2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Verschiedene Autoren
Erschienen
Das Ding aus einer anderen Welt
01/2003
Vivendi Universal Interactive Publishing Deutschland GmbH, Langen
1 CD / ca. € 50,-
MacReady, eingehüllt in zerfetzte Decken, lehnte sich an die Bar in Mitten der zerstörten Forschungsstation und zündete sich eine Zigarre an. Während er genüsslich daran zog, nahm er ein Glas und schenkte sich einen Doppelten ein. Jetzt, da er das letzte "Ding" zerstört hatte, konnte er den Rest der Nacht damit verbringen, sich zu betrinken und auf den Kälte-Tod zu warten.

Plötzlich packte ihn etwas an der Schulter und riss ihn herum. Ein Gesicht blickte ihn an. Es war Childs.



So endete 1982 John Carpenters mittlerweile zum Kult-Film avancierter Horrorstreifen "The Thing from another World". Dies war nicht die erste Verfilmung des Romans von James Arness, bereits 1951 erschien eine schwarz-weiß Verfilmung unter der Regie von Christian Nyby und Howard Hawks. Zusätzlich entstand ein Roman nach John Carpenters Film-Vorlage (von Alan Dean Forrester - der schreibt eh alles von der Leinwand ab).

Obwohl die Verfilmungen und Romane von "Das Ding" niemals Kassenschlager waren, beschäftigt dieses Thema doch noch heute die Medien-Macher und die Fans warten sehnsüchtig auf eine Fortsetzung. Carpenter selbst hätte ein Sequel gedreht - wäre sein Film ein Erfolg gewesen.

Die Fortsetzung lässt also auf sich warten, aber das Spiel dazu ist schon da. Die Spiele-Schmiede Universal Interactiv (ein Studio der Vivendi Universal Games, zu denen auch andere bekannte Größen der Spielewelt, beispielsweise "Black Label Games", "Blizzard" und "Sierra" gehören) hat das Potential dieser offenen Story erkannt und knüpft mit seinem Spiel "Das Ding aus einer anderen Welt" an John Carpenters Kult-Streifen an. Wo der Film "Das Ding" 1982 endete, beginnt nun volle 20 Jahre später das Spiel.

Als Captain Blake hat der Spieler die Aufgabe, mit einem Marine-Team die Geschehnisse, die sich in der arktischen Forschungsstation zugetragen haben, zu ergründen. Dabei haben die Entwickler penibel darauf geachtet, eine authentische Umgebung zu schaffen und auch das für dieses Genre sehr wichtige Element der Angst/des Vertrauens ins Spiel zu bringen, um so den Flair und die düstere Stimmung des Films wiederzuspiegeln. Es gilt nicht nur, reihenweise außerirdische Monster zu erlegen. Nein, der Spieler muss ständig die Verfassung seiner eigenen Team-Mitglieder beobachten. Ein Marine, der vor lauter Angst in einem Gefecht davonrennt ist natürlich genau so nutzlos, wie ein Techniker, der seinem Leader nicht vertraut und deshalb seinen Dienst verweigert. Es gibt verschiedene Gründe für das Maß an Angst und Vertrauen, das ein Squad-Mitglied hat: Die Mitstreiter bekommen Angst, wenn sie keine Munition mehr haben, Geräusche hören, sich in einer wüsten Umgebung aufhalten oder einem riesigen "Ding" gegenüber stehen. Sie verlieren ihr Vertrauen in den Leader, wenn er ihnen Waffen und Munition abnimmt oder sie versehentlich beschiesst (kann man verstehen, oder?). Umgekehrt kann man ihnen natürlich auch Munition und Waffen geben oder sie verarzten, um so das Vertrauen wieder zu festigen und die Angst zu senken.

Nicht nur die eigenen Squad-Mitglieder wissen nicht immer, wem sie vertrauen können und wem nicht, auch der Spieler wird sich des öfteren fragen müssen: Ist mein Sanitäter jetzt noch ein Mensch, oder wird er sich bald in ein tötendes Monster verwandeln? Denn es kommt des öfteren vor, dass man Team-Mitglieder aus den Augen verliert und später wieder findet, ja sie vielleicht sogar rettet, nur um festzustellen, dass sie später mitten in einem Angriff der Aliens zu einem dieser Dinger werden.

Interagiert wird mit dem Team über das Squad-Menu. Hier können Befehle erteilt oder Waffen und Munition getauscht werden. Damit sind wir bei einer kleinen Schwachstelle angelangt: Man kann zwar mehrere Waffen tragen, aber zu jeder Waffen-Gattung jeweils nur neun Magazine mitnehmen. Im Spiel finden sich aber teilweise Munitionsboxen mit einigen Magazinen und so ist es möglich, sich selbst und ein Team-Mitglied voll auszurüsten. Will man aber später einem anderen Marine eine Waffe und Magazine geben und dazu dem Ersten (voll bewaffneten) einige seiner Magazine abnimmt, während man selbst noch voll ausgerüstet ist, sind die abgenommenen Magazine schlicht und einfach verloren, da man ja nicht mehr als neun Magazine pro Waffe tragen kann. Dann stehen tragischerweise beide Marines leer da, und man muss den eigenen Vorrat aufteilen. Also: Beim Verteilen von Waffen und Munition immer aufpassen, was ihr tut!

Die Steuerung ist ansonsten sehr intuitiv. Der Spieler bewegt euch a la "Max Paine" durch die digitale Station und hat einige nicht unbedingt anspruchsvolle Rätsel zu lösen, aber dafür muss er um so mehr "Dinger" über den Jordan schicken. Diese Viecher sind verdammt schnell und die größeren sind nicht einfach zu erlegen. Ohne einen Flammenwerfer oder zumindest einen Schweissbrenner lassen sie sich kaum beeindrucken. Leider gehören die übrigen Squad-Mitglieder nicht gerade zu den Intelligentesten. Häufig kommt es vor, dass sie direkt in die Schusslinie laufen oder aber tatenlos zusehen, wie ein "Ding" auf sie zuspringt, um erst nach dem Angriff mit Waffengewalt zu antworten. Aber wehe, die Teamkameraden sind mit Flammenwerfern bewaffnet, dann sollte man tunlichst darauf achten, einen guten Sicherheitsabstand zu halten, damit man nicht nicht selbst gegrillt wird.

Außer Waffen und Munition hat der Spieler natürlich auch noch die Möglichkeit, mit Gegenständen zu interagieren. So mussen beispielsweise Schaltkästen repariert, mit Überwachungskameras geheime Codes ausspioniert oder Computer-Terminals benutzt werden. Auch für das Speichern sind bestimmte Terminals zuständig. Leider wird davon weder in der Anleitung noch im Game-Tutorial (in dem die gesamte Anleitung nochmal online im Spiel vorhanden ist) erwähnt. So fragt man sich bis zum ersten Speicher-Terminal, wie zum Teufel man das Spiel überhaupt speichern kann - über das Menü ist ein Laden ja schliesslich möglich.


"Das Ding" ist ein durchaus unterhaltsames Spiel, das Action in "Max Paine"-Marnier mit dem Horror von "Resident Evil" verbindet und durch innovative Features wie eine KI, die auch Emotionen kennt, erweitert (was leider nicht immer ganz einwandfrei funktioniert). Fans der beiden genannten Spiele oder dieser Genres allgemein werden "Das Ding" sicher gut in Erinnerung behalten.