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Erschienen
Performance "See-Stücke" beendet Ausstellung "Kunst der Verwandlung"
09/2002
"Der Versuch, mit Worten etwas über das Unsagbare zu sagen, ist absurd!" Trotz dieses bisweilen tatsächlich zutreffenden Zitats aus der Feder des Kaiserslauterner Philosophen und Poeten Werner Laubscher werden wir uns doch an eine Besprechung der Performance "See-Stücke", mit der der Hockenheimer Kunstverein Ende August an der Seebühne seine erste Ausstellung "Die Kunst der Verwandlung", die zuvor für drei Wochen in der Stadthalle zu sehen war, beschloss, heranwagen.

Die Finissage setzte mit dem durchaus ungewöhnlich zusammengestellten happeningartigen Projekt des Annweiler Künstlers Karlheinz Zwick einen fulminanten und wirklich bemerkenswerten Schlusspunkt unter eine Werkschau, die, so die Vorsitzende des Kunstvereins, Dr. Martina Wehlte-Höschele in ihrer Begrüßung, durchaus zur Zufriedenheit der Organisatoren verlaufen sei: Die Besucherzahlen seien vor allem an den Nachmittagen erstaunlich gut gewesen und die Reaktionen hätten fast durchgängig einen ermutigenden Charakter gehabt.

Bereits in der Stadthalle war ein Teil von Zwicks Werk zu sehen. Mit den "See-Stücken" hat er sich aber weit über seine "Köpfe", die in der Stadthalle hingen und sich geradezu trotzig von Farbe und Form abwenden, hinauskatapultiert und ein Gesamtwerk geschaffen, das in seinem künstlerischen Wert hoch zu schätzen ist – bei aller Vergänglichkeit. Ein großes interessiertes Publikum hatte sich zur Installation eingefunden und beobachtete gespannt den Schaffensprozess, bei dem Zwick drei verschieden unterteilte Plexiglaswannen ins Wasser um die Seebühne einließ, die er nach und nach mit Farben füllte. Die scharf abgegrenzten Formen harmonierten ganz und gar mit dem sie umgebenden Nass, bei aller deutlichen Trennung wurde das verbindende Element sichtbar.

Während Zwick auf diese Art und Weise gleichsam auf dem Wasser "malte", erklangen auf der Seebühne die urwüchsigen Klänge aus Fred Ehrhardts Didgeridoo, das mit seinem aufs äußerste getriebenen Naturton die Verbindung zwischen Ökologie und Kunst deutlich unterstrich. Der bereits erwähnte Werner Laubscher rezitierte dazu seine hochgeistigen Auseinandersetzungen mit dem Wesen von Hervorbringung, Beredsamkeit und dem Zusammenhang zwischen Hören und Sehen ("Was als Musik klingt, will auch Farbe und Grafik werden, alles Grafische im Klang tanzen") im Wechsel mit lautmalerischen, dadaistisch angehauchten Gedichten. Das "Lautgeschwelge" des imposanten Mannes fügte sich wie ein exakt passendes Zahnrad in das Uhrwerk von Zwicks Kunstprozess.

So entstanden mit den "See-Stücken" mehr als nur Seh-Stücke. Es war der Versuch, das Publikum dazu zu befähigen, die Distanz zum Kunstereignis zu verlieren.

Als Höhepunkt der Performance illuminierte Zwick seine drei "Bilder im Wasser" von unten. So verlor sich zwar der Eingangsreiz, den die darauf fortgesetzten Reflexionen bei Tageslicht hinterlassen hatten, aber in der einbrechenden Dunkelheit wurden sie ersetzt durch einen den Sinnen sehr zugute kommendes Erstaunen über die ungewöhnliche Textur auf dem wohlbekannten See. Durch die transparenten Wände der Wanne bahnte sich das Licht seinen Weg durch Rot, Blau, Gelb, ließ Grafik auf dem Wasser entstehen. Allerdings litt Zwick etwas unter den Verhältnissen des Sees: Wegen dessen geringer Tiefe mussten die Lampen nah unter der Wasseroberfläche angebracht werden und erzeugten so ein allzu punktuelles Licht, was die eigentlich ebenfalls entstehende Wolkenstruktur in den Farbflächen nicht zum Vorschein kommen ließ. Dennoch erntete der Meister staunende Bewunderung für seine "Wasserzeichen", die die Betrachter in das vertraute Bild der Umgebung integrieren und damit einen ganz individuellen, absolut einzigartigen Kunstgenuss erleben konnten.


In diesem Falle kann das Bedauern darüber, das solch herausragende Kunstobjekte oft vergänglicher Natur sind, nicht groß genug sein. Zwicks "See-Stücke" konnten nicht erhalten werden, der Künstler hat sie direkt entfernt.
Aber sie werden in bleibender Erinnerung gesichert.
Und sie werden dem Kunstverein sicherlich als Anreiz zu neuen Taten dienen.

Wie Wehlte-Höschele mitteilte, ist zunächst der Abschluss des Projekts "Kunst der Verwandlung" mit den Aktionstagen in der Gustav-Lesemann-Schule Mitte bis Ende Oktober geplant. Anschließend will man sich an eine Werkschau "Kunst aus Privatbesitz" machen.