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Erschienen
Greetings from Chicago
12/2002
Nachdem der Jazz-Abend bei den diesjährigen Jazz- und Bluestagen im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" zwar stimmungsmäßig, aber nicht hinsichtlich der Zuschauerzahlen eingeschlagen hatte, drängten sich am Blues-Abend am ersten Samstag im Dezemberdie Massen in dem bei dieser Besetzung wieder einmal richtig gemütlichen Musikschuppen. Kein Wunder, waren doch zwei ganz große Namen des Showbiz angesagt.

Als Opener heizten die in Mannheim beheimateten "Boogaloo Kings" um Leader Mellow Yellow kräftig ein: Taffe Jungs, von denen jeder für sich ein großartiger Künstler ist. Mellow Yellow, der schon fast zwanzig Jahre in Sachen Blues durch ganz Europa tingelt, steuert eine Reibeisenstimme und ein passagenweise exzentrisches Mouthharpspiel ein. Er war es auch, der den schwergewichtigen Ausnahmegitarristen Richy Zeller alias Big Buddy Blue für seine Formation gewinnen konnte. Der Dicke an den Saiten begeistert seine Zuhörer regelmäßig mit solistischen Einlagen, einem teils gefühlvollen, teils explosiven Gitarrespiel: 196 Kilo Heavily Joy alive.

Drummer Colin Jamieson aus Glasgow tourt schon seit den Siebzigern durch die ganze Welt. Seine Schlagzeugsoli sind immer wieder wahre Höhepunkte, weil seine Vielseitigkeit alle Zuhörer beeindruckt.

Mit klassischem Studium in der Tasche Bassist und „Groove-Machine“ Phil Hartmann, der gut gebuchter Live- und Studiobassist ist.

Aber erst im Zusammenspiel ergeben diese wertvollen Ingredienzien den vollen, unnachahmlichen Boogaloo-Sound: Laut, hart, sehr funky und mit deutlichen Dirty-Einschlägen. Besonders fasziniert ist man, wenn man die Jungs, die zu den wenigen ernstzunehmenden Exporten ihrer Stilrichtung aus Deutschland überhaut gehören, erst spielen hört, und Mellow dann auf "Monnemerisch" retourniert. Das Volk jubelte und ging begeistert mit – allein die Stühle mochten den Bewegungsdrang, der sich bei solch mitreißender Musik fast automatisch einstellt, gehemmt haben.

Richtig bodenständiger Chicago Blues wurde dann von Urgestein Aron Burton serviert. Der in Mississippi geborene Bassist und Sänger verband nach seinem Umzug nach Cicago den Gospel, den er als seinen musikalischen Ursprung empfindet, mit seinen ganz eigenen weichen Basslinien und der markanten Stimme – und wurde zum gefragten Bassisten. Allerdings zunächst im Soul an der Seite von Johnson und Davis. Dennoch formte Burton den Chicago-Blues, der für viele der Blues-Sound an sich ist, wie kein anderer. Heute ist er der unangezweifelte "Elder Statesman" der europäischen Blues-Szene. Zusammen mit seinem Pianisten Christian Rannenberg produzierte Burton auch in Hockenheim dieses eigentümliche Blues-Feeling, das ihn so berühmt und begehrt machte: Mit ganz einfachen Mitteln, wenigen Griffen auf dem Bass, einem hereingerufenen "Yeah!" hatte er seine Zuhörer sofort gebannt. Sie lauschten seinen traurig-melancholischen Weisen, wippten mit, tänzelten, wenn sie konnten: "Be yourself and people will like you", keiner könnte diese Botschaft authentischer rüberbringen, wie Mister Bluesman persönlich. Bei ihm scheint jeder Ton aus dem Innersten zu kommen, die Seele freizulegen und das ganze Leben schwingt auf seinen Saiten mit.


Keine Frage, es ist ein Privileg, an der Seite des so unverbraucht daherkommenden Gentleman zu spielen – den Boogaloos wurde diese Ehre zuteil. Und dem Publikum damit eine ganz faszinierende Mischung als grandioser Höhepunkt des Blues-Trips geboten: "Greetings to you from Chicago".