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Erschienen
FCBB verleiht alten Tönen neue Flügel
02/2003
Alte Freunde schauten am letzten Wochenende im Januar mal wieder in Hockenheim vorbei, als die "Frankfurt City Blues Band" im Kulturzentrum "Pumpwerk" Station machten.
Vor einem Jahren war die Kultformation um Leader Andreas The August zum letzten Mal in der Rennstadt, "und ihr seid ja auch alle wieder da", begrüßte die Blueslegende die Fans, die das "Pumpwerk" ordentlich gefüllt hatten.

Die gleiche Band, die gleichen Fans? Nicht ganz. Tatsächlich waren zwar die Anhänger – bis auf wenige Unabkömmliche, die sich entschuldigt hatten – treu erschienen, aber was ihnen da von der Bühne entgegenschwappte, hatte sich seit damals noch ein Stück weiterentwickelt. Das mag überhaupt das Charakteristikum der "FCBB" sein: Nichts bleibt, wie es war, alles ist im Fluss, ein organisches, stetes Wachstum. Die neue Art, mit der die Band diesmal aufwartete, trägt zu recht den erstaunlichen Titel "Psychedelic Blues": Alte Klassiker wirbeln die Fünf mit einer aberwitzigen Leichtfertigkeit durch die Luft und machen aus dem Konzert einen einzigen irren Musikzirkus. Die "alte Schnulze von Ray Charles" "I can’t Stopp loving you" drehen sie durch ihren instrumentalen Fleischwolf und backen daraus schmackhafte Happen, denen man die Eigenheiten des Originals nur noch ahnungsweise entnehmen kann. Und wieder einmal stellen sie unter Beweis: In der Musik wie beim Kochen ist die Gaumenfreude mehr als die Summe der Zutaten.
Es ist die große Stärke der FCBB, aus den Vorlagen ganz neue Stücke zu kreieren: Mit deutlich mehr groove und einem ganz gehörigen Hang zu dirty sounds gehen die Neuauflagen den Zuhörern nicht mehr nur unter die Haut, sondern zucken durch Mark und Bein und bewegen sie im Ganzen – wenn August dann mit zusammengekniffenen Augen das Hauptthema in ungeahnte Höhen juchzt und kräht, tobt das Volk.

Längst hat die "Frankfurt City Blues Band" Kultstatus erreicht; die neue Formation unserer Tage wird sicherlich fast schon so vergöttert wie die Urformation aus der Mitte der Siebziger, als Häder, Dill und Schilling noch an Bord waren – man feiert Musiker heute nur eben anders. Nicht mehr, indem man nackt die Bühne stürmt.

Ein wenig von den alten Tagen, als man den Blues noch deutlich traditioneller auffasste, haben sie herübergerettet. In der Gegenwart haben sie es "nur ein wenig anders aufgefasst": Von einer der ersten LPs gaben sie "Gotta sweet my baby", diesmal aber mit harten und absolut fesselnden Instrumentalparts, mit denen sich die einzelnen Bandmitglieder gegenseitig toppten. Andreas The August sang sich die Seele aus dem Leib und hämmerte den Zwölftakter auf dem Keyboard, Gitarrist Johannes Krayer, den man auch schon zusammen mit Patricia Kaas, Stefan Remmler und Jule Neigel gehört hat, gab die Riffs, der Bassist Klaus Bussalb (spielte mit Jennifer Rush) und Drummer Thomas Rath (Jocco Abendroth, Xavier Naidoo) machten den Beat dazu. Leadgitarrist Tilmann Höhn, den man von Alannah Myles kennt, holte alles aus seinem Instrument heraus und zusammen produzierten sie den charakteristischen Sound, für den die Fans die FCBB so abgöttisch lieben. Erdig, sehr atmosphärisch, stark von den vocals inspiriert, aber auch von den besonders ausgebauten Gitarren-Parts, unter dem Bass und Drums einen verlässlichen, mitreißenden Grundrhythmus legen.

Aber sie können auch anders: Sphärische Gitarrenklänge, handmade-drums und ein mit aller Hingabe intonierter Gesang bei "I’ve got to eat you". Klar, auch hier gaben sie alles, auch hier hatte man den Eindruck, die fünf Jungs könnten sich gegen den Taumel des groove nicht wehren; aber doch kamen sie irgendwie sanfter daher als sonst. Man hörte es nicht direkt, aber man spürte es.

Daheim fühlen sie sich aber im vollmundigen, hämmernden, heißen Sound. Dann geben sie die "Rolling Stones" – "klingt natürlich etwas anders, als das Original" (die Frankfurt-City-Interpretation von "Ruby Thuesday" ist übrigens auch auf der neuesten CD der Formation, "one, two, go-go" zu hören). Oder Bob Dylan als "Stück zum Mitschunkeln" hart und heavy. Und auch der FCBB-Version des vergessenen Beatles-Titels "Hey Bulldog" geht die Pilzkopf-Manier völlig ab – herrlich!


So aufgepeppt und revitalisiert hört man den Blues besonders gerne. Denn anders als die meisten Cover-Bands, die im Versuch, einen möglichst "authentischen Sound" zu finden, allenfalls Leichenfledderei betreiben, verleiht die FCBB den alten Tönen neue Flügel und hebt gemeinsam mit ihrem Publikum ab – neuen Sphären entgegen.

Weitere Infos im Internet unter http://www.frankfurtcitybluesband.de.