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Alan Moore / Joe Bennett & Keith Giffen & Rick Veitch
Erschienen
Supreme # 1
03/2000
Panini Verlags GmbH, Nettetal
48 Seiten / DM 5,95
Image - dieser Verlagsname steht vor allem für erstklassige Zeichnungen. Die Storys sind leider meist weit unter dem Niveau der Bilder. Aber es gibt da ja immer die Ausnahmen von der Regel. Nachdem der Ur-Surpreme bei Image dann doch dem Haus-Stil entsprach, erlaubte der Erfinder des Helden, Rob Liefeld, dem Star-Schreiber Alan Moore ("Batman - Killing Joke", "Watchman") bei der Wiederbelebung des Titels freie Hand. Mittlerweile wechselte die Serie zu Liefelds eigenem Label Awesome.

Das bedeutete für die Serie zunächst einmal schlechtere Zeichnungen. Alles ist bei feinem Strich kantig. Vor allem die Gesichter haben nur die "Extrem-Posen" wie extrem-böse oder extrem-erstaunt. Feine Nuancen, die den Charakter definieren könnten, fehlen völlig. Jetzt stellt sich die Frage, ob das in diesem Heft so gewollt ist, oder ob sich der geniale Alan Moore diesem Manko der liefeldschen Zeichner bei der Konzeption der Story bedient hat. Denn gerade diese Plattheit passt hervorragend zu der witzig/kritischen Abrechnung mit den Platitüden der Comicbranche, die Moore hier betreibt.

Der Held kommt nach einem nicht näher beschriebenen Abenteuer zu "seiner" Erde zurück und steht vor einem Rätsel. Alles ist doppelt vorhanden. Der verwirrte Held wird von drei ihm sehr ähnlichsehenden Wesen empfangen. Nach kurzer Schlägerei folgt der Ahnungslose den Dreien in die Supermacy - eine Welt voller Versionen seiner Selbst. Und spätestens jetzt wird der Comic-Kenner gefordert. Moore lässt einige Versionen Supermans und seiner Side-Kicks auftreten. Den vom ich-weiß-nicht-wie-farbigen Kryptonit entfremdeten Superman, den "byrnschen Superman", Superboy, den zwei verschiedenfarbigen Supermännern und so weiter. Auf die Spitze treibt es Moore mit Super-Obelix und dem Super-Rinozeros. Doch dann muss Surpreme seine Arbeit in seiner Welt antreten. In seiner Tarn-Identität zeichnet er Comics, was Moore den Boden für Seitenhiebe auf die real existierende Verlagswelt bereitet.

Niedlich sind die Rückblick-Sequenzen. Ganz im Stil der "Big Bang Comics" aus dem Hause Image (in denen die einzelnen Epochen der Comic-Geschichte und deren Art und Weise, wie man Comics erzählte und zeichnete durch den Kakao gezogen werden) wird die Geschichte des Helden erzählt. Da darf die unumgängliche Origin-Story natürlich ebenso wenig fehlen, wie die "Sein-erstes-Zusammentreffen-mit-diesem-oder-jenem-anderen-Superhelden"-Story. Das ganze Heft ist eine wahre Freude für Fans des Genres und quillt vor lauter Anspielungen nur so über. Wer bei "Generations" seinen Spaß hatte, kommt an Supreme nicht vorbei.

Beckmesser spricht:
Auf Seite 5 wurden die Inhalte der Sprechblasen vertauscht. Passender wäre eine Eröffnung des verwirrten Helden "Ach, ja? Dann verzieh dich besser!", und wenn dann Lady Supreme ausrufen würde "Er hat Supreme gehauen (wobei "gehauen" ohnehin ein etwas altmodisches Wort ist und von der Konnotation ohnedies nicht in ein Action-Comic passt)" wäre die Panel-Welt wieder in Ordnung.