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Markus Mawil Witzel
Erschienen
Strandsafari
10/2002
Schwarzer Turm, Hünfeld
76 Seiten / € 10,-
Wie war das noch, als man Probleme in der Schule hatte? Oder: Wie wird es sein, wenn man kein Kind mehr ist? Unterschiedliche Sichtweisen und unterschiedliche Vorurteile machen unterschiedliche Geschichten. Strandsafari ist eine typische Kurzgeschichte. Mit fast 80 Seiten nicht kurz, aber der Leser wird ohne Vorbereitung in das Leben eines Hasen(?) gestürzt. Warum eigentlich immer Hasen? Weil das Rammler sind? Wunschdenken? Und wenn der Hase noch mit einer Brille das Klischee des Loosers kriegt, ist er dann nicht als rammelnde Brillenschlange das Happy End des verpickelten und unsicheren Pubertierenden?

Aber das ist schon wieder Interpretation und auch ganz schon weit hergeholt. Fakt ist, dass der Hase von drei heranwachsenden Mädels unter die Fittiche genommen wird. Losgelöst von Schulangst oder dem Stress mit den Eltern kümmert sich vor allem eines der Mädchen um den ängstlichen Jungen. Das ist nicht immer herzlich oder einfühlsam, aber eben deswegen schon fast realistisch. Zwang, Verantwortung und Sinnsuche sind die Themen, die angerissen und ohne den Anspruch auf Lösung auch wieder fallen gelassen werden.

Die Zeichnungen sind wesentlich leichter als der Stoff dieser Geschichte. Der Hase erinnert an Trondheim, der Rest ist aber recht naturalistisch in einem einfachen Strich gehalten. Nett und unverbraucht kommt so eine sehr leichte Stimmung auf.

Der Kontrast Hase/Mädchen = Angst/Freude sieht aus, wie zwei der vielen Seiten, die man während der Pubertät und der damit zusammenhängenden Selbstfindung in sich herumträgt. Es endet genauso ungeklärt wie es angefangen hat. Das Mädchen wacht ohne Unterhose auf und der Hase scheint gestärkt neuen Horizonten entgegen zu fahren.

Nach Kanans "Lost Girl" eine weiteres zartes Comic um das Thema "groß werden". Was uns als Nicht-Mädchen stört, ist, das erwachsen werden wohl nur ein Mädchen-Problem zu sein scheint. Mitnichten! Auch wenn Jungen einfach mal furzen und sich besaufen können, um den Abschied von der Kindheit zu manifestieren, ist die Frage nach dem Ich nicht nur einem Geschlecht vorbehalten. Also warten wir weiter auf eine ebenso angenehme Visualisierung dieses Themas aus maskuliner Perspektive.

Strandsafari macht das Pubertieren auch für ältere Leser wieder nachfühlbar. Da die Suche nach dem eigenen Ich meist nicht endgültig in dieser Phase geklärt wurde, eine wichtige Aufforderung auch an ältere Leser, dieser Frage mal wieder nachzugehen. Jüngere Leser merken hoffentlich nicht erst hier, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind, und dass sich Probleme am besten mit Spaß bei der Sache lösen lassen.


LESENSWERT!!