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Keith Giffen / Kevin Maguire
Erschienen
Justice League (International): Ein neuer Anfang
09/2002
Panini Verlags GmbH, Nettetal
192 Seiten / € 20,45
Sie haben es wirklich getan! Panini hat einen der besten/lustigsten/bedeutendsten Comics der letzten Jahre endlich ins Deutsche übersetzt. Endlich ist dieses Kleinod, entsprungen aus der Comicfabrik Amerika, auch im teutonischen Idiom verfügbar.

Giffen war schon immer für neue Ideen gut. Es muss ja nicht immer ultra-brutal wie bei Miller sein. Er zog der Legion der Superhelden Anfang der 90er die Kostüme aus, er schickte Video Jack durch die Fernseh-Serien der 60er, er macht hier aus der Grünen Laterne ein Arschloch.

Giffen schafft den Spagat zwischen lesbarer Einzelstory und kontinuierlich interessantem Hintergrund-Plot und bereichert die amerikanische Comic-Welt um eine humoristische Nuance im traditionellen Action-Genre. Damit löste er eine Welle ähnlicher Titel aus. Die Justice League International, wie sie ab Band sieben heißt, war der langlebigste Vertreter dieser neuen Spielart des damals am Boden liegenden Marktsegments Superheldencomic. Dr. Fate war danach auch kurz lustig und mit "Heros for Hire" oder "Olympians" wurde die Mode tot-produziert. Aber zurück zu den lesenswerten 192 Seiten dieses Trades.

"Ein neuer Anfang" musste her, nach 261 Ausgaben erlebte die Gerechtigkeitsliga 1987 ihr Ende. Einen kurzen Blick auf die letzten Mitglieder von damals erhascht man auf Seite 15. Dort sind die Bilder von Steel, Gypsy, Vixen und Vibe, Manhunters alte Kameraden. Aber ein mysteriöser Unbekannter will wieder eine JLA und kauft sie sich zusammen. Der Erste beim Gründungstreffen ist Guy Gardner, die umstrittenste Grüne Leuchte überhaupt (na ja, auch der alte Hal Jordan hat ja kein tolles Schicksal, liegt vielleicht doch am Ring?). Schon die ersten Gedanken-Blasen zeugen vom neuen Ton in diesen Heften: Arrogant, selbstsüchtig und weniger auf Action ausgerichtet. Diese kommt zwar auch hier nicht zu Kurz, sie nimmt aber nicht mehr die Hauptrolle ein. Und mit jeder Seite wächst im Leser der Wunsch, dass der unflätige Guy mal so richtig eins auf die Fresse kriegt. Glücklicherweise passiert das auch, aber erst nach 114 erfrischenden, weil nicht vorhersehbaren Seiten.

Giffen langt voll in den großen Pool der Themen und lässt auch Kritisches wie die atomare Hochrüstung nicht aus. Besonders gelungen ist ihm das, weil er es schafft, lustig und ernst im selben Augenblick zu sein. Spaß, Spannung und Anspruch in Kombination kannte man bis dahin nur aus franko-belgischen Comics, eine seltene Ausnahmeerscheinung auf dem amerikanischen Markt. Da passt Steve Kups manchmal rüde Art der Übersetzung besser als die Faust aufs Auge, das nicht trocken bleibt. So zum Beispiel, wenn ein verlegener Booster Gold auf die Frage einer kriminellen Dame im hautengen weißen Trikot "Du würdest keine Dame schlagen, oder?" entschuldigend zu der Niedergestreckten antwortet: "Dort wo ich herkomme gibt es Gleichberechtigung". Man braucht eigentlich nur einfach eine beliebige Seite aufschlagen, um etwas Bemerkenswertes zu finden. Hier der zweite Versuch und prompt hören wir in die Unterhaltung zweier Soldaten eines kleinen slawisch wirkenden Staates rein: "Ich glaube der Colonel plant wieder etwas. Ja ... und immer wenn er das macht, endet es damit, das man auf uns schießt".

Ein weiterer Genuss dieses Comics sind die Bilder von Maguire. Anfangs noch auf der Suche nach der eigenen Identität, entwickelt er im Laufe der ersten Hefte seinen markanten einfachen Strich, der durch natürliche Proportionen und große Flächen auffällt. Einfach aber augenschmeichelnd, mit fast narrativen Darstellungen von Posen, Gebärden und Gesichtsausdrücken. Eben die haben die eindeutige Zweideutigkeit vieler Sätze erst ermöglicht. Nur dadurch werden die Wandlung von Guy Gardner nach einer Gehirnerschütterung zum liebenswerten Menschen und die ungläubigen Reaktionen der Teammitglieder nachfühlbar.

Der Preis dieses Bandes ist nicht von Pappe und man möchte zuerst sagen, für das Geld hätte Panini auch besseres Papier nehmen können. Aber dann wären die Farben knalliger geworden. Weil dieser Comic jedoch kein Funny wie Bugs Bunny ist, deswegen sind die gebrochenen Farben passend. Im Original war das Papier genauso schlecht, also ein Stück Werktreue?!


Dieses Trade vereint die erste Story-Arc von Giffen und ist wunderbar lesbar, zum Lachen und Weinen, einfach zum Gut finden und weiterzuempfehlen. Das machen wir hier dann auch mit Nachdruck.