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Erschienen
Actionreiche "Farb-Art" und sprechende Skulpturen im "Alten Bahnhof"
10/2002
Eine Gemeinschaftsausstellung zweier bemerkenswerter Künstler hat am zweiten Wochenende im Oktober im Kulturzentrum "Alter Bahnhof" in Neulußheim ein interessiertes Publikum gefunden: Gerhard Hampel und Peter Lubasch waren auf Einladung des "Kunstpapstes" der Gemeinde, Wolfgang Treiber, in den Bahnhof gekommen und haben dort einen neuen Farbklecks in der beachtlichen Serie von Ausstellungen hinterlassen. Treiber konnte zur Vernissage, die musikalisch umrahmt wurde vom Saxophon-Duo Jan Benzinger und Tobias Lubasch, rund einhundert Gäste begrüßen – so viele, wie selten bei einer Ausstellungseröffnung.

Und tatsächlich hatten die beiden Künstler einiges zu bieten, das der besonderen Beachtung wert war.

Der Heidelberger Gerhard Hampel ist ein wahrer Farb-Art-ist: Mal bringt er damit actionreiche und in ihrer Luminanz fast schon aggressiv daherkommende Farbspektakel auf die Leinwand, mal bedient er sich dem feinen Strich in gedeckten, bescheiden zurückhaltenden Farben. Der Grafiker, der eine lange und intensive Ausbildung in unterschiedlichen Maltechniken genossen hat, präsentierte bei dieser Ausstellung nur einen kleinen Überblick über sein breit angelegtes Werk, wobei dem kundigen Betrachter sofort ins Auge fallen musste, dass sich darunter ganz erstklassige, aber auch einige schwache Kunstgegenstände befanden. Die technische Fertigkeit ist ihnen allen deutlich anzumerken und bieten überhaupt keinen Grund zur Beanstandung. Hampel gelingt es mit sicherer Hand, sowohl die explosionsartigen, weit ausholenden Farbgewitter von "Großer Mohn", als auch die sehr klaren, fast schneidend scharfen, aus flächigen und fein ausgegliederten Partien zusammengesetzten Acryl-Bilder wie "Heidelberg – Am Neckar" zu gestalten. Immer ist ihm dabei seine innige Liebe zur Farbe anzumerken, immer aber auch seine Verbundenheit zur Heimat und ihrem Liebreiz. Das findet seinen Wiederhall auch und gerade in seinen Aquarellen. Sehr detailverliebt entwickelt er den Heidelberger Schlossberg und die Altstadt vor den Augen seiner sehenden Anhänger, ohne dabei der Schwere und fesselnden Enge der Pedanterie Raum zu gönnen. Ein besonderes Beispiel für das wache Einfangen einer Stimmung bei gleichzeitiger Hintanstellung des realen Details sind seine sehr spannenden und packenden Akte, bei denen dem Werk selbst noch anzumerken ist, wie sehr der Künstler von seinen Studienobjekten gebannt war. Immer sind es sehr atmosphärische und dichte Bilder, die in einer gewissen Leichtigkeit aber auch Wohlgefallen auslösen: "Zwischen dem Auge und der Hand des Künstlers spielt das Geheimnis der Kunst", wie Wolfgang Treiber es in seiner Werkeinführung so trefflich umriss.

Ein reiner Autodidakt ist der Walldorfer Künstler Peter Lubasch. Er hat sich über Anfänge mit zweidimensionalen Werken schnell zu seiner eigentlichen Gabe, der Skulptur vorgearbeitet. Bei der Ausstellung in Neulußheim präsentierte er dabei aus allen vier Schaffensphasen Objekte, die jeweils einen ganz eigenen Reiz mitbringen. Die formbetonte, fließende Anmut seiner Specksteinobjekte aus den Jahren seit 1994 fesselt das Auge und die taktilen Sinne seiner Betrachter gleichermaßen. Etwas schwächer seine bearbeiteten Holzskulpturen aus dem Jahr 2000: Das Holz spricht zwar über die Maserung und seine Form noch mit dem seelenverwandten Beobachter, der künstlerische Geist löst sich allerdings in bisweilen etwas einfachen Botschaften fast bis zur Unkenntlichkeit auf. Sein besonders scharfes Auge für die Kunst, die die Natur dem Menschen vor die Füße legt, stellt Lubasch mit seinen weitgehend unbearbeiteten Holzskulpturen unter Beweis. Man merkt seinen Installationen die Faszination für den Material- und Formenreichtum der Schöpfung an – mit seiner künstlerischen Bearbeitung setzt der aufgeweckte und lebenslustige Mann den göttlichen Schöpfungsakt in einer menschlichen und manchmal auch menschelnden Form fort. Einem Mooreichenfragment entlockt er den dämonischen Urgeist einerseits, den Liebreiz und die Grazie einer langgestreckten Ente andererseits. Zwei ganz besonders herausragende Werke: "Rast I-V" und "Aufbruch I+II", Installationen mit Fundmaterial und tönernen Raben im einen, metallisch wirkenden Papierraben im anderen Fall. Seit dem vergangenen Jahr beschäftigt sich Lubasch intensiv mit Ton als Gegenstand. Trotz dem fehlenden technischen Wissen entdeckt er auch hier dem Betrachter seine künstlerische Geschichte – man merkt Lubasch nun wirklich nicht an, dass er ein Do-it-yourself-Künstler ist. In "Befreiung vom Zwang" hat er die raue Seite der Welt auf das weiche Material übertragen und in der einfachen Sprache, die er seinen Objekten auferlegt, dem Betrachter die Ketten als Symbol der Unterwerfung an die Hand gegeben.

Leider musste schon der flüchtige Betrachter feststellen, dass die Kombination der beiden Künstler im eigentlichen Sinne kein besonders gelungener Kunstgriff gewesen war. Zwar mag im Reiz, werkfremde Künstler zusammen wirken zu lassen, ein gewisser Ansatz stecken, dennoch muss man gerade bei diesem Spiel mit dem Feuer darauf achten, dass nicht einseitig verheizt wird. Das nämlich passiert, wenn man farbintensive Blickfänger wie die Acrylbilder Hampels direkt neben die naturfarbenen und –belassenen Exponate Lubaschs positioniert: Der Blick der Besucher wird gleichsam angesaugt und kann sich der anderen wahren Schönheit, die zu entdecken und in sich aufzunehmen wirklich wert gewesen wäre, kaum noch ungezwungen widmen.


Was bleibt nach dieser Exhibition, sind zwei außergewöhnliche Künstler, die jeweils einen eigenen Platz – und eine eigene Ausstellung – verdient haben.