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Masamune Shirow
Erschienen
Manmachine Interface: Ghost in the Shell #2
10/2002
Ehapa Verlag, Berlin
ca. 300 Seiten / € 18.-
Fettes Teil und ganz schön schwer!!! Nicht nur das Gewicht betreffend, sondern auch in puncto Lesbarkeit ist der neue Shirow wahrlich kein Leichtgewicht. Aber der Reihe nach, und die beginnt beim ersten Duchblättern.

So viele farbige Seiten hätte man bei einem Manga nicht erwartet. Ohne nachzählen zu wollen erscheint mehr als die Hälfte der Seiten bunt - und mit was für Bildern! Gebäude und Vehikel sind aufs allerfeinste gerendert. Dazu die Figuren in bester Shirow-Manier: Was will man als Augentierchen mehr? Die Mädels sind allesamt knackig und scheinen einem Prospekt für Brustvergrößerung entsprungen zu sein. Die fernöstliche Unterhosenschau darf da natürlich auch nicht fehlen – leider. In den Schwarz/weiß-Passagen bekommen wir den altbekannten Shirow in durchweg hoher Qualität. Der erste Eindruck ist 100% hitverdächtig.

Schauen wir mal auf die Story: Wer das Teil nach dem ersten Durchlesen kapiert, ist ein Genie! So umwerfend wie die Grafik dieses Bandes ist, so unverdaulich bietet sich die Story. Es fängt mit jeder Menge Tech-Talk an. Wer keine Ahnung von Rechnern, Netzwerken und Viren-Programmen hat oder zumindest die alten Bände gelesen hat, braucht damit jetzt gar nicht erst anzufangen. Ohne dieses Vorwissen wird man vor lauter ins fiktive getriebenem Fachchinesisch so verwirrt, dass man die darunter liegende Geschichte nicht mitkriegen kann.

Doch das ist alles nur Fassade für die Frage: "Ist es der Gedanke oder das Fleisch, was den Menschen zu dem macht, was er ist?" Major Motoko Kusanagi ist wieder im Einsatz für ihren Konzern, ob der es will oder nicht. Mit der Unterstützung ihrer Hilfsprogramme geht sie dem Anschlag auf eine Schweinefarm nach. Das Vieh scheint für ein neurales Netzwerk benutzt worden zu sein, doch von wem? Sie braucht alle ihre Programme, um sich in der letzten Schlacht die nötigen Informationen holen zu können. Dass die Vermittlungsstationen der Reise durch den Cyberspace auch im All liegen, ist nur eine kleine Randbemerkung wert. Ebenso die in der realen Welt stattfindenden Verfolgungsjagden. Der Hauptteil der Action findet seinen Platz im Cyberspace. Das ist vor allem grafisch nicht immer besonders interessant gelöst und das macht das Lesen dieses Mangas auch nicht gerade einfacher.

Ein sehr philosophisches Ende entschädigt nicht für die 300 verwirrenden Seiten. Dennoch ist "Manmachine Interface" irgendwo ein Meisterwerk. Man sollte Zeit und eine große Portion Computer-Philie mitbringen und sich an exquisiten Bildern erfreuen können, um hier Spaß zu haben. Wer sich ohne diese Grundvoraussetzungen an diesen Ausnahme-Comic wagt, sei gewarnt!


Nichts für die breite Masse, aber dennoch ein Meisterwerk. Nichts für den normalen Manga-Freund weil zu philosophisch/technisch, dafür aber durch die vielen exzellenten farbigen Bilder auch für den Nicht-Manga-Leser einen Blick wert.