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Hans Martin Ritter
Erschienen
Sprechen auf der Bühne
03/2000
Ein Lehr- und Arbeitsbuch
Henschel Verlag, Ber
336 Seiten / DM 68,--


Wie der Titel schon sagt: Ein Lehr- und Arbeitsbuch für all jene, die auf der Bühne sprechen - vor allem natürlich für Schauspieler und solche, die es werden wollen.

In einer kurzen theoretischen Einführung und einem Epilog über die Sprecherziehung wendet Hans Martin Ritter sich vor allem an Lehrende, aber auch an alle, die sich nicht sofort in die Praxis stürzen wollen. Er versucht, etwas mehr über Hintergrund und Problematik des Sprechens auf der Bühne zu vermitteln.

Der Autor geht von der faustschen Vorstellung "Wort - Sinn - Kraft - Tat" aus, die in jedem seiner Beispiele spürbar wird. Äußerst großen Wert legt er auch auf die Spannung zwischen Wort und Situation, die das Herangehen an eine Szene bestimmt. Die Worte müssten neu gedacht werden, ehe man sie ausspreche und in die Situation einbringe - dann trügen sie die Situation in sich und wirkten ihr nicht entgegen.

In zwei praktischen Teilen bringt dieses Arbeitsbuch den Leser dem Sprechen auf der Bühne näher. Im ersten Teil geht es um Lockerung und Vorbereitung, spielerisch wird ein neuer Umgang mit Atem, Stimme und Lauten geübt. Der Schauspieler soll sich der Umgebung um sich herum bewusst werden, soll die Aussagekraft von Gesten erfahren, sich mit Lautmalerei beschäftigen, im Wechselspiel mit einem Partner Sicherheit gewinnen. Gerade im ersten Teil sind die zahlreichen Anwendungsbeispiele großzügig mit erklärenden Fotosequenzen illustriert, die auf eindrucksvolle Weise demonstrieren, worauf es ankommt.
Im zweiten Teil wird dann mit der Arbeit am Text begonnen. Langsam und schrittweise kann sich der angehende Schauspieler mit Anrede und Dialog, mit dem Kontakt zum Gegenüber und zum Publikum vertraut machen. Er lernt die Entdeckung von Beziehungen und Situation. Die Arbeit in Gruppen wird bis hin zum Chorsprechen geübt. Auch das Erzählen auf der Bühne, wie beispielsweise der Balladenvortrag, kommt nicht zu kurz.

Hans Martin Ritter stellt im zweiten Teil verschiedene Arbeitsmodelle vor, mit deren Hilfe der Zugang zum Text erleichtert wird. Die Gestik solle sich nicht dem Wort unterordnen, sondern aus der Gestik heraus müsse der Text wirken. Wichtig ist für ihn vor allem, das Wort nie losgelöst von der Situation zu sehen. Und so wird von vorne herein darauf geachtet, aus der Situation heraus zu sprechen und zu handeln. Egal, ob es sich um eine kleine Vorübung handelt oder ein großes Werk. Es kommt darauf an, alles ganz neu zu lernen, dem Handeln und Sprechen einen Sinn zu geben, den Nachhall zu spüren. Zum Handlungskern der Äußerung vorzudringen.

Das Buch ist vor allem für Schauspielschüler geeignet, eröffnet aber auch denen, die in einer Gruppe "einfach nur so" Theater spielen, einen neuen Umgang mit Texten.
Wer Lust und Geduld mitbringt, sich wirklich mit dem Sprechen auf der Bühne auseinanderzusetzen und zu entdecken, was alles in einem kurzen Textfragment steckt, sollte auf jeden Fall einen Blick in dieses Buch werfen.