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Erschienen
Iron Storm
02/2003
Wanadoo Edition
1 CD-ROM / ca. € 40
Das Leben ist ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse. Die Entwickler des Spiels "Iron Storm" scheinen sich diese Weisheit als Leitthema für ihren Shooter genommen zu haben. Denn von einigen Aspekten des Spiels kann man begeistert sein, andere lassen den Spieler fast verzweifeln.

Mit was fangen wir an? Wir sind positiv! Also:

Die Grafik ist auch auf unserem 1,2 GHz Rechner flott und ohne zu ruckeln (wenn es denn mal läuft), stimmige Farben und vor allem – eigenständig. Die Personen haben sehr kantige Gesichter, unterschiedlich, aber man bemerkt einen eigene Stil. Das hebt sich angenehm von vermeintlich besseren Engines ab, die möglicherweise perfekter sind, aber dadurch auch steriler. Dann doch lieber Geschwindigkeit und Stil. Besonders die zu dunkel gefärbte Augenpartie des weiblichen Captains erinnert etwas an Blade Runner – hat was.

In "Iron Storm" ist alles irgendwie düster, selbst am Tag will es keine richtig bunten Farben geben. Aber wo sollen die nach den 50 Jahren Krieg, der die Erde im Griff hält, auch herkommen? Und schon wären wir beim Szenario, das angenehm an die Alternativ-Romane von Philipp K. Dick erinnert. In diesem ewigen Krieg mischen sich Grabenkämpfe aus dem ersten Weltkrieg mit riesigen und raketenwerfenden Hubschraubern. Die deutschen Gegner schreien auf deutsch um Hilfe, unsere Kameraden warnen uns in untertiteltem Englisch. Man darf gelegentlich sogar das russisch-deutsche Fernsehen anschauen. Dass "typisch deutsche" Rottweiler uns das Leben schwer machen, wird den Tierschutzbund nicht glücklich machen, aber Krieg ist ein dreckiges Geschäft.

Nun zu den Schattenseiten des Spiels:

Was ist künstliche Intelligenz? Sicher nicht, wenn eine Gruppe Feinde im Gespräch vertieft angegriffen wird und der erste Soldat zwar von einem Kopfschuss getroffen zu Boden geht, sich dabei aber freundlich weiter unterhält. Was ist saubere Programmierung? Sicher nicht, wenn sich das Spiel mit einem unangenehmen Pfeifton verabschiedet, nachdem man die Tastaturbelegung geändert hat. So besteht die erste Aufgabe des Spielers darin, den Patch aus dem Internet zu installieren. Das nenn ich doch mal innovatives Spiel-Design. Aber im Ernst, das Spiel ist so geradlinig, dass Gegner, die man nicht in der richtigen Reihenfolge erledigen will, einfach nicht sterben. Ach ja – vor herumliegenden Gliedmaßen sollte man sich nicht fürchten – der Krieg ist halt hart.

Aber genug der Lästereien, das Spiel macht, wenn es denn mal läuft, richtig Spaß. Grafik, Sound und die Hintergrundstory passen gut zusammen. Das unterscheidet "Iron Storm" auch angenehm von keimfreien Spielen wie "Star Trek Voyager Elite Force". Vor allem der eigene grafische Stil macht aus diesem Stück unausgereifter Software ein unterhaltsames Stück Bits und Bytes.
Wenn es denn mal läuft.


Anschauen lohnt sich, aber nicht gleich in die Luft gehen, wenn sich "Iron Storm" mal aufhängt, das muss man leider in Kauf nehmen. Zu den unlogischen und deswegen fast unlösbaren Stellen im Spiel gibt es im Internet einige Foren, in den sich die Spieler gegenseitig helfen.

Dieser Artikel ist Teil der Gameboys #6 anhören (Realplayerstream)?