt und entließ die Zuhörer sichtlich beeindruckt. Ebenfalls beeindruckend, gut gewählt aber vor allem etwas verstörend für den "normalen" Menschen, die Musikuntermalung zur Schuiten-Ausstellung im großen Saal. Die war ebenso durchgestylt und perfekt konzipiert, wie die Bilder des Meisters. Den abgedunkelten Raum beherrschten vier große Tuchbahnen, auf die bewegte Bilder Schuitens projeziert wurden. Glücklicherweise waren die meisten Stufen mit weißem Klebeband markiert, trotzdem fand man die unmarkierten erst nach dem Stolpern.

Auf der sonnigen Dachterrasse plauderte David Basler über den Förderverein der Edition Moderne. Gegründet aus finanzieller Not und mit 23 Mitgliedern eine unverzichtbare Stütze des Verlages, bietet er einen ganz speziellen Service für die Mitglieder. "Unsere Förderer erhalten die gesamte Produktion der Edition Moderne wenn möglich mit Signatur des Künstlers." Wer in der Baru-Schlange stand, weiß, dass sich der Zeichner Zeit für seine Bilder nimmt. Deswegen kann man gerne beim Verlag nach einer Club-Mitgliedschaft fragen (ca. € 300.-) - beworben wird der Club aber nicht, wohl zur Entlastung der Zeichner ;-).

Persönliche Gründe verhinderten auch dieses Jahr wieder eine Teilnahme an der "Max und Moritz Gala", aber 2004 wird es dann vielleicht endlich klappen.

Nach zweieinhalb Stunden dann endlich wieder auf badischem Boden - und dann gleich die Artikel schreiben. Auch ohne Salon also kein Schlaf – das Leben ist hart.