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Erschienen
Interview mit Sergio Aragones
11/2002
-------- Das Interview hören --------

[Sergio Aragones] sieht wie ein ensthafter Politiker aus.

Genau, ich bin ein sehr ernsthafter Mensch. (Gelächter)

Berühmt für seine kleinen Seitenrandbilder im MAD-Magazin

Als ich ein Kind war, noch sehr jung, habe ich in der Schule immer gezeichnet. Da haben mir die Lehrer immer gesagt: "Pass auf, hör dem Unterricht zu und hör auf zu zeichnen". Aber ich habe immer gemalt und war in meiner Phantasiewelt, statt den Lehrern zuzuhören. Ich musste eigentlich gar nicht zuhören, denn ich konnte mich an alles Gelesene erinnern und war so ein guter Schüler. Nur meine Lehrer waren frustriert, weil ich eben nicht zuhörte und statt dessen malte.

Sie zeichneten in Geschichte, Sie zeichneten in jedem anderen Unterricht. Zeichneten Sie im Zeichenunterricht?

Im Zeichenunterricht war ich sehr schlecht. Weil ich mich nie an die Regeln hielt. Ich zeichnete alles als Karikatur und deswegen waren mir die Lehrer sehr böse. Ich erinnere mich an einmal, da sollten wir eine Obstschale zeichnen. Der Lehrer hatte gerade gesagt, dass ich sehr schlecht sei. Als er dann aus dem Klassenzimmer ging, ging ich zu jedem in der Klasse und zeichnete jedes Bild. Und jeder bekam eine bessere Note als ich. Als der Lehrer zu mir kam, sagte er, ich solle besser aufpassen und von den anderen lernen. Und ich habe alle Bilder gemacht!

Wie haben Sie ihren Job bei MAD bekommen? Haben Sie ein seriöses Bewerbungsschreiben mit kleinen Randbildern abgegeben?

Nein, ich war bereits ein professioneller Illustrator in Mexiko. Ich hatte einen Verleger und schon einige Auszeichnungen, aber ich wollte meinen Horizont erweitern. Eines Tages, ich war 24 Jahre alt, packte ich meine Klamotten, nahm meine Zeichnenmappe mit meinen Bildern, stieg in einen Bus ein und fuhr nach New York. Ich kannte dort niemanden, hatte keine Geld und sprach kein Wort Englisch. Aber ich war so verrückt und glaubte, ich könnte es schaffen. Bei jedem Magazin sagten sie mir "Ihre Zeichnungen sind echt verrückt, warum versuchen sie es nicht mal bei MAD?". Eines Tages, ich dachte das sie meine Bilder nicht nehmen würden, weil sie völlig anders als die anderen Sachen in MAD waren, bin ich doch hingegangen und sie mochten die Bilder. Und ich blieb.

Welch ein Glück für uns, dass die Ihre Bilder mochten.

Welch ein Glück auch für mich! Ich fing mit zwei Seiten Astronautenwitze an. Als sie mehr wollten, ging ich nach Hause und arbeitete die ganze Nacht. Am nächsten Morgen zeigte ich meine Arbeit. Natürlich haben sie es gekauft und waren sehr beeindruckt. Genauso habe ich es mit einem weiteren Artikel gemacht und sie sagten: "Gut, Sie können nach Hause gehen, wir haben nun genug Material für die nächste Zeit." Aber ich sagte nein und beschloss, in jeder Ausgabe vertreten zu sein. Einige Seitenränder waren leer und die habe ich dann bemalt. Die Idee gefiel Ihnen.

Und eine Legende war geboren!

Ja – und ich habe auch das Titelbild gemacht. So waren in meiner ersten MAD-Ausgabe zwei Seiten mit meinem Artikel, die Marginals und die Idee zu dem Titelbild von mir.

Sie haben Ihre eigene Abenteuer-Serie. Haben sie die Conan-Bücher gelesen oder wie sind Sie auf die Idee zu Groo gekommen?

Es gab keine Witze mit Barbaren, also habe ich – keine Satire über Conan – aber eine Satire über das Genre gemacht.

Kennen Sie Cerebus?

Sehr gut! Ich kenne auch Dave Sim sehr gut.

Ist das ein Comic nach Ihrem Geschmack?

Ja! Es fing wie mein Groo an, wurde dann aber sehr politisch und ernsthaft.

Das war ein knapper Ausfug in die Geschichte des Meisters der Seitenrandzeichnungen Mister Aragones – Danke!