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John Phillips
Erschienen
Adieu, Saint-Exupéry! Unsterblicher kleiner Prinz
03/2000
Vgs Verlagsgesellschaft mbH&Co.KG, Köln
98 Seiten / DM 19,90
Wer kennt ihn nicht, den kleinen Prinzen, der ganz plötzlich mitten in der Libyschen Wüste auftaucht, als sei es das Selbstverständlichste der Welt.
Der keine Frage zurücknimmt und auf seine scheinbar kindlich-naive Art die Lügen und Selbsttäuschungen der Erwachsenen entlarvt.
Der kleine Prinz, der sich die Zeit nimmt, einen Fuchs zu zähmen, Freundschaft zu schließen, Verantwortung zu übernehmen.

Und wer kennt ihn nicht, den "literarischen Vater" des kleinen Prinzen.
Diesen leidenschaftlichen Piloten, den erfolgreichen Schriftsteller, den Abenteurer...

Aber: Wer kann denn ehrlich von sich behaupten, Saint-Exupéry zu kennen; mehr über ihn zu wissen als nur ein paar Schlagworte und Lebensdaten?

John Phillips "Unsterblicher kleiner Prinz" bringt ihn uns ein bisschen näher, den Menschen Saint-Exupéry.

Wenn seine Freunde und Bekannten ihn beschreiben, bekommt man fast selbst das Gefühl, einen neuen Freund kennenzulernen. Vermutlich spielt auch hier Verklärung eine Rolle - aber so, wie er geschildert wird, muss man ihn einfach gern haben.

Wir erfahren von seiner behüteten Kindheit. Seinem frühen Interesse an Motoren und Flugzeugen. Seiner Vorliebe für Klaviermusik, Kartentricks und Schachspiel. Von seiner Rechtschreibschwäche. Von seiner Neigung, das Schreiben bis auf den letztmöglichen Termin aufzuschieben. Von seinen unmöglichen und phantasiereichen Ausreden. Von seinem Spitznamen "Pique la Lune" - Mondgipfel - den ihm seine spitze Nase einbrachte. Von seiner Eitelkeit, von seinen kleinen Eigenheiten. Von seinem Durst nach Abenteuer. Von seinem Wunsch, im Krieg weiterhin als Pilot eines Aufklärungsflugzeugs zu dienen, weil er nicht tatenlos zusehen und schreiben wollte. Von seinem Kampf gegen die Vorschriften, die ihn als zu alt zum Fliegen einstuften. Von seinem letzten Flug, von dem er nicht zurückkehrte.

Was dieses Buch so lesenswert macht, sind keine außergewöhnlichen Sensationen, Enthüllungen, Neuigkeiten.
Es ist ein persönliches Buch, ein Buch mit Beiträgen von Freunden, denen Saint-Exupéry viel bedeutete. Ein Buch über einen außergewöhnlichen Menschen, keinen fehlerfreien Helden.

Edmont Petit lässt in seinem biographischen Teil die Vergangenheit wieder lebendig werden, verdeutlicht die Hintergründe von Exupérys Leben. Die bekannte Fliegerin Anne Morrow Lindbergh berichtet über ihre Bekanntschaft mit dem sympathischen Kollegen. Und John Phillips beschreibt die letzten Tage des Fliegers. Er erklärt, welche Umstände dazu führten, dass der Vierundvierzigjährige zu seiner letzten Mission überhaupt aufbrechen durfte und welche Rolle er selbst dabei spielte.

Das Ganze wird von zahlreichen Fotos illustriert, die viel vom Reiz des Buches ausmachen.

Yußerdem kommt Saint-Exupéry auch selbst zu Wort - in seinem "Brief an einen Amerikaner" und in zahlreichen Zitaten aus seinen Büchern.


Letztendlich kann sich nur jeder selbst ein Bild von ihm machen, aber dieses kleine Buch trägt auf seine Weise dazu bei, dass es ein lebendiges Bild wird - das Bild eines besonderen Menschen: Graf Antoine Jean-Baptiste Marie Roger de Saint-Exupéry.