2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Ed Brubaker / Sean Phillips
Erschienen
Batman - Gotham Noir
01/2003
Panini Verlags GmbH, Nettetal
64 Seiten / € 6,95
Manchmal fragst Du dich, ob sich deine besten Freunde wirklich auf "Jack Daniels" und "Jim Beam" reduziert haben. Der dicke Schädel auf deinen Schultern macht es dir nicht leichter, mit dem Weltschmerz umzugehen, geschweige denn damit, dass sich deine Frau nach Jemandem umsieht, der auch mal mit ihr spricht. Aber man muss Prioritäten setzten, das hast du gelernt. Genauso wie du gelernt hast, zu hassen. Hat es damit begonnen, dass du nirgends im Internet die Seitenzahl des zu besprechenden Comic gefunden hast, oder damit, dass dir der Computer schon das dritte Mal hintereinander bei dem selben Bericht mittendrin ins digitale Nirvana abdriftete? Du weißt es einfach nicht mehr. Was bleibt, ist ein dumpfer Druck auf der Seele und der Wunsch, jemand anderem die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Da war doch der unbekannte Übersetzer, der in unheiliger Allianz mit den Setzern fast ein wirklich nettes Stück sequentieller Art zu unleserlichem Schrott verwandelt hätte.

Ha! Deine geliebten, gebildet klingenden Fremdwörter. Wie lange wirst du deinen Verfall noch hinter ihnen verbergen können? Wird sich die Frau im schulterlosen roten Nobel-Fummel davon beeindrucken lassen? Sie ist ein alte Freundin. Sie will dir mit einem einfachen Job helfen. Das Geld hast Du bitter nötig, also gehst du in ihre Bar und siehst dir die jungen Mädels, die in einer gelangweilten Minute von Chaykin getuscht zu sein scheinen, an. Für den Job gibst du sogar für ein paar Stunden das Saufen auf, aber dann gewinnt die Flasche und du musst zusehen, wie die Blonde, zu deren Schutz du angeheuert wurdest, tot neben dir liegt. Das ist echt scheiße gelaufen. Dass der Bürgermeister und seine Verbindungen zum organisierten Verbrechen irgendwie Puzzleteile in diesem Scherbenhaufen sind, macht es für dich nicht einfacher, deinen Kopf aus der von deinem alten Arbeitgeber, der Polizei, geknüpften Schlinge zu ziehen. Wenn du Glück hast, erhängst du dich vorher in einem Labyrint aus verschachtelten Sätzen, aber nur wenn du Glück hast. Und was ist das für eine Gestalt in den Schatten? Spitze Ohren und ein wehender Umhang? Ist das der Vorbote der weißen Mäuse? Aber irgendwie sagt dieser Schatten die richtigen Sachen, und du gewinnst wieder genug Mut, um dir mal wieder von allen so richtig die Fresse dick machen zu lassen.

Das kannst du vertragen, doch als deine Frau und deine Tochter in die Schusslinie geraten, läuft das Fass über. Der Schatten hilft, wo er kann, auch wenn man neben ihm den schwarzen Mann für einen freundlichen Menschen halten könnte. Flüchtig denkst du an den alten Steve Rude – ist er für deine Visionen verantwortlich? Nein – zu viele Fehler in den Proportionen. Oder McCrea? Nicht selbstbewusst genug. Wer war also Schuld an deiner misslichen Lage? Bleibt nur noch der Übersetzer. Oder der Setzer? Was soll "Gern wieder" heißen?


Aber wozu die Haarspalterei? Wirklich wichtig ist doch nur, dass du am Schluss deine geliebte Frau und geliebte Tochter gerettet hast, der Gauner im Knast sitzt und wenigstens eine handvoll Menschen an deinem Grab standen.