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Erschienen
Jahreslosung für 2003
01/2003
Was für ein Jahr! Hochwasser zum Jahreswechsel, Kälteeinbruch gleich danach (müssen jetzt die Eismassen per Presslufthammer aus den gefluteten Gebieten herausgebrochen werden?).

Auch an anderen als an der Wetterfront herrscht eisige Stimmung.

Uns allen fiel gleich nach dem Jahreswechsel die Pistole aus der Hand, als wir beim Tanken der nächsten Stufe der Ökosteuer gewahr wurden. Wer allerdings bei Esso getankt hatte, der heulte - vom Schlag des Steuer-Hammers getroffen – nicht nur auf. Weil die Esso-Ölscheichs versucht hatten, gleich auch noch eine Preiserhöhung hinterherzuschieben, verpulverte manch ein potentieller Tanker seine letzten paar Euro, um sich gleich mit dem edlen Nass zu überschütten und anzuzünden. Das ist – bei diesen Preisen – wahre Dekadenz und erinnert daran, dass ein Seil doch nach wie vor und mehr denn je eine günstige Variante ist ...

Katastrophal frostig das Verhältnis zuwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern in der Auseinandersetzung um die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst. Auf der einen Seite die öffentliche Hand, die im Moment etwas klamm ist, auf der anderen Seite die künstlich angeheizten Verdi-Kasper, deren Forderungen manchen Psychiater schon das große Geschäft wittern lassen. Keine Frage, der Staat beutet uns aus. Aber müssen wir zu unserem eigenen Untergang auch noch beitragen? Hohe Abschlüsse im Öffentlichen Dienst bedeutet höhere Abgaben, so einfach ist das. Denn der Staat hat schon von Anbeginn der modernen Zeiten den Bürger als angenehme Einnahmequelle entdeckt. Und, meine lieben verblendeten Gewerkschafts-Fuzzies, habt ihr euch eigentlich schon einmal überlegt, wie der Staat in bezug auf Euch jede Erhöhung wieder wett machen wird: Entlassungen auf der einen Seite und die dabei freiwerdende Arbeit auf den Schultern der verbliebenen verteilt. Easy going? Dann wäre es gut, ihr würdet euren Sessel einmal verlassen und die überlastete Krankenschwester, den gestressten Polizisten, die burnouttechnisch gut bediente Erzieherin im Kindergarten fragen. Oder wie wärs mit einem kurzen Gespräch mit einem der inzwischen wieder weit mehr als vier Millionen Arbeitslosen? Entschuldigung, wir vergaßen: Die Gewerkschafts-Herrenmenschen unterhalten sich nur mit ihresgleichen, weil sie ja auch nur an ihresgleichen denken!

Und der Kanzler jammert herum, man solle nicht mit Streiks alles noch schlimmer machen. Auch wenn der gute Gerd da ausnahmsweise einmal recht haben mag – ist es nicht er selbst gewesen, der uns allen einstens vollmundig versprochen hat, dass man ihn daran messen solle, welche Erfolge er in Bezug auf die Arbeitslosigkeit haben würde. Ist schon gut, er wurde wiedergewählt. Aber wenn man sich einmal umhört, dann will es keiner mehr gewesen sein. So ähnlich wie bei McDonalds: Keiner geht hin, aber immer ist voll! Nun, da aus der "Politik der ruhigen Hand" auch eine "Politik des wirren Hirns" geworden ist, können wir uns getrost zurücklehnen und den Untergang auf uns zukommen lassen. Einziger Hoffnungsschimmer: In Gerhard Schröders Jahreshoroskop, das ein Boulevard-Blatt, dessen Namen wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht nennen dürfen, veröffentlicht hat, wird geweissagt, dass unser aller geliebter Kanzler noch in diesem Jahr das Weite suchen wird. Wohin? Auf die Pferdefarm mit Doris? In die Klapsmühle mit seinem Alter Ego, das immer noch behauptet, das mit den Arbeitslosen habe er nie so gesagt oder zumindest – wenn schon so gesagt – nicht so gemeint. Oder doch in den Knast als vorbestrafter Wahlbetrüger?

Beim Wort "Wahlbetrüger" fällt dem geschulten Politbeobachter natürlich sofort die CDU ein. Die Schwarzen ("Schwarzes Parteibuch, schwarze Koffer, schwarze Seele", wie ein lange diskutierter Werbeslogan der Union einstens lautete) sind den winterlichen Temperaturen erlegen und zu Eis erstarrt. Hat man in den vergangenen vierzehn Tagen die Worte "Union", "CDU", "Merkel", "Merz", "Stoiber" in den Nachrichten überhaupt noch gehört? Und, die Frage die sich schon zwangsläufig anschließt: Wären sie es denn wert gewesen, erwähnt zu werden? Ach so, klar. Das Bundesverfassungsgericht hat das Einwanderungsgesetz kassiert. Richtig. Das wollte die CDU. Aber wird das unsere Steuerlast verringern, werden deshalb die Kassenbeiträge stabil bleiben oder die Renten sicherer. Danke, liebe Christdemokraten! Was ihr durch weniger Zuwanderung einsparen mögt, das habt ihr durch dieses glänzende Verfahren schon rausgeblasen! Auch die Damen und Herren in Rot sprechen nicht gratis Recht. Aber von einer Partei, die Opposition mit konzeptlosem Dauerstänkern verwechselt, erwarten wir ja schon gar nichts anderes.

Genau wie von der FDP. Da mag der ein oder andere froh sein, dass Mölli weg ist. Wenn wir uns aber Guido Westerwelle so anschauen, dann fällt uns auf, dass Möllemann wenigstens etwas Farbe in diese leichenblasse Partei gebracht hat. Aus, vorbei. Wahrscheinlich werden die Liberalen auch ihr Ziel bald umbenennen müssen. Nicht mehr "18 %" Stimmen, sondern überhaupt noch 18 Stimmen...

Bleiben die Grünen. Auch den Damen und Herren der alternativen Ecke (das ist heute, in Zeiten geänderter Rollenzuschreibungen die ehemals konservative Ecke, weil die Parteien von dort und von links ja in die Mitte gerückt sind, wo die Liberalen Platz gemacht haben, indem sie in die Bedeutungslosigkeit abgetaucht sind ...) haben sich bereits gut eingeführt im neuen Jahr. 2003 wird man in ein paar hundert Jahren nur noch als das "Pfandjahr" bezeichnen. Nicht nur auf Dosen wird jetzt ein Pfand erhoben, sondern gleich auch noch eine Steuer auf die nun nötigen Pfandmarken (kam ja auch völlig überraschend dieses Dosenpfand, konnte man sich ja nicht darauf vorbereiten). Und auf die Pfänder beim Strip-Poker wird eine Lustabgabe fällig. Klaro, da sind die Grünen schon gründlich.

Liebes Volk der Teutonen, einst wolltet ihr Herrenmenschen sein, heute seid ihr nur noch die Deppen eures eigenen Staates. Ihr seid das strahlende Beispiel dafür, wie phlegmatische Lethargie und hirnlos blinder Aktionismus sich zu einem wunderbar unheilvollen Ganzen vermengen können. Und so werden wir auch in diesem Jahr wieder jammernd unser Schicksal bedauern und am Ende doch wieder unsere Hände in den Schoß legen und feststellen: Man kann nichts machen daran.


So sprechet denn alle unsere neue Jahreslosung nach: "Und schuld, schuld sind eh immer nur die da oben!"