2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Kelly / Anderson / Sienkewicz
Erschienen
DC Premium # 19: Green Lanterns Vermächtnis
03/2003
Panini Verlags GmbH, Nettetal
112 Seiten / € 12,50
"Richte es" - Das ist nicht viel, doch ist es Hal Jordans Vermächtnis an Stupsnase. Und der ist mittlerweile ein heruntergekommener Säufer und nicht besonders prädestiniert, irgend etwas zu richten.

Hal Jordan war die erste Grüne Leuchte des zweiten Marvel-Zeitalters. Davor gab es schon mal eine Leuchte und nach ihr auch noch einige. Aber Hal war und ist die bedeutendste. Sie schuf den Mythos dieses Helden aus der zweiten Reihe. An der Seite des Green Arrow revolutionierte sie das Genre Mainstream-Comic mit sozialkritischen Themen, und möglicherweise ist Hal auch der Held mit den meisten Tränen. Später vernichtete er seinen Heimat Coast City und dann fast das ganze Universum. Vom kleinen Superheld zum fast allmächtigen Weltenvernichter - in jedem Falle eine besondere Karriere, die nicht jeder Held in Unterhosen vorzuweisen hat. Stupsnase ist sein asiatischer Sidekick. Er wurde als zweite Nebenrolle schon in Nummer zwei aus dem Jahre 1960 in die Serie eingeführt. Er war und ist der unscheinbare Wicht, der in der entscheidenden Minute, wenn der Autor nicht so recht wusste, wie der Held noch sinnvoll zu retten wäre, eingreift. Aber wie die Lantern hat auch er sich nicht zu seinem Vorteil entwickelt. Doch: So lange man sich nicht selbst aufgibt, kann sich noch alles zum Guten wenden. Stupsnase wird nach über 100 Seiten in einem Comic, das durchaus das Nachdenken wert ist, seinen Mut und seine Selbstachtung wiedergewonnen haben und einem Happy End entgegenschreiten.

Bis dahin erlebt der Leser noch einmal die wechselvolle Geschichte der echten Green Lantern und den Kampf unseres zum wahren Helden wachsenden Sidekicks Stupsnase mit. Das ist gut geschrieben, pathetisch - aber nicht zu dick aufgetragen, immer mit einem Schuss Superhelden-Story und darum wirklich lesbar. Und weil so gut auch echt zu empfehlen - hier wird mal wieder nicht gespoilert.

Die Zeichnungen wirken zu Anfang eher störend. Urgestein der innovativen Gestaltung Sienkiewicz wirkt unbeholfen wie schon in "Galactus der Weltenverschlinger". Aber das ändert sich glücklicherweise. Bei der Entwicklung, die sich über die ersten zwanzig Seiten hinzieht, kommt eine Art erwachsener Neal Adams heraus. Das spricht natürlich die älteren Leser besonders an, die sicherlich die vorrangige Zielgruppe dieses Comics sind: Comicleser, die mit den straighten Superhelden der 70er groß geworden sind und heute etwas mehr von einem Superheldencomic erwarten, als ein Schurke mit Superkräften, der auf den letzten drei Seiten dann doch irgendwie besiegt wird. Gastauftritte haben die Gerechtigkeitsliga und die Überlebenden des Green Lantern Corps. Sogar Kilowog, Lanterns Mentor im Corps, hat eine wichtige Rolle.


DC wird Hal Jordan wohl nie so richtig los werden. Zu sehr und anfangs auch zu unerklärt ist man mit dem Helden umgesprungen. Besonders wir deutschen Leser, die ja nicht alle Hefte lesen konnten (was übrigens eher ein Glück ist – denn die waren wirklich nicht alle gut) haben den Wandel des Ringträgers nie richtig nachvollziehen können. Hier wird die Leuchte begreifbar und das in einer dichten Geschichte um Schuld und Verantwortung. Ein wichtiges Thema, nicht nur in Amerika, das einfühlsam angegangen wird. Die Auflösung ist flach und unkompliziert, aber ein eher realistisches Ende in der Gosse inklusive Totalverlust der Menschlichkeit wäre auch nicht wirklich erbauend gewesen. So ist Green Lanterns Vermächtnis neben einem gelungenen Comic eine Aufmunterung, mit den Leichen im eigenen Keller klar zu kommen. Packen wirs an.

Dieser Bericht ist Teil der Soundwords # 38 anhören (Realplayerstream)?