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Dirk Schwieger
Erschienen
Ineinander #4
02/2003
der eigen verlag, Berlin
36 Seiten / € 2,99
Nachdem uns Lesern auch in Nummer drei Grafik und Poesie vom Feinsten begegnete, wird der Autor Dirk Schwieger in Ausgabe vier seiner Serie "Ineinander" irgendwie frech. Es geht um Werbung. Werbung um einen Geliebten, Werbung um Käufer, Werbung um Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Dabei fängt auch dieses Heft wie gewohnt an. Zwei Seiten und 18 Panels ohne Worte und voller Erzählung. Blicke zwischen zwei Menschen, Gedanken für jeden einzelnen. Gedanken, die den Denker sich nicht konzentrieren lassen. Wundervoll ins Bild gesetzt durch zwei Bilder eines aufgeschlagenen Buches: Zuerst sind die Buchstaben klar zu erkennen doch dann zwingt sich das Bild des Gegenübers über die Zeilen. Dann wieder Blicke. Zuerst zueinander, dann aneinander vorbei. Als würde hier eine Beziehung beendet. Kein Wort hält den Leser auf diesen Seiten fest, es ist die pure bildgewordene Geschichte, die hier vermittelt wird und fesselt. Ohne Worte und deswegen inspirierend, bindend, mit einbeziehend, Erinnerungen weckend, emotional.

Nächste Seite – ein anderes Thema. Statt Kai Stepha, statt Beziehung Lebenslust. Und jetzt wirds frech. Immer wieder Werbung statt Comic. Von Ehapa über Carlsen, Laska, Speed und und und. Hoffentlich hat die Werbung genug gebracht, um diese Serie auf solide finanzielle Füße zu stellen. Doch warum frech? Schwieger baut die Motive der Werbung in seine Story mit ein. Während die beiden Turteltäubchen im Wasser baden, erquickt sich Dagobert im Geldspeicher und wenn Captain Tsubasa seinen Ball kickt, fehlt Stepha ein Zahn. Und dann kommt die Seite 75 (der kompletten Serie), und wir Parnassleser finden einen uns bekannten Satz. Mit "Es ist eine Kunst, Gefühle auszudrücken" haben wir letztes Jahr unseren Bericht über Dirk Schwiegers Serie begonnen. Es ist eines von vielen Zitaten aus Rezensionen der verschiedensten Magazine zur Serie "Ineinander". Danke für die Erwähnung, aber auch so hätte uns die vierte Ausgabe gefallen. Frech, weil dieses Heft zu zwei Dritteln aus Verlagswerbung und Rezensionszitaten besteht. Eingebettet auf unterhaltsame Weise, aber eher eine Kollage als ein eigenständiges Werk. Erfrischend frech.

Auch der Gastbeitrag von Akinori Oishi ist unziemlich. Es geht in erster Linie ums Pinkeln. Strichmännchen wehren sich wasserlassend gegen eine Spinne oder ärgern eine Schnecke. Das ist ein starkes Stück – Danke.


Ineinander hat sich mit dieser vierten Nummer und der unverfrorenen Herangehensweise an das Thema Werbung vor einer einlullenden "Verlässlichkeit auf hohem Niveau" und der daraus resultierenden Monotonie bewahrt und lässt den Leser mit belebender Neugier auf das nächste Kapitel eigentlich nicht wirklich los.