2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Irish Folk mit neuen Tönen
01/2003
"Celtic dreams and dances", so das Motto der im vergangenen Jahr neu gegründeten Formation "Dhalia", die am ersten Sonntag des neuen Jahres erstmals im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" Station machte. Ein Blick in die bunte Truppe ließ aber einfallen: "Stimmt, da war doch was!" Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich die nicht nur in unserer Region gefeierte Irish-Folk-Band "Wild Silk" aufgelöst – die Rumpfmannschaft aus Simone Freimüller, Berk Demiray und Rainer Burgmer hat sich mit der Ex-Paddy-goes-to-Hollyhead-Geigerin Hellen Mannert zusammen getan und den ebenfalls noch aus "Wild Silk"-Tagen bekannten Bergo Ibrahim mit ins Boot geholt.

Ein neues Label, ein neuer Sound – die gleichen Fans. Dennoch und gerade weil die Auflösung von "Wild Silk" wie man allenthalben munkeln hört eben doch nicht nur rein "technische Gründe" hatte, soll nach dem erste Besuch im neuen Gewand ganz ausdrücklich auf einen Vergleich mit alten Zeiten verzichtet werden.

Denn tatsächlich kommt "Dhalia" auch mit einem anderen Angebot auf die bekannten Fans zu. Ein percussionlastiger Sound, der den Bereich von irischer oder keltischer Musik längst verlassen hat. Ob es an der neuen Rolle des Ägypters Kamal "Bergo" Ibrahim, der mit Djembe, Darabukka und Madga (mancher mag die keramische Handtrommel im ersten Augenblick als Blumenvase missdeutet haben) einen ganz neuen, deutlich rhythmusbetonteren Part einbringt, liegen mag oder an einer ganz generellen Neuorientierung der Band, in jedem Falle haben orientalisch-arabische, vom Balkan herüberwehende und auch einige ganz zentraleuropäische Komponenten Einzug gehalten und aus den "Celtic Dreams" sehr vielschichtige und vielgestaltige Träumereien gemacht. Da stehen dann irische Traditionals neben einem arabischen Liebeslied und deutscher Volkskunst.

Sängerin Simone Freimüller ist ohne jede Frage die Attraktion "Dhalias". Ihr glasklarer Ton, die fast entrückt wirkende Interpretation, der sphärische Klangcharakter ihrer Stimme lassen gerade die ruhigen und zärtlichen Balladen zu elfenhaft transzendenten Klangwundern werden. "Lovers", ein langsamer, ruhiger Titel, der auch in der neuen Besetzung immer wieder ankommt und die deutsche Volksweise "Ich hab die Nacht geträumet" wurden zu echten Highlights, weil der Sängerin hier der ganze Raum gegeben wurde. Überhaupt ist die Instrumentierung gerade bei den Balladen ein bemerkenswertes Unterfangen: "Dhalia" verwendet sehr viel Mühe auf ein anspruchsvolles Gesamtklangbild, das die Herzen der Zuhörer im Sturm zu nehmen versteht. Als perfektes Beispiel könnte "Oi dort'n" angeführt werden, ein Liebeslied in jiddischer Sprache, bei dem Freimüllers Gesang mit einer ganz besonders ausgefeilten Begleitung gleichsam in unendliche Höhen gehoben wurde.

Urgestein Berk Demiray bereitet nicht nur den musikalischen Nährboden für die Band. Er ist auch immer wieder die treibende Kraft, der vor Stärke strotzende Part auf der Bühne, der das Urtümliche und Unverfälschte verkörpert und in Klänge gießt. Dabei mag man sich an die neuen Töne nur schwer gewöhnen, aber auch er hat sich nach neuen Sphären umgesehen und sichtbar Freude an Titeln wie dem französischen "Halihalo". "Dhalias" traditionellster Teil ist Rainer Burgmer. Er bringt seinen Mitspielern die Flötentöne bei, bringt auf Whistle, Klarinette und Bombarde den klassischen Folksound ein, lässt klagende Töne über hügelige Weiten klingen. Und er wagt ab und an ein Experiment – ob er mit zwei Flöten gleichzeitig spielt, oder eine Panflöte imitiert. Ebenfalls keine Unbekannte, aber im Zusammenspiel mit den anderen eben doch ganz neu: Die Geigerin Hellen Mannert. An dieser einen Stelle sei doch noch ein Vergleich mit den großen Vorgängern erlaubt. Mannert spielt bei "Dhalia" noch eine zu hektische, zu unsichere, zu betont freudige Rolle. Dabei fehlt ihr aber die Ambition zum Teufelsgeiger, wie Mathias Kohlmann einstens einer gewesen war: Keine Frage, dass die junge Frau in diese neue Formation eigentlich klanglich ganz gut passt. Aber sie wird nachdenken müssen, ob sie sich nicht besser auf die Ruhe der übrigen "Dhalias" einlassen sollte.

Alles in allem haben die Fünf in Hockenheim eine gute Visitenkarte abgegeben. Sie haben gezeigt, dass "Dhalia" neue Pfade zu beschreiten gewillt ist. An den kleinen störenden Details wie der etwas unausgegorenen Abmischung werden sie noch arbeiten.


Die Fans jedenfalls sind begeistert und treu wie eh und je – sie werden künftig als "Dhalianer" leben, wenngleich manch einer den alten Zeiten doch nachzutrauern schien: Als zur letzten Zugabe die Rumpfbesetzung vor das begeistert applaudierende Publikum trat und mit "Down by the Sally Gardens" einen emotional kaum überbietbaren Schlusspunkt setzte, wurde augenscheinlich manchem etwas schwer ums Herz – "but I was young and foolish, and now Im full of tears".

Weitere Informationen im Internet unter http://www.dhalia.de



Information für alle Simone-Freimüller-Fans: Sie wird voraussichtlich beim Jubiläumskonzert der "Neuen Barden" am 23. Oktober 2007 in der Kongresshalle Augsburg auftreten!