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Erschienen
Buchmesse Frankfurt 2002 - Schwerpunkt Comic
11/2002
Alle Jahre wieder gibt es von der hehren Kunst bis zur niederen Belletrisik auf der Frankfurter Buchmesse allerlei Gedrucktes. Und zum dritten – wohlmöglich dem letzten – Mal war der Comic ein Schwerpunktthema.Angesiedelt in der großen Halle3 gab es neben den Ständen der Verlage das Comic-Cafe, eine gut gefüllte Comic-Bibliothek, mehrere Ausstellungen und ein Forum. Hier tummelten sich vor allem am Sonntag beim Cosplay unzählige Manga-Fans und einige andere Comic-Leser.

Frankfurt will es dem Endverbraucher oder Leser (klingt nicht so ganz marketing-mäßig) einfach machen. Die Halle3 beherbergt alle großen Verlage wie Heyne, Bastei, Klett, Rororo und und und. Wer ausländische, pornografische, künstlerische oder ethische Publikationen suchte, musste sich in die anderen – kleineren - Hallen begeben. Sogar an einen Comic-Verkaufsstand hatte man gedacht - in Frankfurt ist der Verkauf während des üblichen Messebetriebs eigentlich verboten. Also eine Annäherung an das zahlende Publikum und nicht mehr die Fokussierung auf das Fachpublikum.

Beim ersten Durchlaufen fehlten die interessanten Eyecatcher. Alles war solide, aber nichts wirklich begeisternd. Da konnte sogar "Literaturpapst" Dieter Bohlen nichts dran ändern. Die Comic-Stände wirkten trotz einer größeren Zahl an Ausstellern ein wenig verloren. Panini war traditionsgemäß nicht mit einem Publikumsstand vertreten und Ehapa war im Kinderbuchsegment, denn ein Stand musste für den großen Verlag reichen – Chefentscheidung! Carlsen lud mit einigen Sofas zum Lesen ein, Dino (da noch nicht verkauft) verschenkte Aufkleber und hatte ein mit fünfzehn Euro unschlagbar günstiges Aragones-Paket dabei, Salleck präsentierte Paape, Comicwerk sich selbst. Bei Mosaik war man eher verschnupft, der Stripburger versuchte seine osteuropäischen Comics vorzustellen (was bei der Deutschlosigkeit etwas schwer fiel – aber mit Reprodukt hat man jetzt wenigstens einen deutschen Vertrieb gefunden) und diverse Stände glänzten besonders mit deutschen Zeichnern. Beim Stand von Comicplus und Kultedition saß Kollege Dierks wie immer schwer im Stress wegen der offiziellen Berichterstattung (zu lesen unter www.comic.de). Aber der Universitätsprofessor konnte sich ja am vorlesungsfreien Montag wieder ausruhen (im nächsten Leben werde ich mindestens Lehrer).

Die üblichen Podiumsdiskussionen liefen wie üblich ab: Bei der Elefantenrunde klagte keiner und Platthaus begeisterte wieder einmal mit markigen Sprüchen beim literarischen Comic-Quartett. So richtig Leben kam erst am Sonntag in die Halle3. Der erste Frankfurter Cospaly lockte mit Gratiseintritt für Teilnehmer unzählige Manga-Fans in die heiligen Hallen. Jüngeres Publikum, das diesmal nicht zwangsweise wegen des Schulausflugs, sondern freiwillig auf die Buchmesse kam. Und die waren wegen der vielen Kostüme auch ein echter Farbtupfer und Hingucker. Genau das fehlte der in die Jahre gekommenen Prestige-Veranstaltung Comicsalon Erlangen. "Wir haben mit 25 Teilnehmern gerechnet, gehofft hatten wir auf 50 – gekommen sind 150", so der überraschte Moderator des Cosplays. Doch auch nach diesem Kostüm-Marathon wurde es vor dem Comic-Forum nicht leerer, denn Kazuhiko Torishima, Redaktionsleiter bei Shueisha (Dr. Slump, Dragon Ball), stand den Fans Rede und Antwort. Danach wurden noch die Gewinner der Manga-Schnitzeljagd gezogen – es galt neun Fragen rund um Mangas und Japan richtig zu beantworten. Viel Programm für eine neue Publikumsklientel auf der Buchmesse - ein richtiger Anfang!


Leider ist das Projekt "Schwerpunkt Comics" im Jahr des größten Andrangs und somit des größten Erfolges auch am Ende der geplanten drei Jahre. Wir sind gespannt, wie es mit der Comic-Veranstaltung im Westen unseres Landes nächstes Jahr weitergeht.