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Benkyo Tamaoki
Erschienen
Blood: The last Vampire
08/2002
Panini Verlags GmbH, Nettetal
ca. 200 Seiten / € 7,95
Schon mal so richtig und ohne Vorwarnung eine ins Genick gekriegt (wir wollten ja "Fresse" schreiben, aber das hätte unser Chefredakteur wohl wieder mit einem giftigen Blick quittiert)? Das macht keinen Spass, aber man erinnert sich ziemlich lange dran. Jetzt muss man nur noch versuchen, dieses Bild ins literarischen zu transponieren und man hat eine Vorstellung von der Wirkung dieses Comics. "Blood" ist wahrlich kein Kindercomic! Auch nicht für Kinder zu empfehlen, dazu ist das Erzählte zu krass, hart und unbeschönigt grausam.

Die Story zusammenzufassen würde bedeuten, diesem Manga einiges an Wirkung zu nehmen. Denn es baut auf die Verwirrung des Lesers und versucht auch in keinster Weise, einen angenehmen Lesefluss aufkommen zu lassen.

In kompromissloser Konsequenz werden die Leiden der agierenden Personen dargestellt. Egal, ob von widerlichen Klassenkameraden mit hämischen Grinsen am Boden liegend in den Schritt getreten, oder ob von Vampiren als lebende Blutkonserve gehalten. Da macht die Figur der Saya keine Ausnahme. Retterin oder Dämon in Menschengestalt? Das wird erst auf den letzte Seiten klar. Sicher, es gibt Sex, mal wieder nur mit nackten Mädchen, aber das scheint leider in Mangas normal zu sein (einziger wirklicher Minuspunkt, sollten auch mal die Manga-Fans von einer kritischeren Seite sehen). Abgeschlossen und mit ca. 200 Seiten ein Kurzgeschichte, natürlich mit Fortsetzungsoption.

Blood ist ein Multimedia-Konzept, aber der Comic bleibt eigenständig neben dem ebenfalls autarken Video und irgendwo stand auch was von einem Computerspiel. Die Zeichnungen sind genretypisch gut, verzichten aber weitestgehend auf Hintergründe. Das passt zur hintergrundlosen Story, denn man erfährt so gut wie nichts über die Männer in den schwarzen Anzügen oder von der Stimme, die Saya ihre Aufträge übermittelt.

Beeindruckend ist die Hässlichkeit der Gewalt in den Gesichtern der Menschen, was man eher von Monstern erwarten würde. Soll das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein? Egal, einige Panels rutschen dabei auf jeden Fall deutlich unter den Durchschnitt.

Panini bringt ein bisschen Magazin-Charakter in seine Mangas. Wobei eigentlich nur die eigenen Produkte beworben werden. Auch, dass hier auf die europäische Leserichtung zurückgegriffen wird, ist unstimmig. Trotzdem sind gute Hintergrund-Infos nie schlecht, ein Anfang mit großem Verbesserungspotential also.


Noch mal: Blood ist kein Kindercomic! Verbieten nutzt nichts, aber mitlesen und diskutieren erweitert den Horizont und lässt Spross und Erzeuger mal wieder miteinander reden. Trotzdem und gerade wegen der emotionalen Wirkung ein nachwirkendes Stück Sprechblasen-Erzählung.