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verschiedene
Erschienen
No one lives forever #2
01/2003
Vivendi Universal Interactive Publishing Deutschlang GmbH, Langen
ca. € 45.-
Was will uns die moderne Pop Kultur nicht alles verkaufen: Gott ist eine Frau, der Teufel sowieso und jetzt auch noch ein weiblicher James Bond. Keine erotische Puppe wie Marta Hari, sondern eine sarkastische Redenschwingerin mit Spezialausrüstung und Schalldämpfer. Cate Archer heißt die Schönheit und darf nun schon ihr zweites Abenteuer erleben.

Auf was kommt es bei Computerspielen an? Grafik! Genau, und die muss so viel Megaherz wie möglich verbrauchen - Nein! Ähnlich den asiatischen Comics werden sich die aktuellen Spiele immer ähnlicher. Perfektion scheint universell zu sein und den von technischen Beschränkungen diktierten Eigenheiten den Gar raus zu machen. Schade. Aber wie beim Beton, es kommt darauf an, was man daraus macht.

"No One Lives For Ever #2 - Agentin in geheimer Mission" ist witzig. Das ist im First-Person-Shooter-Genre mal eine echt angenehme Ausnahme. Ob der wirtshausschlägernde schottische Helfer, der schrullige und quadratisch gebaute Militär oder der vertrottelt aussehende Wissenschaftler, Klischees bis zum Abwinken und das ist Konzept. Leider entwickeln diese Figuren nur in den Zwischenszenen echtes Leben. Aber auch während der Mission gibt es einiges zum Lachen und zum Bestaunen. Cates berüchtigte Bananen-Attacke ist lustig und verschafft durch am Boden liegenden Gegnern Platz und Zeit zum Abhauen und der Tornado vermittelt während eines Level-Endkampfes ein bisschen das Gefühl von "Wizard of Oz".

Die Level sind abwechslungsreich, vom frostigen ewigen Eis bis zum orientalischen Basar, die Feinde ulkig und mit bemitleidenswerten Plagen wie Müttern oder Ganzkörpergips gestraft und die Gegenspielerin eigentlich ganz nett. Da ist es zu verschmerzen, dass die 08/15-Gegner etwas dümmlich in der Gegend herumlaufen und die eigenen Freunde dem Spieler bisweilen nicht vorbei lassen. Nur seltsam, dass, wenn sie auf ihrem Weg sind, sie einfach durch Cate hindurch laufen können. Aber wie in einem guten James-Bond-Streifen darf man sich nicht zu viele Gedanken machen, sonst macht es keinen Spaß mehr.

Vier jederzeit veränderbare Schwierigkeitsgrade machen es auch dem Gelegenheitspieler leicht, sich Cate und ihr Spiel einzuverleiben. So bleiben Frust fördernde Sackgassen aus. Wer will, kann aber auch die ganze Härte der Programmierer erleben.

Die virtuelle Welt der Cate Archer ist nett animiert. Die Gräser wiegen sich im leichten Windhauch, wogegen die Lampions vor den Häusern wie angenagelt der Witterung standhalten. Aber wir wollten ja nicht kleinlich sein. Echt witzig wird es, wenn man in gewohnter Shooter-Manier seine niedergemetzelten Gegner nach zusätzlicher Munition durchsucht. Hier und da findet man so echt nützliche Gegenstände wie durchgekaute Kaugummis oder benutzte Papiertaschentücher. Es sieht aus, als wolle sich NOLF2 nicht so richtig ernst nehmen - und darum macht es ja auch so viel Spaß! Da verzeiht man vieles - mehr sogar, als es zu verzeihen gibt.

Kein Shooter ohne Mehrspieler-Modus. Der war bei der Verkaufsversion noch nicht der echte Knaller, darum auch ein mit mehr als 30 MB ordentlich großer Patch, der sich insbesondere dieses Themas annimmt.


NOLF2 bietet für Jeden etwas: Der Anfänger kann als Rambo mit Hasenfüßen fast jedes Problem einfach lösen - versierte Strategen können sich als Meisteragent in dunkle Ecken drücken und den Gegnern unter der Nase vorbei schleichen. Grafik-Fetischisten haben mit dem Tornado bestimmt ein bisschen Freude und auch wer es ein wenig humoriger mag, ist hier an der richtigen Stelle.