2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Alles Wahlgewinner - oder doch nur Looser am Schluss?!
10/2002
Endlich ist es geschafft: Die Wahl ist um und das Volk der Dichter und Denker steht - die Jahrhundertflut kaum recht verarbeitet -schweigend vor Entsetzen vor dem Ergebnis dieses Jahrhundert-Urnenganges.
Wieder einmal gibt es nur Gewinner: ARD und ZDF sind die unangefochtenen Sieger in der KAthegoerie "Wie beschere ich einem Land zwei Regierungen", die CDU hat die meisten Stimmen dazu gewonnen, die Grünen und die FDP haben überhaupt ihre Ergebnisse vom letzten MAl verbessern können und die SPD stellt wieder die Regierung.

Schaut man aber ein wenig genauer hin, dann hinterlässt der 22. September fast nur Verlierer: Die CDU hat es nicht geschafft, die Regierung abzulösen, weil ihrem Dauer-Koalitionspartner die Luft auf der Zielgeraden ausgegangen ist. Ede Stoiber hat es nicht einmal geschafft, mit der stärksten Fraktion in den Reichstag einzuziehen, der grundundemokratischen Institution des Überhangmandats sei Dank. Die FDP stolperte über ihre Enfant terrible Möllemann, der sich mit seinem Streit mit den deutschen Vorzeige-Juden Friedmann und Spiegel zunächst viele Freunde, mit seinem aufgewärmten Brei kurz vor Wahlabend aber mindestens genau so viele Feinde gemacht hat: Aus dem "Projekt 18" ist nicht einmal eine Acht geworden - nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Freidemokraten.

Schröder kann zwar weiterregieren, aber er stützt sich auf eine Mehrheit, die nicht im eigentlichen Sinne eine ist; eine Regierungspartei, die so stark abbaut, die eigentlich nicht einmal stärkste Kraft im Bundestag ist, übernimmt damit erneut das Ruder der Deutschland AG.

Der größte Verlierer wird am Ende aber wieder der Deutsche von Nebenan sein: Die unzähligen "Kleinen Leute", die wahrscheinlich weiteren vier Jahren Stillstand entgegensehen. Die "Politik der ruhigen Hand" war schon lange vor der Wahl zur "Politik der eingeschlafenen Füße" verkommen und bislang gibt es kaum Anzeichen, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird.

"BLood, sweat and tears", Blut, Schweiß und Tränen werden nötig sein, um das Steuer unseres inzwischen immer schneller auf das Riff zulaufenden Bundeskahns rumzureißen. Kein Politiker, ganz gleich welche Farbe sein PArteibuch auch haben mag, wird sich bei solchen Mehrheitsverhältnissen trauen, die schon längst überfällige "Tränenrede" zu halten. Statt Argumenten der Vernunft werden uns weiterhin Oldies aus der Klamottenkiste präsentiert. Mit angstgeweiteten Augen starren wir also auch morgen noch auf einen DAX im freien Fall, auf steigende Renten- und Krasnkenkassenbeiträge und eine Arbeitslosigkeit-Kurve, die deutlich nach oben weist. Besonders clever ist es unter solch präkeren Bedingungen, wenn man dann auch noch mit neuen Steuer-Geschenken winkt: Die nächste Stufe der Steuerreform, die hätte Entlastungen bringen sollen, verschoben, dafür wollen die hohen Herren aus der ersten Reihe der Regierungsbank die fiskalischen Daumenschräubchen weiter anziehen. Vielleicht sollte man den Altvater des sozialen MArktwirtschaft endlich exhumieren - Ludwig Erhard dürfte sich nämlich längst im Grab umgedreht haben.

Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient. eine alte Binsenweisheit hat sich einmal mehr bewahrheitet.
Allein deshalb lautet unsere optimistische Parole für die nächsten vier Jahre: Wenn Ihr Euch umschaut, werdet ihr feststellen, dass nur die Ratten das sinkende Schiff unter Zuhilfenahme ihrer Bonusmeilen verlassen haben - wir Looser sind weiter mitten unter uns.