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Erschienen
Herr der Ringe: Die Gefährten (GameBoyAdvance)
04/2003
Vivendi Universal Interactive Publishing Deutschland GmbH, Langen
ca. € 45.-
Für den GameBoyAdvance

Filmlizenzen sind ein zweischneidiges Schwert. Zum Einen kosten sie Unmengen und fressen so einen nicht unbedeutenden Teil der finanziellen Mittel bei der Realisation eines Spieles, zum Anderen sichern sie einen gewissen Umsatz. Das führt leider oft zu schlechten Spielen. Fast möchte man meinen, je größer der Name, desto schlechter das dazu gehörige Spiel. Der Reigen der in den Sand gesetzten Filmumsetzungen ist so wohlklingend wie lang: "Ghostbusters", "Men in Black", einige "Star Wars"- und "Star Trek"-Spiele, und natürlich die wirklichen Götter der schlechten namhaften Spiele wie "Big Brother" oder "Der Schuh des Manitu". Aber es gibt auch positive Vertreter des Genres wie zum Beispiel einige andere "Star Wars"- und "Star Trek"-Titel.

Zu welcher Sorte gehört der GBA Titel "Der Herr der Ringe – Die Gefährten" von Vivendi Universal? Nicht einfach, denn der technische Standard entspricht nicht dem Spielspaß dieses Moduls.

Zur Technik. Kurz: Nicht up to date. Wer schon mal den Trailer zu "Golden Sun II" gesehen hat, erwartet selbst auf Nintendos Hosentaschenzwerg mehr. Die Grafik ist in schlichter isometrischer Ansicht gehalten. Keinerlei 3D-Spielerein, keine Spezial FX – die Technik des GBA wurde einfach nicht ausgereizt. Vielleicht ein Opfer der Lizenzkosten. Dabei sind die Grafiken eigentlich ganz nett. An den Wänden der Herberge in Bruchtal hängen Elchköpfe, die Füße der Hobbits sind groß und scheinen sogar Haare zu haben und Gandalfs Mantel ist dezent animiert. Aber der GBA kann eben mehr – viel mehr. Die Kämpfe sind streng rundenbasiert, zuerst die Bösen, dann die Guten. Das Inventar ist auf sechs Items begrenzt und die Rätsel sind eher simpel. Rätsel hören, richtigen Gegenstand finden und an den richtigen Platz bringen – fertig.

Sogar bei der Geschichte wurde gespart. Die Szene, als Frodo am Lagerfeuer verletzt wird und die dunklen Reiter ihn fast ergreifen können, wurde drastisch und fast grausam auf die effektvollsten Passagen verstümmelt. Hier stackseln die Nazgul in nur vier Ansichten um das Lagerfeuer herum, Frodo flüchtet und die Reiter werden von der Welle an der Furt weggespült.

Trotz dieser deutlichen Schwächen macht das Spiel Spaß, den hier wird endlich mal die Geschichte des wichtigsten Buches des Fantasy-Genres wenigstens ansatzweise nachspielbar erzählt. Der Fan oder Kinogänger kennt die Story ohnehin und ergänzt die fehlenden Stellen fast automatisch. Was bleibt, ist das nicht beschreibbare Gefühl, an der Seite von Frodo durch die Welt von Mittelerde zu wandern. Und das ist nicht so stark wie beim Lesen des Buches, aber wesentlich intensiver als wenn man den Film ansieht. Es ist einfach schön, wenn wir Spieler an Bilbos Geburtstagsfeier teilnehmen könne oder unsere Hobbitfreunde aus den Wurzeln der Weide befreien können. Das ist aber auch in einfachster Konsolen-Rollenspiel-Tradition programmiert. Die Rätsel sind einfach und das Prinzip ist immer gleich. Nur die vielen Gegner halten länger auf. Aber wer hat schon das gute Gefühle, einmal selbst einen Goblin erschlagen zu haben? Und das sogar unterwegs! Da verzeiht man dem Spiel gerne die etwas antiquierte Technik.


Hoffentlich bringt Vivendi Universal auch den zweiten Teil des Spiels heraus. Schon der Zeichentrickfilm, das zugehörige Comic oder auch alte Spiele brachten nur einen Teil des Buches – Zeit, endlich mal das ganze Werk als Spiel umzusetzen. Einen Gauntlet-Klon mit dem Titel "Herr der Ringe – Die zwei Türme" hat EA Games herausgebracht – grafisch besser, dafür aber meilenweit von der literarischen Vorlage entfernt.